Von den news.de-Redakteuren Ines Weißbach und Christian Mathea
Dass Gaby Dohm und Klausjürgen Wussow während der Dreharbeiten zur Schwarzwaldklinik eine Affäre hatten, grenzt heute nicht mal mehr an einen Skandal. Als die Serie vor 25 Jahren begann, undenkbar. Das Jubiläum wird mit der kompletten Serie auf DVD gefeiert.
Busseweise werden sie nicht mehr herangekarrt, wie damals in den 1980er Jahren. Die Fans der Serie Schwarzwaldklinik brauchen keinen Pilgerort mehr, wie das Glottertal in eben jenem Schwarzwald, wo die Außenaufnahmen der Serie von 1985 bis 1989 gedreht wurden. Es ist ruhig geworden in der Idylle. Doch pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum soll eine DVD-Neuauflage aller sechs Staffeln und erstmals auch der Revival-Filme aus den Jahren 2004 bis 2005 an die Erfolgsserie erinnern.
Die Schwarzwaldklinik ist als die immer noch beliebteste Serie der Deutschen ein Phänomen. Hier sieht Kunstblut auch so aus. Die Liebesgeschichten brechen Herzen nur kurz. Denn am Ende jeder Folge ist alles irgendwie doch wieder gut. Sie ist die Mutter aller Arztserien und fesselte bis zu 28 Millionen Zuschauer die 1980er Jahre hindurch vor ihre Fernseher.
Wahre Halbgötter in Weiß
Insgesamt 73 Folgen flimmerten durch deutsche Wohnzimmer, in denen sich Chefarzt Prof. Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) unfehlbar durch Patienten und Frauenherzen operiert. Mit ihm wird in der Schwarzwaldklinik das Bild des vielbeschworenen «Halbgottes in Weiß» aufrechterhalten. Es geht um Krankenschwester Christa (Gaby Dohm), die Brinkmanns Frau wird und im Eiltempo auch zur Ärztin. Um die Gigolo-Eskapaden von Udo Brinkmann (Sascha Hehn), des Professoren-Sohnes, der später Krankenschwester Elke (im wahren Leben Wussow-Tochter Barbara) heiratet. Den erwachsen werdenden Lausbuben-Pfleger Mischa oder die schnippische Oberschwester Hildegard.
Das Erfolgsrezept, das einen Marktanteil von bis 60 Prozent bescherte, ist einfach: Die Mischung macht’s. «Eine Viertel Stunde Krankenhaus, eine Viertel Stunde Liebe und eine Viertel Stunde immer irgendsoein Problem», erinnert sich Jochen Schröder, der Mischa spielte, im Bonusmaterial der DVDs.
Trotz aller schwülstigen Handlungen um die Liebschaften des Professoren-Sohnes Udo Brinkmann oder die seelentröstende Unfehlbarkeit des Chefarztes versuchten die Produzenten um Wolfgang Rademann auch den sozialkritsch-moralischen Nerv der Zuschauer zu kitzeln. Neben aller Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität mussten sich Professor Brinkmann und seine Mitstreiter mit Vergewaltigung, der Behandlung eines Mörders und Ärztepfusch auseinandersetzen. Der harte Ehemann in der Rolle des Familienernährers zerbricht an der Aufgabe, seine todkranke Frau zu pflegen, Zivi Mischa wird vom unbelehrbaren Macho als eben dieser Drückeberger beschimpft. «Das war fast eine Tabuhandlung in der damaligen Zeit», sagt Schröder über die Kriegsdienstverweigerung seiner Rolle. «Ich wollte den Leuten klar machen, dass sind keine Drückeberger.»
Reise in die Vergangenheit
Geschichten, wie sie heute noch erzählt werden könnten, nur wären sie schneller und krasser. Die Schwarzwaldklinik auf DVD ist - wie sollte es anders sein - eine Reise in die Vergangenheit, ein wiederaufgelegtes Dokument der Fernseh- und Zeitgeschichte. Geduld muss der Zuschauer haben mit den Figuren, mit der langsamen Handlung mit der biederen Aufmachung. Eigentlich ist die Schwarzwaldklinik ein Tipp zum Runterkommen für Jugendliche, die mit MTV und amerikanischen Psychothrillern sozialisiert worden sind. Im Glottertal liegt die Entschleunigung und innere Ruhe, oder Langeweile - Ansichtssache.
Weitere wichtige Erkenntnisse: Männer trugen früher Brusthaar, Kinder hießen Werner, geküsst wurde ohne Lippenbewegung und coole Typen brauchen keine Autotüren, um aus dem Cabrio auszusteigen.
Professor Brinkmann spricht nur Deutsch
Die DVD erscheint nur in Deutschland, dementsprechend gibt es – trotz zahlreicher Synchronisationen - eine Tonspur ohne Untertitel. Denn die Schwarzwaldklinik war mit ihren klaren, volkstümlichen Statements ebenso in anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Polen beliebt. Auch von hier kamen die Touristen ins Glottertal, auf der Suche nach den Brinkmanns. Sie fanden das Gebäude der Schwarzwaldklinik, das eigentlich Carlsbau heißt und irgendwann auch mal Sanatorium der Rehaklinik Glotterbad war. Keine Oberschwester Hildegard weit und breit, denn die Innenaufnahmen wurden im Studio in Hamburg gedreht. Eine Enttäuschung für die Fans der Serie, die sich auch im Krankheitsfall ins Glottertal bringen ließen, um sich von Professor Brinkmann behandeln zu lassen.
In der Nachschau scheint das keine so gute Idee gewesen zu sein. Schon immer kritisierten Mediziner die fehlende Fachkenntnis des Schwarzwaldklinik-Personals. Dr. Brinkmann ist eben kein Dr. House. Das gleiche gilt auch umgekehrt. Denn mit 3260 Minuten Glückseligkeit, so lang ist die Serie ungefähr insgesamt, kann die amerikanische Version nicht aufwarten und steht sicher dem deutschen Doktor im Kultfaktor um einiges nach. Dabei wird klar: So heil wie deutsche Fernsehunterhaltung einmal war, wird sie nie mehr sein.
Titel: Die Schwarzwaldklinik - Die Komplettbox
Darsteller: Klausjürgen Wussow, Sascha Hehn, Gaby Dohm
Filmlänge: 3260 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Extras: Interviews, Titelmusik, Revival-Filme
bereits veröffentlicht