Friendly Fires «Das Internet hat uns sehr geholfen»

Friendly Fires (Foto)
Schlagzeuger Jack Savidge verspricht für 2011 ein neues Album von Friendly Fires. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Friendly Fires sind schon wieder einer der großen Gewinner des Festival-Sommers. Beim Melt sprachen wir mit Schlagzeuger Jack Savidge über die Einsamkeit auf der Bühne, den Segen des Internets und den Sound des neuen Albums.

Friendly Fires scheinen die perfekte Festival-Band zu sein: sonnig, gut gelaunt, mitreißend. Ist der Festival-Sommer auch für die Band die schönste Zeit des Jahres?

Savidge: Ja, wir haben uns bei Festivals immer gut amüsiert. Trotzdem waren die ersten Festivals für uns ein bisschen seltsam. Wir kommen ja eher aus kleinen Clubs, und eine riesige Bühne, auf der man nicht nur seine Songs spielen, sondern das Publikum richtig einbeziehen muss, ist etwas ganz anderes. Das mussten wir erst lernen.

Dann waren die ersten Festival-Auftritte von Friendly Fires ein Reinfall?

Savidge: Wir hatten bei unseren ersten Shows auf jeden Fall viel Pech. Zeitgleich mit uns hat meistens irgendeine legendäre Band wie die Pixies auf einer anderen Bühne gespielt. Außerdem hat uns die Nähe zum Publikum gefehlt, die wir aus den Clubs kannten. Auf einer Festivalbühne kann man sich schon einmal einsam und isoliert fühlen. Im Club kommt die Energie ganz oft aus dem Publikum. Bei Festivals muss man selbst für die Energie sorgen.

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Mit dieser Erfahrung kannst Du bestimmt ein paar gute Tipps geben, wie man ein Festival-Publikum für sich begeistert?

Savidge: Der Frontmann sollte immer Komplimente für die Region verteilen nach dem Motto «ihr in soundso seid wirklich die allerbesten Fans», oder «blablabla ist das schönste Festival der Welt». Alles, womit man das Publikum einbezieht, ist ein Vorteil. Und kleine Überraschungen funktionieren auch immer gut.

So wie die Samba-Truppe, die Friendly Fires gelegentlich verstärkt hat?

Savidge: Ja. Das hat auch für uns großen Spaß gemacht. Aber wir werden das wahrscheinlich nicht noch einmal machen. Wir wollen nicht irgendwann als «die Band mit der Samba-Verstärkung» gelten. Trotzdem sind solche Ideen super für Festivals, denn so entstehen Gerüchte und Mundpropaganda. Bei den großen Festivals wie Reading, Leeds oder Glastonbury sind die Leute dann wirklich gespannt, was passieren wird.

Friendly Fires
Der Clip zur Hitsingle «Jump In The Pool»
Video: YouTube/XL Recordings

War diese Art der Mundpropaganda besonders wichtig für die Karriere von Friendly Fires?

Savidge: Auf jeden Fall. Als wir anfingen, waren die Medien nicht übermäßig interessiert an uns. Aber dafür haben unsere Fans ihren Freunden von uns erzählt, und auch das Internet hat uns sehr geholfen. Das war ein sehr organisches Wachstum.

Ist das ein Vorteil? Oder hätten Friendly Fires lieber zwei Millionen Pfund für Marketing ausgegeben?

Savidge: Ich finde gut, wie es gelaufen ist. Denn alles, was im Internet passiert, wird von den Fans kontrolliert. Hier entscheiden Leute, denen die Musik wirklich etwas bedeutet.

Aber nervt es nicht auch, vor allem bei Festivals, wenn das Publikum nur die Songs kennt, die ihr bei MySpace oder YouTube verfügbar gemacht habt?

Savidge: Nein. Bei Festivals muss man ohnehin die bekanntesten Lieder spielen. Man kann da nicht viel experimentieren. Wir haben aber Glück gehabt: Es passiert oft, dass die Leute nur aus Neugier vorbeikommen und dann erst während unserer Show merken, wie viele von unseren Liedern sie schon kennen.

Einige Friendly-Fires-Lieder wurden auch im Fernsehen und für Computerspiele eingesetzt. Ist man als Band heutzutage auf solche Erlösquellen angewiesen?

Savidge: Zumindest hat das gut funktioniert. Wir haben da keine Berührungsängste, denn wir machen einfach Popmusik, die direkt ins Ohr gehen und möglichst viele Menschen erreichen soll. Wenn Bands ihre Musik für Werbespots oder ähnliches zur Verfügung stellen, rümpfen viele noch immer darüber die Nase und es gibt eine Menge zynischer Kommentare. Aber meiner Ansicht nach lässt das nach. Es wird nicht mehr automatisch «Ausverkauf!» geschrien und die Glaubwürdigkeit einer Band infrage gestellt, wenn man so etwas macht. Denn die meisten Leute wissen inzwischen, dass man irgendwie seine Musik an den Mann bringen muss.

Viele der neuen Songs für das zweite Album testet ihr gerade live und nennt dieses Prinzip «Gelebte Demokratie». Ist es wirklich schon einmal passiert, dass die Fans ein Lied so schlecht fanden, dass ihr die Idee dazu verworfen habt?

Savidge: Nein, zum Glück nicht. Wir wechseln momentan ständig zwischen der Arbeit im Studio und gelegentlichen Konzerten. Und dabei ist es wirklich spannend für uns, die Reaktion des Publikums zu testen. Bisher kommen die Lieder sehr gut an. Trotzdem verändern wir noch vieles an den Songs. Indem wir sie spielen und erleben, was sie bei den Fans auslösen, nehmen sie nach und nach ihre endgültige Form an.

Wann können die Fans mit dem zweiten Friendly-Fires-Album rechnen?

Savidge: Wir arbeiten seit Januar daran, und so langsam zeichnet sich ein Ende ab. Meistens fängt alles mit einem Groove an, dann singt Ed etwas dazu, und dann schütteln wir alles noch einmal kräftig durch. Es wird vielleicht ein bisschen langsamer als unser Debüt, aber sehr funky und heavy. Wir haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie unsere Stücke klingen sollen, deshalb lassen wir uns Zeit. Ich denke, dass das Album im Januar oder Februar 2011 erscheinen wird.

Lasst ihr euch auch von anderen Bands inspirieren, beispielsweise Künstlern, die ihr selbst bei Festivals trefft?

Savidge: Auf jeden Fall finde ich es sehr spannend, andere Bands auf großen Bühnen zu sehen. Das ist oft, als ob man eine Münze wirft: Man weiß nie, ob es gut wird und ob es einem gefällt. Vor kurzem habe ich Muse gesehen. Ich bin wirklich nicht der größte Muse-Fan auf der Welt, aber das war wirklich eine tolle Show - all das Licht, die ganze Produktion. Da kann man sich schon ein bisschen was abschauen.

Bist Du dann eher ein Fan oder ein Profi, wenn Du andere Bands siehst?

Savidge: Man kann das nicht trennen. Als Musiker versucht man meiner Meinung nach immer, die Sachen selber hinzubekommen, die man bei anderen Künstlern gerne mag. Deshalb nehme ich mir manche Sachen schon zum Vorbild, wenn mich etwas beeindruckt. Aber man darf auch nicht anfangen eine Liste zu führen, welche tollen Elemente man sich merken muss. Das zerstört das ganze Erlebnis.

ruk/news.de

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