Die Harte und der Zarte
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Von den news.de-Redakteuren Christian Vock und Christian Mathea
Artikel vom 19.08.2010
Zwei Menschen mit besonderen Fähigkeiten und doch sind beide so unterschiedlich. Bionic Woman und Ein Prophet. Die eine bringt fiese Schurken ins Gefängnis, der andere sitzt selber dort. Oh, noch eine Gemeinsamkeit: Beide sind gut und jetzt auf DVD. Außerdem neu: In meinem Himmel.
In den 1970ern wirbelte ein Mann mit schier unglaublichen Kräften die Bösewichte durch die Gegend. Der Kraftprotz war Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann und sein Darsteller Lee Majors wurde später noch berühmter als Stuntman in Ein Colt für alle Fälle. Die Serie um den Agenten, dem nach einem Unfall bionische Körperteile eingepflanzt wurden, kam bei den Fans so gut an, dass man wenig später einen Spin-Off ins Rennen schickte. Diesmal hatte man mehr Geld und so war Lindsay Wagner Die Sieben-Millionen-Dollar-Frau Jamie Sommers, die im Auftrag einer Geheimorganisation für die gute Sache kämpfte. Soweit die Familienverhältnisse.
Im März dieses Jahres schickte RTL2 dann das Remake auf den Bildschirm, das nun auf DVD erscheint. Bionic Woman ersetzt diesmal den etwas sperrigen Titel von einst und auch sonst hat die Serie einen zeitgemäßen Anstrich bekommen. Und der sieht richtig gut aus: Die Bionic Woman des neuen Jahrtausends ist witzig und schlagfertig - verbal wie körperlich. Inzwischen scheinen auch die Ersatzteile ein wenig teurer geworden zu sein, denn Jamie Sommers bekommt diesmal bionisches Material zum Ladenpreis von schlappen 50 Millionen Dollar implantiert. Damit lässt sich natürlich einiges anstellen.
Neben den schicken Action- und Kampfszenen, punktet Bionic Woman durch markige und intelligente Dialoge und eine spannende, nicht allzu komplexe Story. Denn eines bläute ihr Kampftrainer Jamie Sommers gleich am Anfang über ihre bionischen Superkräfte ein: «Ohne den Menschen ist die Maschine nicht zu gebrauchen.» Das haben sich die Macher wohl auch zu Herzen genommen, weshalb Bionic Woman neben all dem Hightech noch etwas viel Wichtigeres hat: Charme.
Titel: Bionic Woman
Darsteller: Michelle Ryan, Miguel Ferrer, Molly Price
Regie: Michael Dinner
2 Discs
Spieldauer: 324 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Veröffentlichung: 19. August
Preis: etwa 18,- Euro
Der 19-jährige Malik muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Kaum ist er hinter Gittern lernt er die harte Knastrealität kennen. Er soll für César Luciano einen Mithäftling töten. Als Gegenleistung steht er unter dem Schutz von Luciano und dessen korsischer Sippschaft, denn Luciano ist so etwas wie der Pate des Gefängnisses. Er hat die Häftlinge unter Kontrolle, ebenso wie Teile der Wärter. Ohne ihn und seine Korsen läuft nichts im Knast. Nach dem Mord steigt Malik in der Hierarchie des Knastes auf, erledigt Hilfsarbeiten für den korsischen Clan. Doch der Geist des Ermordeten erscheint Malik immer wieder. Bevor er dem Mann die Kehle durchschnitt, gab der ihm den Rat, die Zeit im Gefängnis zu nutzen. Fortan lernt Malik lesen und schreiben und sich sein Leben hinter Mauern einzurichten. Doch was für die Mithäftlinge wie Anpassung aussieht, ist in Wahrheit eine langsame Emanzipation.
