So., 27.05.12

«Anne Will» 02.08.2010 Schlammschlacht Fehlanzeige

Anne Will (Foto)
Ihre erste Sendung nach der Sommerpause und in der Gewissheit, dass sie nur noch ein Jahr sonntags talken darf: Anne Will. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiter Torben Waleczek

Anne Will hat sich mit der Causa Jörg Kachelmann zwar ein Boulevard-Thema vorgenommen. Dennoch gelingt ihr eine Sendung ohne Peinlichkeiten und Promi-Tratsch.

Es muss ja nicht immer Politik sein. Dank Günther Jauch bekommt Anne Will demnächst einen neuen Sendeplatz - und ein neues Konzept für ihre Sendung. Statt über Koalitionskrach und Pendlerpauschale könne Will da über andere Themen sprechen, meint der ARD-Chef Peter Boudgoust. Zum Beispiel über Wissenschaft.

Oder vielleicht Boulevard? Trash? Rotlicht-Blaulicht? Man weiß ja nie so genau, wohin es die Talkprominenz verschlägt. Angesichts von Anne Wills erster Sendung nach der Sommerpause könnte man für die Zukunft Schlimmstes vermuten.

Denn es geht um Jörg Kachelmann, TV-Wetteransager, angeklagt wegen Vergewaltigung und Körperverletzung, eben erst aus der U-Haft entlassen, im September beginnt die Hauptverhandlung. Für eine gestandene Polit-Talkerin wie Anne Will ist die Sache eigentlich ein No Go. Soll heißen: ziemlich unappetitlich.

Wer nun allerdings pikante Details über Tomatenmesser und SM-Rituale erwartet, der landet schnell auf dem Boden der öffentlich-rechtlichen Seriosität. Anne Will hat sich mit der Causa Kachelmann zwar ein Boulevard-Thema vorgenommen. Aber die Art, in der sie es abhandelt, ist doch ganz und gar akademisch. Der Zuschauer erlebt hier kein Schlammbad, sondern eine gesittete Meta-Diskussion - über Macht und Einfluss der Medien, die Rolle von Prominenz in Strafprozessen und die Folgewirkungen solcher Verfahren für das öffentliche Rechtsempfinden. Kurzum: eine durchaus interessante Sendung. 

«Medialer Tsunami» der Staatsanwaltschaft

Da wäre zum Beispiel die Frage der Prominenz: Hat es Jörg Kachelmann geholfen oder geschadet, dass er eine öffentliche Person ist?

Anne Will
Niederlage als Chance
Video: news.de

Der rührige Medienanwalt Christian Schertz spricht von einem «Promi-Malus»: Mit ihrer Presseerklärung direkt nach der Festnahme habe die Staatsanwaltschaft Kachelmann einem «medialen Tsunami» ausgesetzt und so ihre Fürsorgepflicht gegenüber dem Beschuldigten verletzt. Hans-Hermann Tiedje, ehemals Chefredakteur bei Bunte und Bild-Zeitung, wittert gar «gezielte Indiskretionen», mit der die Staatsanwaltschaft PR in eigener Sache betreibe. 

Tiedje erinnert an den Fall des früheren Post-Chefs Klaus Zumwinkel: Bei dessen Festnahme im Februar 2008 waren mehrere Kamerateams vor Ort; irgendjemand musste die Info an die Medien lanciert haben. Zu ähnlichen medialen Hinrichtungen - das zeigt ein Einspielfilm - kam es bei der No Angels-Sängerin Nadja Benaissa und dem TV-Moderator Michel Friedman.

Andererseits haben Prominente oft starke Mittel, um das Geschehen zu steuern. Kurz nach seiner Haftentlassung gab Kachelmanns Entourage ein so genanntes «Interview» an die Presse, in dem der Wettermann auf sympathische Weise von seinen Mitgefangenen und den Gefängnisaufsehern spricht. Ist das die mediale Gegenoffensive kurz vor Prozessbeginn?, fragt Anne Will. Der ehemalige Staatsanwalt Hansjürgen Karge hält die Kampagne jedenfalls für eine «bodenlose Dreistigkeit».

Die Feministin Alice Schwarzer wiederum berichtet, wie sie im Vorfeld der Sendung von Kachelmanns Anwalt kontaktiert wurde, der ihr gerne mit Informationen weiterhelfen wollte. Der Rechtsbeistand des mutmaßlichen Opfers sei dagegen selbst auf Nachfrage nicht zu erreichen gewesen. Schwarzers Fazit: «Kachelmann hat eindeutig die geschickteren Anwälte.»

Zur Fraktion derjenigen, die Jörg Kachelmann tendenziell wohlgesinnt sind, gehört dagegen die Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen. In einem Beitrag für Spiegel Online hatte Friedrichsen geschrieben: «In Prozessen, das lehrt die Erfahrung, ist alles möglich. Manchmal sogar ein überfälliges Wunder.» Alice Schwarzer will darin eine ungeziemende Parteinahme für Kachelmann erkennen und beschimpft Friedrichsen als einen «dreisten Vogel». 

Schuldig oder unschuldig? Darauf scheint es am Ende der Sendung doch noch hinauszulaufen. Aber für Anne Will ist die Sache ganz klar: Über die Schuldfrage wird in keiner Talkshow entschieden, sondern vor Gericht. So elegant kann man ein Boulevard-Thema angehen. Es muss schließlich nicht immer Politik sein.

cvd/ivb/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Remerb
  • Kommentar 5
  • 12.08.2010 15:54
 

Diesen ganzen Cirkus brauch es nicht geben! Es ist ein Instument für Deformierung und Volksverarsche! Und lenkt von die eigentlichen Probleme die es im Lande gibt ab.

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  • schmiddi
  • Kommentar 4
  • 02.08.2010 20:31
 Antwort auf Kommentar 2

Recht hast Du!!!

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  • gundolf
  • Kommentar 3
  • 02.08.2010 18:45
 

überflüssiger tratsch, schade um die sendezeit

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  • Mac
  • Kommentar 2
  • 02.08.2010 15:07
 

"Schwarzers Fazit: «Kachelmann hat eindeutig die geschickteren Anwälte.»" Gegen Schwarzer (bzw. ihr Ego) kann man nicht ankommen. Hätten sich die Anwälte andersrum verhalten, hätte sie zweifelsohne bemerkt "Die haben etwas zu verbergen". Meiner Meinung nach war es ein grober Fehler, diese Sendung vor dem Prozess und einer (rechtskräftigen) Verurteilung bzw. eines Freispruches zu bringen.

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  • King
  • Kommentar 1
  • 02.08.2010 13:30
 

Was soll der ganze Medien-zirkus um "WILL"!?!? wenn die FS-Anstalten nichts besseres zu bieten haben, dann wird's Zeit zu kündigen.Ein Spassvogel hat diese arrogante Dame als "symphatisch" bezeichnet, aber dazu müsste sie nochmals geboren werden um dem Image zu entsprechen! Ich würde den FS-Anstalten empfehlen: "RUNDUMSCHLAG und totalen NEUBEGINN"!

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