So., 27.05.12

Maybrit Illner 30.07.2010 Die totale Schlamperei

Maybrit Illner (Foto)
 War für die Loveparade ein Scheitern verboten, fragte Maybrit Illner. Bild: ZDF

Von news.de-Redakteur Michael Kraft

Nach der Tragödie bei der Loveparade sind noch immer fast alle Fragen offen. Auch Maybrit Illner bemühte sich in ihrer Talkrunde um Antworten. Wenn Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland zugeschaut hat, müsste er jetzt eigentlich zurücktreten.

Wohl selten waren die Macher von Maybrit Illner so sehr am Puls der Zeit wie mit dieser Sendung. Warum wurde die Loveparade zur Katastrophe? wollten sie gestern im Untertitel der etwas makaber Tanz in den Tod genannten Sendung wissen - es ist genau die Frage, die seit Samstagabend die Republik bewegt.

Man rechnet in Talkshows ja schon gar nicht mehr damit, aber es gab tatsächlich eine Antwort - und zwar die, die nach allem, was man weiß, auf der Hand liegt: 21 Menschen mussten sterben, weil gepfuscht wurde, weil Warnungen in den Wind geschlagen wurden, weil alle Beteiligten mit einem Event dieser Größenordnung überfordert waren.

Veranstalter Rainer Schaller und Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wollen sich dieser Wahrheit weiter nicht stellen. Seit dem Unglück ducken sie sich ab, und auch die Einladung des ZDF schlugen sie aus. Es hat Maybrit Illner allerdings nicht geschadet. Denn so blieb den Zuschauern eine Fortsetzung des unterträglichen Lavierens um die Frage erspart, wer nun was verkehrt gemacht hat. Stattdessen gab es eine angemessen betroffene, sachliche Diskussion. Und im Studio genau die Gefühle, die auch bei den Zuschauern zuhause vorherrschen dürften:  Wut und Fassungslosigkeit.

Raver können auch Hirn haben

Für Letzteres war Manuel Lippka zuständig. Der 30-Jährige war am Samstag selbst auf der Loveparade, ebenfalls im Gedränge des Tunnels gefangen. Wo er stand, war es recht ruhig. «Es klingt komisch, aber ich hatte keine Angst», sagt er. Für die Tragödie, die sich wenige Meter von ihm entfernt abspielte, hatte er nur eine Reaktion: «Ohne Worte.»

Für die Wut sorgt Paul van Dyk. Der Techno-DJ hinterließ von allen Gästen im Studio den stärksten Eindruck. Er schaffte es dank ebenso engagierter wie reflektierter Beiträge, die Raver vom Stigma des partytrunkenen Chaotentums zu befreien, das die Schuldigen ihnen als eine iher weiteren Ausflüchte zu verpassen versuchen. Der Musiker fand zudem auch die deutlichsten, ergreifendsten Worte, was die Konsequenzen aus der Tragödie angeht. «Es ist mir ein Rätsel, wie das Fachwissen von Polizei und Feuerwehr von einem geltungssüchtigen Politiker einfach weggewischt werden kann», brachte er die Verwunderung über das Genehmigungsverfahren auf den Punkt.

Loveparade
Feige und erbärmlich
Video: news.de

Sauerland stand auch sonst am Pranger. Selbst Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses, wollte ihn nicht in Schutz nehmen. Als Oberbürgermeister hafte man, zumindest politisch, eben auch «für das Ganze», machte er deutlich - viel deutlicher kann man einem Parteifreund den Rücktritt wohl nicht nahelegen. Und Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, machte deutlich: «Von Spitzenbeamten muss man Rückgrat erwarten.»

Scheitern verboten?

Immer wieder wurde der Finger in die Wunde gelegt, die den Verantwortlichen wohl hoffentlich zumindest schlaflose Nächte bereitet. Von massiven Bedenken im Vorfeld ist die Rede, vom Tunnel als tödliches Nadelöhr, von der Unerfahrenheit des Veranstalters, vom Gemüsehändler auf der Straße, der strengere Auflagen erfüllen müsse als die «Totalschlamperei» bei der Loveparade. Auch Maybrit Illner spielte dabei eine gute Rolle. Als sie Fritz Pleitgen nach einer guten Dreiviertelstunde die Frage stellte, ob es für die Loveparade die Ansage «Scheitern verboten» gegeben habe, war das ihr bester Moment.