Organisierte Kriminalität, verfeindete Clans und ein skrupelloser Gangsterboss – das alles klingt sehr nach einer Knastversion von Der Pate. In der Tat sind die Parallelen zu dem Mafia-Epos nicht zu übersehen. Doch anders als einst Ford-Coppola spielt Regisseur Jacques Audiard in Ein Prophet nicht mit der Ästhetik des Bösen. Was damals gleichermaßen Abscheu wie Faszination erzeugte, ist in Ein Prophet nur noch abscheulich. Die Bilder hier sind an Realitätsnähe kaum zu überbieten und Realität bedeutet im Gefängnis: Gewalt, Gewalt, Gewalt. Doch in diesem beklemmenden Meer aus Brutalität beweist Regisseur Audiard ein exzellentes Auge für Details und vor allem für Stimmungen. Sein Hauptdarsteller Tahar Rahim setzt die Visionen Audiards phänomenal um und macht aus Ein Prophet ein Gefängnisdrama allererster Güte.
Titel: Ein Prophet
Darsteller: Tahar Rahim, Niels Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb
Regie: Jacques Audiard
Filmlänge: 150 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Extras: B-Roll, Interviews, Making Of, Wendecover, Trailer
Veröffentlichung: 19. August 2010
Preis: etwa 19,- Euro
«Ich war 14, als ich ermordet wurde»: Ein Filmstart, der den Zuschauer überrascht aufblicken lässt und ihn von Beginn an vor vollende Tatsachen setzt. Bei einem normalen Thriller wäre die Spannung jetzt vorbei. Aber nicht bei dem Regisseur Peter Jacksons, der mit seinem Film In meinem Himmel auf eine ganz andere Geschichte hinaus will. Was passiert mit Menschen, nach dem Tod, die plötzlich von ihrer Familie gegangen sind?
Susie Salmond ist das Mädchen, von der die Stimme kommt. Nachdem die Teenagerin von ihrem Nachbarn in einer eigens zu diesem Zweck gebaute Erdhöhle ermordet wurde, befindet sie sich in einer Zwischenwelt. Einer Zwischenwelt, aus der sie das Leben der Menschen auf der Erde weiter beobachtet: Wie die Polizei und der Vater (Mark Wahlberg) verzweifelt nach einem Schuldigen suchen, wie die Mutter (Rachel Weisz) die Familie verlässt und wie ihre Schwester sich zum ersten Mal küsst – ein Wunsch, der für Susie Salmond kurz vor ihrem Tod selbst fast in Erfüllung gegangen wäre.
Der Film ist eine ineinandergewobene Mischung aus Einblicken in ein perfektes Familienleben des Amerika der 1970er-Jahren, einer bildgewaltigen Inszenierung einer Phantasiewelt und einem gnadenlosen Thriller, mit einem akribisch arbeitenden Mörder - perfekt gespielt von Stanley Tucci, der für diese Rolle neben Christoph Walz für den Oscar nominiert wurde.
Einige Kritiker hatten den Film bei seinem Kinostart im vergangenen Jahr dafür kritisiert, dass Jackson (unter anderem Herr der Ringe) beutende Teile der Romanvorlage ausgespart hatte. So wusste Susies Vater in Alice Sebolds Roman Lovely Bones bereits sehr früh, wer seine Tochter umgebracht hatte. Das Buch beschreibt dessen verzweifelte Versuche, den Mord nachzuweisen, während das im Film erst am Ende gezeigt wird. Zudem wurde die teilweise kitschig wirkende Zwischenwelt kritisiert, was den Gefühlen von Hinterbliebenen kaum gerecht werde.
Doch Cineasten, die mehr von einem Film erwarten als lineare Handlung, Action, Romantik und Happy End, sollte In meinem Himmel mindestens einmal gesehen haben. Und wer auf bildgewaltige Filme wie Hinter dem Horizont und Das Kabinett des Dr. Parnassus steht, und wer sich gern von der Musik eines Brian Eno verzaubern lässt, der wird in jedem Fall auf seine Kosten kommen. Vor allem ist In meinem Himmel etwas für Entdecker, die gern einen Film mehrmals schauen, und immer neue Details entdecken wollen.
Titel: In meinem Himmel
Darsteller: Mark Wahlberg, Rachel Weisz
Regie: Peter Jackson
Filmlänge: 130 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Extras: keine
Veröffentlichung: 19. August 2010
Preis: etwa 15 Euro
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