Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Unappetitliche Wahrheiten auf ZDFneo: Der Digitalsender präsentiert einen Themenabend über die Tricks der Nahrungsmittelindustrie. Im Mittelpunkt steht eine Burgersatire mit Bruce Willis, Ethan Hawke und Avril Lavigne.
Fast Food ist gesundheitsschädlich - das weiß inzwischen jeder. Dennoch sind Restaurantketten wie McDonald's und Burger King nach wie vor beliebt. Zwar beteuern die Inhaber immer wieder, dass ihre Mahlzeiten einer naturbelassenen Herstellung entspringen, aber wirklich sicher können sich Liebhaber von Burger und Co. nicht sein.
Dieser Problematik hat sich Regisseur Richard Linklater mit seiner Gesellschafts-Satire Fast Food Nation angenommen, die am 30. Juli in deutscher Erstausstrahlung auf ZDFneo läuft. Allerdings konzentriert sich der Spielfilm mehr auf die Tricks der Lebensmittelindustrie, vor allem auf die Ausbeutung illegaler Arbeiter, als auf die Folgen von übermäßigem Fast-Food-Genuss.
Halb dokumentarisch, halb fiktiv erzählt der Film von der Fast-Food-Kette «Mickey's» und der Erfindung eines Burgers namens «Big One». Zum Ekel aller wird darin Tierkot gefunden, und so wird Don Henderson (Greg Kinnear), der Erfinder des Burgers, in die produzierende Region an der Grenze zu Mexiko geschickt, um Genaueres über die Herstellung zu erfahren. Dort erfährt er unter anderem, dass die Fließbänder in der Fabrik mit zu hoher Geschwindigkeit laufen, so dass es für die Arbeiter nicht immer möglich ist, die Innereien sorgfältig aus den Tieren zu entfernen, und schnell nicht nur Fleisch in die Maschinerie gerät.
Die Arbeiter sind zu großen Teilen illegal eingewanderte Mexikaner, die unter widerwärtigen Bedingungen den schnellen Dollar machen wollen. Trotz des kargen Lohns entspricht ein Tagessatz etwa dem, was in Mexiko in einem Monat verdient werden könnte. Die Geschichte einer dieser Arbeiterinnen und ihrer Schwester spielt sich in einer der Parallelepisoden ab. Daneben geht es um Amber, die bei ihrer Mutter Cindy wohnt und neben der Schule bei Mickey’s jobbt. Als auch sie mehr von den zwielichtigen Machenschaften der Kette erfährt, kündigt sie und wird Mitglied einer Aktivistengruppe – motiviert von ihrem links angehauchten Onkel Pete.
Diese einzelnen Erzählstränge sind bestenfalls lose miteinander verbunden, ohne dass diese Verbindung einen besonderem Zweck diente. Vielmehr wird hiermit eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut, die jedoch, wie die Geschichten einiger Figuren, sinnfrei ins Leere läuft. So verschwindet Don Henderson nach einem Gespräch mit dem Viehhändler Harry spurlos von der Bildfläche, bis zum Abspann. Falls damit Hendersons Resignation ausgedrückt werden sollte, hätte man vielleicht besser einen anderen Weg gewählt, denn so bleibt vor allem eine gewisse Verwunderung ob des vermissten Charakters zurück.
Linklater hält sich mit unbequemen politischen Statements durchaus nicht zurück, sondern verzettelt sich eher damit. Die Verantwortungslosigkeit des Fleischproduzenten gegenüber Natur und Mitarbeitern wird thematisiert und gipfelt in einer Szene, in dem die Berufsbezeichnung des «Human Ressources Managers» so bitter und zynisch klingt wie kein zweites Mal. Amerikanische Oberflächlichkeit bekommt ihr Fett ebenso weg wie das Wirken des damaligen Präsidenten (George W. Bush).
Auch die große Zahl an bekannten Darstellern - Bruce Willis, Ethan Hawke, Patricia Arquette, Avril Lavigne - im Ensemble hinterlässt ein Fragezeichen. Davon abgesehen, dass kaum eine der Figuren wirklich zu interessieren vermag, lenken die vielen bekannten Gesichter, gerade im Falle Bruce Willis’, doch eher ab, als dass sie die Glaubwürdigkeit unterstrichen.
Der Film läuft im Rahmen eines Themenabends unter dem Motto «Voll fies». Im Anschluss wird die Doku-Soap Da wird mir übel gezeigt, darauf folgt die Doku Gefährliche Mahlzeiten. Na dann: Guten Appetit!
Fast Food Nation, 30. Juli, 20.15 Uhr, ZDFneo
Da wird mir übel, 30. Juli, 22.10 Uhr, ZDFneo
Gefährliche Mahlzeiten, 30. Juli, 22.55 Uhr, ZDFneo