Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Das Konzept ist das Konzept: Mit The Suburbs legt das kanadische Künstlerkollektiv Arcade Fire ein Album vor, mit dem es in den Olymp nicht mehr weit ist. Eine Platte, die einem beim genauen Hinhören vor frecher Genialität schon mal die Schuhe ausziehen kann.
Die Nullerjahre sind mit diesem Album Geschichte - große Worte sind das. Fraglos. Doch wer das neue Album The Suburbs von Arcade Fire gehört hat, kann bereits bei der ersten Begegnung ahnen, dass es wieder einmal bahnbrechend ist, was Win Butler und Gefolge aus diversen Studios und Zimmern aus Montreal geholt haben. Je öfter man sie hört, desto felsenfester muss man behaupten, dass diese Platte eigentlich nur dann enttäuschen kann, wenn man sie gerade nicht hört.
Wie nebenbei räumen Arcade Fire noch mal in den unordentlichen Regalen der 1980er (Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)) und der Retrowelle der Nuller (Half Light II) auf. Es bleibt einem bei einigen Songs regelrecht die Spucke weg, so viel Chuzpe haben sie in Musik umgesetzt. Das hört sich an nach Freiheit. Und es klingt, als wären sie trotz der Erwartungen, die nach Funeral und Neon Bible immens waren und angesichts einer mittlerweile im Business unüblichen dreijährigen Veröffentlichungspause auch nicht kleiner wurden, ohne Scheu ans Werk gegangen. A propos Werk. Nichts mit 37 Minuten, neun Songs und raus. 16 Titel sind es geworden. 60 Minuten großer Pop.
Wie nebenbei erweitern Arcade Fire auch gleich noch das Konzept eines Konzeptalbums. Win Butlers Vergangenheitsbewältigung des jugendlichen Lebens in texanischen Vororten gab offenbar so viel Input, dass die Harmonien so eklektisch zusammengetrommelt wurden, dass es eine liebenswerte Anmaßung werden musste und auch geworden ist. Butler lässt das Songwriting näher an sich heran, es wird weniger wütend, etwas introspektiver und reflektierter. Insgesamt pluckert der neue Sound auch mal dahin (Rococo), um sich kurz darauf wieder Arcade-Fire-typisch auf die gesamte Fläche der Bühne auszubreiten.
The Suburbs lässt trotz aller erfüllten und übertroffenen Erwartungen genug positive Spannung übrig. Die Zeilen hallen nach, man fragt sich schnell, ob die Songs in Monaten und Jahren noch durch die eigene Playlist geistern werden. Und wie sie wohl live klingen werden, nachdem der Vorgänger Neon Bible doch arg orgellastig war und nach riesigen Kathedralen als Resonanzraum schrie. Doch wer nur ein Empty Room braucht, um besser zu sein als ein ganzes Album der hoch gelobten Stars, darf uneitel davon ausgehen, auch in den größeren deutschen Konzerthallen zu reüssieren.
Interpret: Arcade Fire
Album: The Suburbs
Plattenfirma: Citry Slang
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2010
Arcade Fire live: 31.8. Berlin (ausverkauft), 28.11. München, 29.11. Düsseldorf.
mik/news.de