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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 04.08.2010
Wo andere Filme im Gesäusel versickern, legt Kiss & Kill erst richtig los: Nach drei Jahren Ehe greifen Nachbarn und Kollegen von Spencer und Jen plötzlich zur Waffe. Spencer hatte seiner Gattin da eine Kleinigkeit verschwiegen.
Kuscheln vorm Fernseher statt zerwühlter Laken, verschlafene Gesichter am Frühstückstisch statt prickelnder Blicke bei Kerzenschein: Normalerweise schleicht sich nach drei Jahren Ehe die Routine ein, die Beziehung plätschert mal mehr, mal weniger lebendig in ruhigem Fahrwasser vor sich hin. Weil aber Alltag nicht ins Kino gehört, ist es beim Film Kiss & Kill ganz anders. Bei Jen und Spencer sprühen im dritten Ehejahr plötzlich die Funken, aber auch die Nerven liegen blank.
Eigentlich sind es zwei Filme, die Regisseur Robert Luketic in Kiss & Kill verpackt hat. Der erste Teil ist eine romantische Komödie: Frisch getrennte, etwas tapsige Frau trifft in Nizza ihren Traummann. Aber irgendwie läuft es zu glatt. Was sie nicht weiß: Spencer ist ein Auftragskiller. Alles ist wunderbar, die beiden schmusen im Sonnenuntergang, Spencer schmeißt seinen zweifelhaften Job hin und Jen ahnt nicht einmal etwas von der dunklen Vergangenheit ihres Lovers. Aber da, wo jede 08/15-Schmonzette aufhört, legt Kiss & Kill erst richtig los. Nachdem die beiden drei Jahre lang auf rosa Wölkchen umher gewandelt sind, gibt es einen Bruch: Spencer feiert seinen 30. Geburtstag und dann fliegt seine Deckung auf.
Da will man sich nur einen Liter Milch aus dem Kühlschrank holen und der vermeintlich nette Arbeitskollege spaltet den Karton mit einem Fleischermesser. Die spießigen Nachbarn stürmen im Tarnanzug das liebevoll dekorierte Heim. In der heilen Vorstadtwelt des Traumpaares haben sich überall Schläfer eingenistet, die jetzt angreifen. Die bislang wohl behütete Jen versteht die Welt nicht mehr. Katherine Heigl darf ausgiebig ihre Augen aufreißen, nach Herzenslust kreischen und Schusswaffen fallen lassen, während Kutcher lakonisch unzählige Magazine verballert. Das klingt nach Knight and Day. Doch während Tom Cruise und Cameron Diaz durch die halbe Welt jetten und sich in stümperhaften Blue-Screen-Szenen blamieren, sieht das bei Ashton Kutcher und Katherine Heigl sehr viel leichtfüßiger aus.
Verschmitzt im Kugelhagel
Gut, dass Kiss & Kill nicht die allzu erwartbare Schiene einschlägt und Jen ein «Ich-bin-so-enttäuscht-von-dir-und-trenne-mich»-Strickmuster auf den Leib schreibt. Dazu kommt sie bei all den Explosionen und Mordanschlägen auch nicht so recht.
Die große Stärke dieses Films ist die ironische Distanz, die er zur Geschichte und seinen Figuren hält und das ist in erster Linie ein Verdienst der ausgezeichneten Hauptdarsteller Ashton Kutcher und Katherine Heigl. Kutcher steht nicht nur mit entblößter Oberkörpermuskulatur vorm Aufzug und sieht hinreißend aus – nein, er schickt ein süffisantes «Bonjour» hinterher und der verschmitzte Zug in seinem Gesicht weicht auch nicht, wenn er sich im Kugelhagel zu Boden wirft und die Schnellfeuerwaffe zückt.
Grey's Anatomy-Star Katherine Heigl mimt zwar die hysterische Blondine, aber auch sie gibt der Figur einen erfrischenden selbstironischen Dreh. Sie laviert sich nicht nur herrlich zerstreut durch das erste Date, sondern tölpelt auch gekonnt durch die brenzligsten Situationen.
Temporeicher und zündender Humor sorgen dafür, dass dieser Film nicht im Einerlei der romantischen Actionkomödien versumpft. Die Komik lebt auch davon, dass Jen und Spencer nicht nur von Killern gejagt werden, sondern dabei auch noch versuchen, ihre Beziehung zu diskutieren. Zusätzliche Spannkraft bekommt Kiss & Kill, weil er krachende Action, schwindelerregende Verfolgungsjagden und knallharte Kampfszenen in eine spießige amerikanische Vorstadtidylle pflanzt. Ein sicheres Händchen beweist Regisseur Robert Luketic außerdem mit der Besetzung der Nebenrollen: Ein mürrischer Tom Selleck mit imposantem Schnurrbart und eine zynische wie trinkfreudige Catherine O'Hara sind als Spencers Schwiegereltern einfach nur köstlich. Kiss & Kill ist kein Film, der Geschichte schreiben wird, aber für einen amüsanten Abend hat dieser Streifen das Klassenziel locker erreicht. Mit Sternchen.
Titel: Kiss & Kill
Regie: Robert Luketic
Darsteller: Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck, Catherine O'Hara
Filmlänge: 101 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 5. August 2010
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