Dieser Mann macht Deutschland verrückt
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Artikel vom 03.08.2010
Schönling mit Nachhall: Die millionenschwere Werbekampagne eines großen Versicherungskonzerns ist in ganz Deutschland präsent. Der schnieke Großstadtbewohner schickt dabei auch gleich Herrn Kaiser in Rente.
Lässig lümmelt er sich auf dem braunen Lederstuhl, als wäre das sein natürliches Lebensumfeld. Die großen Kopfhörer zeigen an: Hier hat sich einer eingekapselt und sieht trotzdem cool aus. Ein zuvor ziemlich unbekannter Schauspieler ist derzeit Deutschlands Werbefigur Nummer eins. Sein Auftritt auf Plakaten und in zahllosen Werbespots spaltet die Republik und wirft noch mehr Fragen auf, als er ohnehin schon stellt. Wir beantworten die Wichtigsten.
Wer macht da eigentlich Werbung?
Eines der größten deutschen Versicherungsunternehmen, die Ergo-Gruppe. Seit wenigen Wochen tritt das Unternehmen mit einem einheitlichen Logo auf. Damit wurden auch die Markenauftritte der Hamburg-Mannheimer Versicherungen («Herr Kaiser») und Victoria Versicherungen eingestellt. Angeblich wird ein hoher zweistelliger Millionenbetrag investiert, um die neue Marke zu bewerben.
Warum der ganze Aufwand?
Die zur Munich ReDas Unternehmen Munich Re wurde früher Münchener Rück genannt. gehörende Versicherungsgruppe bestand nach mehreren Aufkäufen aus vielen kleineren Unternehmen und damit Marken. Den ersten Schritt zu einer größeren Marke konnten Fußballgucker vor etwa einem halben Jahr mitbekommen. Bis zur Winterpause warb noch die KarstadtQuelle-Versicherung in Sechs-Sekunden-Spots während der Sportschau, nach der Winterpause mussten sich Ergo-Versicherungsangestellte vor die Kamera stellen und ihren Firmennamen rufen. Diese Zeiten sind jetzt vorbei, eine einheitliche Werbestrategie wurde auf den Weg gebracht und Deutschland mit den entsprechenden Plakaten zugekleistert.
Welche Agentur steckt dahinter?
Die relativ kleine Berliner Werbeagentur Aimaq & Stolle verantwortet die Kampagne. Anfang Mai hatte sie sich beim sogenannten PitchEin Pitch ist eine Präsentation mehrerer Werbeagenturen, die ihre Ideen für eine Kampagne dem Auftraggeber präsentieren. gegen weitaus größere und bekanntere Konkurrenten wie Jung von Matt oder BBDO durchgesetzt.
Wie heißt der Darsteller?
Sebastian Ströbel (33) ist Deutschlands aktueller Poster-Boy. Der Schauspieler steht sonst für Serien wie Countdown (RTL) und Fernsehfilme vor der Kamera. Und auch, wenn ihn derzeit halb Deutschland anschmachtet: Der gebürtige Karlsruher Ströbel ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter.
Was macht die Werbung so anders?
Er richtet sich augenscheinlich an ein jüngeres Publikum, das sich mit dem Thema Versicherungen eher weniger beschäftigt. Der Schauspieler spricht direkt in die Kamera und zudem ist das Ende des Werbespots und damit auch das Anzeigenmotiv ein Zitat aus dem Film High Fidelity.
Warum sind die Meinungen gespalten?
Die einen finden die Figur sexy, die anderen nervig. Dabei gibt es auch unterschiedliche Meinungen unter Männern wie unter Frauen. Kritikpunkt ist unter anderem das zu betont auf Großstadt-cool gemachte Drumherum um den versicherten Schönling. Befürworter loben vor allem die Unterschiede zu den älteren der Versicherer, also das unprätentiöse Auftreten der Werbefigur und die direkte Ansprache über eine Minute.
naf/ivb/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Viele hatten sie bereits für tot erklärt. Doch jetzt feiert Verona Pooth ihre Wiedergeburt als mehr ...
Fünf Jahre lang warb sie für McDonald's: Nun hat der Fast-Food-Riese mit Heidi Klum als Werbefigur Schluss mehr ...
Der Energiekonzern RWE will sein Image mit einer groß angelegten Werbekampagne vergrünen. Dass dabei Fakten mehr ...
H&M ist eine Erfolgsgeschichte, besonders in Deutschland. Die Strategie: Design und große Namen. Aber mehr ...
Der Bezahlsender Sky bleibt ein Millionengrab. Das dürfte besonders den Medienmogul Rupert Murdoch mehr ...
Im Kampf um die Urlauber geht der Tourismus neue Wege. Heute vermarkten Regionen nicht nur ihre schönsten mehr ...
Also ick meene, dat Unilever-Mädchen is jenau meen Typ, wo kann man denn det koofen ?
jetzt antwortenKommentar meldeneine gut gemachte Werbung, die einen fast darüber hinwegtäuschen könnte, daß Versicherungen nach wie vor nichts anderes wollen als viele Beitragszahlungen ohne Gegenleistung. Wenn der Versicherungsfall eintritt, hat man auch bei dieser Gesellschaft bestimmt nichts anderes zu erwarten als bei den anderen auch, mämlich nur Ärger und Kosten statt Zahlung der Versicherungssumme.
jetzt antwortenKommentar meldenTolle Werbung - sehr ansprechend, aber und jetzt kommst: Letztendlich wieder eine Verdummung der Konsumenten!!! Es geht in der Branche nur ums GELD und nicht um den Kunden. Wer schreibt der bleibt - und sonst nichts! Wer viele Scheine abgibt bekommt Reise und Preise ohne Ende. Wer den Kunden in den Vordergrund seine Beratung setzt - der Verliert. Von daher eine suße Vortäuschung von ganz anderen interessen. Wenn wir alle mehr Verstand einsetzen, kommen wir auch persönlich viel weiter.
jetzt antwortenKommentar meldenEgal ob sexy oder nervig - die Werbung ist gut und trifft es auf den Punkt. Denn das sind genau die Fragen die sich jeder stellt und jeder gerne beantwortet hätte. Alles in allem eine gelungene Werbung. Und Glückwunsch an die Werbeagentur Aimaq & Stolle. Immer schön, wenn ein kleiner sich gegen die großen behaupten kann.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Typ geht mir auf die Nerven. Und alle Versicherungen sind Verbrecher. Man sollte die Leute, die jetzt den Ergo-Boy anhimmeln, vielleicht einmal daran erinnern, wer eigentlich die Finanzkrise ausgelöst hat...Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie den Artikel Millionenkampagne : Dieser Mann macht Deutschland verrückt.
jetzt antwortenKommentar melden