Friendly Fires «Das Internet hat uns sehr geholfen»

Friendly Fires sind schon wieder einer der gro├čen Gewinner des Festival-Sommers. Beim Melt sprachen wir mit Schlagzeuger Jack Savidge ├╝ber die Einsamkeit auf der B├╝hne, den Segen des Internets und den Sound des neuen Albums.

Schlagzeuger Jack Savidge verspricht f├╝r 2011 ein neues Album von Friendly Fires. Bild: news.de

Friendly Fires scheinen die perfekte Festival-Band zu sein: sonnig, gut gelaunt, mitrei├čend. Ist der Festival-Sommer auch f├╝r die Band die sch├Ânste Zeit des Jahres?

Savidge: Ja, wir haben uns bei Festivals immer gut am├╝siert. Trotzdem waren die ersten Festivals f├╝r uns ein bisschen seltsam. Wir kommen ja eher aus kleinen Clubs, und eine riesige B├╝hne, auf der man nicht nur seine Songs spielen, sondern das Publikum richtig einbeziehen muss, ist etwas ganz anderes. Das mussten wir erst lernen.

Dann waren die ersten Festival-Auftritte von Friendly Fires ein Reinfall?

Savidge: Wir hatten bei unseren ersten Shows auf jeden Fall viel Pech. Zeitgleich mit uns hat meistens irgendeine legend├Ąre Band wie die Pixies auf einer anderen B├╝hne gespielt. Au├čerdem hat uns die N├Ąhe zum Publikum gefehlt, die wir aus den Clubs kannten. Auf einer Festivalb├╝hne kann man sich schon einmal einsam und isoliert f├╝hlen. Im Club kommt die Energie ganz oft aus dem Publikum. Bei Festivals muss man selbst f├╝r die Energie sorgen.

FOTOS: Rock in Ferropolis Melt 2010

Mit dieser Erfahrung kannst Du bestimmt ein paar gute Tipps geben, wie man ein Festival-Publikum f├╝r sich begeistert?

Savidge: Der Frontmann sollte immer Komplimente f├╝r die Region verteilen nach dem Motto «ihr in soundso seid wirklich die allerbesten Fans», oder «blablabla ist das sch├Ânste Festival der Welt». Alles, womit man das Publikum einbezieht, ist ein Vorteil. Und kleine ├ťberraschungen funktionieren auch immer gut.

So wie die Samba-Truppe, die Friendly Fires gelegentlich verst├Ąrkt hat?

Savidge: Ja. Das hat auch f├╝r uns gro├čen Spa├č gemacht. Aber wir werden das wahrscheinlich nicht noch einmal machen. Wir wollen nicht irgendwann als «die Band mit der Samba-Verst├Ąrkung» gelten. Trotzdem sind solche Ideen super f├╝r Festivals, denn so entstehen Ger├╝chte und Mundpropaganda. Bei den gro├čen Festivals wie Reading, Leeds oder Glastonbury sind die Leute dann wirklich gespannt, was passieren wird.

VIDEO: Der Clip zur Hitsingle ┬źJump In The Pool┬╗
Video: YouTube/XL Recordings

War diese Art der Mundpropaganda besonders wichtig f├╝r die Karriere von Friendly Fires?

Savidge: Auf jeden Fall. Als wir anfingen, waren die Medien nicht ├╝berm├Ą├čig interessiert an uns. Aber daf├╝r haben unsere Fans ihren Freunden von uns erz├Ąhlt, und auch das Internet hat uns sehr geholfen. Das war ein sehr organisches Wachstum.

Ist das ein Vorteil? Oder h├Ątten Friendly Fires lieber zwei Millionen Pfund f├╝r Marketing ausgegeben?

Savidge: Ich finde gut, wie es gelaufen ist. Denn alles, was im Internet passiert, wird von den Fans kontrolliert. Hier entscheiden Leute, denen die Musik wirklich etwas bedeutet.

Aber nervt es nicht auch, vor allem bei Festivals, wenn das Publikum nur die Songs kennt, die ihr bei MySpace oder YouTube verf├╝gbar gemacht habt?