Fritz Pleitgen, Chef von Ruhr2010 und Ex-WDR-Intendant, spielte von allen Gästen die zwiespältigste Rolle. Als einer der wenigen Beteiligten hatte er bereits vorab eingeräumt, dass er sich verantwortlich fühlt, denn die Loveparade gehörte zum Programm der europäischen Kulturhauptstadt. Trotzdem war Pleitgen im Studio der einzige, der keine Empörung erkennen ließ. «Es wird jetzt gar nicht mehr über die Opfer gesprochen, das stört mich. Stattdessen wird Jagd auf die Schuldigen gemacht», befand er. Meint man es gut mit ihm, kann man sagen, dass er mit solchen Aussagen zur Besonnenheit mahnte. Meint man es weniger gut, sah es so aus, als wolle er grobe Fehler unter den Teppich kehren.

Pleitgen wirkte nicht wie ein Mensch, ein Betroffener, sondern wie ein Beamter, ein Taktierer. Immerhin zeigte er dadurch einen Aspekt auf, der in der Aufbereitung des Geschehens noch keine allzu große Rolle spielte: Wie bei der Organisation der Vorbereitung Entscheidungen durchgedrückt und Experten ignoriert wurden, wie Geldgier und Geltungssucht weniger Männer regierten, das deutet auf einen gewaltigen Klüngel hin - zu dem auch die Medien gezählt werden müssen. Denn auch sie wussten von den Bedenken, machten aber nicht die Sorge zum Tenor ihrer Berichterstattung, sondern die Vorfreude auf ein prestigeträchtiges Mega-Event.

Der Ex-Intendant verstrickte sich in Widersprüche, war sich letztlich (ebenso wie die Loveparade) nicht ganz sicher. Besonders seltsam: Pleitgen versuchte mit jedem Statement, ein Urvertrauen insbesondere in die Politiker zu verteidigen, das längst nicht mehr existiert, und das sie gerade bei der Loveparade durch Ignoranz und Inkompetenz wieder selbst in Frage gestellt haben. Dass ausgerechnet ein Journalist sich gegen die legitime Empörung der Menschen aussprach und dass ausgerechnet Pleitgen so viel Gottvertrauen in die Obrigkeit an den Tag legte, war dann doch erstaunlich.

Man muss ihm zugute halten: Die energische Argumentation der anderen Gäste brachte ihn zumindest ins Grübeln. Man kann nur hoffen, dass das bald auch für andere gilt.

cvd/reu/news.de
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Elefant
  • Kommentar 3
  • 30.07.2010 22:11
 

Dummes Geschwätz von Redakteur Kraft, wahrscheinlich politisch motiviert, Verwandter von der Hanelore Kraft, er gehört zu den widerlichsten Journalisten die die angebliche Meinungsfreiheiten für ihre Zwecke (Geld scheffeln ohne Grenzen) ungestraft ausnutzen um Hetzjagten zu veranstallten. Ilner war wie üblich sehr schlecht informiert und hat nur bla bla geredet. Volksverdummung und Hetze im höchsten maße. Deutschland verkommt immer mehr.

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  • Glasnost
  • Kommentar 2
  • 30.07.2010 13:57
 

Illner gefiele mir besser wenn sie auch mal wagt ihre eigene Meinung zu sagen wie ihre Kollegin (ehemalige) HERMAN aaaaber da man das in diesem STAATE nicht mag riskiert man es erst nicht! Haben sie Courage u versuchen Sie es!!!! Auch ohne Job können Sie leben und mit VIEL VIEL VIEL MEHR "SELBSTACHTUNG"!!!

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  • moptop
  • Kommentar 1
  • 30.07.2010 11:54
 

Das war wirklich eine angenehme Sendung. Wenn Politiker einmal nicht Politik machen, sondern einfach ihre Meinung sagen, dann staunt man heutzutage ja schon. Ganz klar: Sauerland muss zurücktreten!

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