The Big Pink «Jedes Konzert ist wie Sex»

The Big Pink (Foto)
Milo Cordell (links) und Robbie Furze von The Big Pink geben Gas. In jeder Hinsicht. Bild: Rough Trade

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Mit dem Hit Dominos und ihrer Mischung aus Rock und Elektro haben The Big Pink für viel Aufsehen gesorgt. Im Interview verrät die Band aus London, warum Konzerte erotisch sind, was sie an Festivals nicht mögen und warum Rockstars nur Blödsinn erzählen.

Milo Cordell (Keyboards) und Robbie Furze (Gitarre und Gesang) waren lange Zeit bloß die Männer im Hintergrund. Beide hatten ihre eigene Plattenfirma und verhalfen so etwa Bands wie Chrystal Castles oder Klaxons zum Durchbruch. Seit 2007 leben sie gemeinsam im Elektrorock-Duo The Big Pink ihren Rockstar-Traum. Die Engländer spielen im Vorprogramm von Muse in riesigen Arenen, provozieren mit gewagten Videoclips und haben auch sonst nichts gegen einen netten kleinen Exzess, wie man auch im Interview merkt.

Ihr seht ein bisschen müde aus. Kein Wunder: Nach allem, was man so hört, machen The Big Pink verdammt gerne Party.

Milo Cordell: Wir amüsieren uns gerne, das stimmt. Es stört mich auch nicht, wenn die Leute bei The Big Pink zuerst einfällt: «Oh, das sind doch diese Jungs, die immer so wild feiern.» Solange die Leute zu unsere Konzerten kommen und unsere Musik mögen, können sie denken, was sie wollen. Wir haben da wenig Erwartungen - und das zahlt sich auch oft aus. Wir erleben immer wieder nette Überraschungen. Als wir im Vorprogramm von Muse gespielt haben, war das zum Beispiel ein irrer Trip.

Rock, Elektro und Eis
«Dominos» von The Big Pink
Video: YouTube

Robbie Furze: Wenn die Chemie stimmt, hebt so ein Konzert einfach ab. Es ist ein bisschen wie Sex: Manchmal gibt es Leute, nach denen man sich jahrelang gesehnt hat, und wenn man sie dann endlich ins Bett kriegt, ist es ein Reinfall. Und manchmal erwartet man gar nicht viel, aber es wird fantastisch.

Versucht ihr, diesen Hedonismus auch in eure Musik zu übertragen?

Cordell: Wir sind zugedröhnt, seit wir 13 sind. So sind wir einfach. Natürlich fließt das in die Musik ein, aber wir wären auch so, wenn wir nicht in einer Band spielen würden. Wenn unser Sound von den Medien auf diesen Aspekt reduziert wird, sagt das meiner Ansicht nach mehr über den Journalismus aus als über unsere Musik.

Trotzdem scheint ihr einen ganz besonderen Sound anzustreben. Habt ihr deshalb auch euer Debütalbum selbst produziert? Das ist ja ziemlich ungewöhnlich.

Cordell: Das hat damit zu tun, wie wir komponieren. Wir sind nicht vier Leute, die erst einmal zusammen rumsitzen und sich einen Song ausdenken. Stattdessen gehört alles, was im Studio passiert, bei uns von Anfang an dazu. Wir haben ja auch schon als Produzenten für andere Künstler gearbeitet. Trotzdem haben wir bei der Arbeit an A Brief History Of Love gemerkt, dass wir in manchen Punkten auch Unterstützung gebrauchen könnten.

Zum Beispiel?

Cordell: Vor allem beim Mix. Und auch in der Frage, wann man aufhören soll. Oft ist ein Lied schon perfekt, und wir versuchen trotzdem weiter, bestimmte Teile davon zu verändern.

Auch sonst scheinen The Big Pink eine Band zu sein, die gerne in Gesellschaft ist. Ihr habt Remixes gemacht und Coverversionen. Dann müssten Festivals für euch ja der ideale Lebensraum sein, weil man leicht in Kontakt mit anderen Künstlern kommt?

Cordell: Ich mag Festivals, das ganze Drumherum, die Geselligkeit. Aber Robbie nicht.

Furze: Stimmt. Mich nervt es vor allem, wenn wir tagsüber spielen müssen. Da fehlt einfach die besondere Atmosphäre, wie man sie bei einer Show in einem Club hat. Auch der Sound ist oft nicht besonders gut. Und außerdem kommen die Fans bei Festivals nicht unbedingt wegen der Musik. Als ich noch als Besucher auf Festivals ging, habe ich das immer am meisten genossen, wenn ich keine einzige Band gesehen, sondern einfach nur Party gemacht habe.

Warum spielst du dann auf Festivals, wenn du sie gar nicht magst?

Furze: Gute Frage.

Cordell: Weil ich sie mag! (lacht) Aber es stimmt schon: Bei Festivals ist alles ein bisschen flüchtiger. Das ist nicht gerade die ideale Umgebung für ein Big-Pink-Konzert. Jedenfalls nicht, solange wir noch nicht die Headliner sind (lacht).

The Big Pink legen auch großen Wert auf Ästhetik, auf ganz spezielle Videoclips und Plattencover. Lässt sich dieser Anspruch bei einem Festival überhaupt umsetzen, wo man sich die Bühne mit vielen anderen Künstlern teilen muss?

Cordell: Das ist schwierig. Es geht bei uns um eine ganz besondere Atmosphäre, und bei Festivals haben wir zum Beispiel nicht unsere übliche Lightshow. Aber wir versuchen, immer alles zu geben und die Konzerte allein mit der Musik zu einer echten Big-Pink-Erfahrung zu machen.

Entstehen auch Ideen für die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wenn ihr euch auf Festivals trefft?

Cordell: Man redet da viel drüber. Nach dem Motto: «Yeah, lass uns ein Konzert zusammen spielen!» Aber das passiert dann nie.

Furze: Das ist fast immer so, wenn sich Rockstars hinter der Bühne treffen: Das ist alles nur Gelaber.

ruk/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig