Von Barbara Munker
Lange Zeit war er Hollywoods «enfant terrible»: Der zweifache Oscar-Preisträger Sean Penn fiel nicht nur durch perfekt gespielte Rollen auf. Er schlug sich auch mit Paparazzi und saß hinter Gittern. Mit 50 Jahren ist er eigenwillig, erfolgreich und engagiert.
Sean Penn zeigt sich gerne von der kämpferischen Seite. In dem Streifen Milk spielte er mit erhobener Faust und unerschütterlichem Kampfgeist den schwulen Bürgerrechtler Harvey Milk. Eine Glanzleistung, die ihm im vorigen Jahr den zweiten Oscar einbrachte. Auf der Oscar-Bühne blieb es nicht bei einem netten «Thank You». Der Hollywoodrebell wetterte vor dem Millionenpublikum gegen das Verbot der Homo-Ehe und forderte «gleiche Rechte für alle».
Penn, der 50 Jahre alt wird, griff unlängst den Musiker Wyclef Jean an, der neuer Präsident von Haiti werden möchte. Er zweifle an dessen Fähigkeiten, dem Land nach der Erdbebenkatastrophe zu helfen. Penn nahm in der Larry-King-Talkshow kein Blatt vor den Mund. Zumindest war es nur eine verbale Attacke.
Vor mehr als 20 Jahren saß der Schauspieler nach Handgreiflichkeiten eine mehrwöchige Haftstrafe ab. Während der Dreharbeiten bei dem Film Colors hatte er einen Statisten angegriffen. Außerdem war er wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen und wegen körperlicher Auseinandersetzungen mit seiner damaligen Frau, Popstar Madonna, vor Gericht zitiert worden.
Im vorigen Herbst rastete Penn wieder aus, als ihm ein Paparazzi zu nahe kam. Ein 34 Sekunden langes Video zeigt, wie der Star auf den Fotografen zuläuft, ihn beschimpft und schließlich mehrmals nach ihm tritt. Ein Richter brummte Penn im Mai eine dreijährige Bewährungsstrafe auf. Zudem muss er einen Kurs zur Kontrolle von Wutausbrüchen absolvieren und gemeinnützige Dienste verrichten.
Penn hat sich als Leinwandstar etabliert, der seine Außenseiterrolle pflegt. Intensive und eigenwillige Charaktere faszinieren ihn, wie etwa der junge Amerikaner Christopher McCandless, dessen Leiche 1992 in der Wildnis von Alaska gefunden wurde. Mit In die Wildnis (2008) inszenierte Penn mit Emile Hirsch in der Hauptrolle ein bewegendes Drama. Als nächstes will er das Leben des Aussteigers Dorian 'Doc' Paskowitz verfilmen, der in den 1960er Jahren seinen Arztberuf an den Nagel hängte und mit Ehefrau und neun Kindern im Schlepptau ein Leben als Surfer-Nomade führte.
Mit der Rolle des Highschool-Surfers Jeff Spicoli in der Kultkomödie Ich glaub' ich steh' im Wald hatte Penn 1981 seine Hollywoodkarriere begonnen. Kurz danach drehte er mit Tom Cruise den Militärstreifen Die Kadetten von Bunker Hill. John Schlesinger holte ihn 1985 für den Spionagethriller Der Falke und der Schneemann vor die Kamera, Brian De Palma für das Vietnamdrama Die Verdammten des Krieges (1989).
Anfang der 1990er Jahre startete er seine zweite Karriere - hinter der Kamera: Von dem Bruce-Springsteen-Song Highway Patrolman ließ er sich zu seinem gefeierten Regie-Debüt Indian Runner inspirieren - einer Charakterstudie über zwei Brüder, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen. Mit Jack Nicholson als Polizeidetektiv inszenierte er den Dürrenmatt-Roman Das Versprechen.
Die erste von fünf Oscar-Nominierungen verdankte Penn seiner Rolle als Todeskandidat in Dead Man Walking (1995). Die nächste holte er als trinkender Jazzgitarrist in Woody Allens Sweet and Lowdown, dann als behinderter Vater in Ich bin Sam. Mit dem etablierten Hollywood stand er auf Kriegsfuß, den Oscar-Galas blieb er aus Protest fern. Im vierten Anlauf, als gequälter Vater in Clint Eastwoods Gesellschaftsdrama Mystic River, gewann Penn 2004 den begehrten Darsteller-Oscar und nahm ihn auch persönlich entgegen. Dabei überraschte der gewöhnlich bissige Bush-Kritiker durch seine zahme Dankesrede, die vor allem seinen Kollegen, Regisseur Eastwood und Ehefrau Robin Wright galt.
Sein Aktivismus bringt ihn immer wieder in die Schlagzeilen. 2002 rief er den damaligen US-Präsidenten George W. Bush mit einer Anzeige in der Washington Post auf, einen Krieg im Irak zu vermeiden. Er bereiste das Land mehrfach, um auf die Situation der Menschen dort aufmerksam zu machen. Zudem half er nach dem Hurrikan «Katrina» 2005 in New Orleans bei der Bergung von Überlebenden. Seit dem verheerenden Januar-Erdbeben in Haiti hat Penn dort viele Monate verbracht und mit seiner Hilfsorganisation J/P ein Obdachlosenlager aufgebaut.
13 Jahre hielt die bewegte Ehe mit Schauspielerin Robin Wright, doch sie zog im vorigen Sommer einen Schlussstrich. Sie teilen sich das Sorgerecht für Sohn Hopper Jack (17) und Tochter Dylan (19). Mit seiner Familie hatte sich Penn - weit weg von Hollywood - in einen kleinen Ort nördlich von San Francisco abgesetzt.
juz/car/news.de/dpa