Savidge: Nein. Bei Festivals muss man ohnehin die bekanntesten Lieder spielen. Man kann da nicht viel experimentieren. Wir haben aber Gl├╝ck gehabt: Es passiert oft, dass die Leute nur aus Neugier vorbeikommen und dann erst w├Ąhrend unserer Show merken, wie viele von unseren Liedern sie schon kennen.

Einige Friendly-Fires-Lieder wurden auch im Fernsehen und f├╝r Computerspiele eingesetzt. Ist man als Band heutzutage auf solche Erl├Âsquellen angewiesen?

Savidge: Zumindest hat das gut funktioniert. Wir haben da keine Ber├╝hrungs├Ąngste, denn wir machen einfach Popmusik, die direkt ins Ohr gehen und m├Âglichst viele Menschen erreichen soll. Wenn Bands ihre Musik f├╝r Werbespots oder ├Ąhnliches zur Verf├╝gung stellen, r├╝mpfen viele noch immer dar├╝ber die Nase und es gibt eine Menge zynischer Kommentare. Aber meiner Ansicht nach l├Ąsst das nach. Es wird nicht mehr automatisch «Ausverkauf!» geschrien und die Glaubw├╝rdigkeit einer Band infrage gestellt, wenn man so etwas macht. Denn die meisten Leute wissen inzwischen, dass man irgendwie seine Musik an den Mann bringen muss.

Viele der neuen Songs f├╝r das zweite Album testet ihr gerade live und nennt dieses Prinzip «Gelebte Demokratie». Ist es wirklich schon einmal passiert, dass die Fans ein Lied so schlecht fanden, dass ihr die Idee dazu verworfen habt?

Savidge: Nein, zum Gl├╝ck nicht. Wir wechseln momentan st├Ąndig zwischen der Arbeit im Studio und gelegentlichen Konzerten. Und dabei ist es wirklich spannend f├╝r uns, die Reaktion des Publikums zu testen. Bisher kommen die Lieder sehr gut an. Trotzdem ver├Ąndern wir noch vieles an den Songs. Indem wir sie spielen und erleben, was sie bei den Fans ausl├Âsen, nehmen sie nach und nach ihre endg├╝ltige Form an.

Wann k├Ânnen die Fans mit dem zweiten Friendly-Fires-Album rechnen?

Savidge: Wir arbeiten seit Januar daran, und so langsam zeichnet sich ein Ende ab. Meistens f├Ąngt alles mit einem Groove an, dann singt Ed etwas dazu, und dann sch├╝tteln wir alles noch einmal kr├Ąftig durch. Es wird vielleicht ein bisschen langsamer als unser Deb├╝t, aber sehr funky und heavy. Wir haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie unsere St├╝cke klingen sollen, deshalb lassen wir uns Zeit. Ich denke, dass das Album im Januar oder Februar 2011 erscheinen wird.

Lasst ihr euch auch von anderen Bands inspirieren, beispielsweise K├╝nstlern, die ihr selbst bei Festivals trefft?

Savidge: Auf jeden Fall finde ich es sehr spannend, andere Bands auf gro├čen B├╝hnen zu sehen. Das ist oft, als ob man eine M├╝nze wirft: Man wei├č nie, ob es gut wird und ob es einem gef├Ąllt. Vor kurzem habe ich Muse gesehen. Ich bin wirklich nicht der gr├Â├čte Muse-Fan auf der Welt, aber das war wirklich eine tolle Show - all das Licht, die ganze Produktion. Da kann man sich schon ein bisschen was abschauen.

Bist Du dann eher ein Fan oder ein Profi, wenn Du andere Bands siehst?

Savidge: Man kann das nicht trennen. Als Musiker versucht man meiner Meinung nach immer, die Sachen selber hinzubekommen, die man bei anderen K├╝nstlern gerne mag. Deshalb nehme ich mir manche Sachen schon zum Vorbild, wenn mich etwas beeindruckt. Aber man darf auch nicht anfangen eine Liste zu f├╝hren, welche tollen Elemente man sich merken muss. Das zerst├Ârt das ganze Erlebnis.

ruk/news.de

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