Von news.de-Redakteur Christian Vock
Mit der zweiten Staffel von Californication setzt RTL2 eine Serie fort, die einst mit ihrer Freizügigkeit für Aufsehen sorgte. Doch was, wenn alle Tabus gebrochen scheinen? Erst dann zeigt sich, ob eine Serie wirklich Qualität hat.
Es ist gar nicht lange her, da tauchten auf den Fernsehbildschirmen Serien auf, die für die Zielgruppe oberhalb der 16-Jahre-Grenze bestimmt waren. Für Zuschauer, die schon einiges gesehen haben. Gleichzeitig aber, und das macht den Reiz dieser Serien aus, für Zuschauer, die eben noch nicht alles gesehen haben. Denn was man bei Dexter (FSK 18), True Blood (FSK 16) oder Californication (FSK 18) zu sehen bekommt, ist alles andere als Familienunterhaltung.
Allen drei Serien gemein ist, dass sie nicht hinter dem Berg halten, weder mit Inhalten, Worten und schon gar nicht mit Bildern. Auch wenn man alle mit Schlagwörtern wie «explizit», «Provokation» und «Tabubruch» umreißen könnte, so hat doch jede einzelne ihren ganz individuellen Reiz.
Darf man einen Serienmörder sympathisch finden?
Bei Dexter war es der Reiz, durch die Augen eines gefühlskalten Mörders zu sehen. Darf man einen Menschen sympathisch finden, der von dem Drang getrieben wird, andere Menschen zu töten? Aber Dexter war mehr als nur das Spiel mit dem Verbotenen. Es gab eine kluge Handlung, viele Nebenstränge und exzellente Charaktere. Dennoch wird die Serie wohl vor allem der blutigen Szenen wegen in die TV-Geschichtsbücher eingehen.
Apropos blutig. Den Machern von True Blood ist es zu verdanken, dass das Vampirfilm-Genre einer Blutauffrischung unterzogen wurde. Nach dem Sensationserfolg von Stephenie Meyers Teenie-Blutsaugerserie Twilight tat die Entromantisierung des Themas mehr als gut. In schwülstiger Südstaatenatmosphäre angesiedelt, werden hier keine Teenie-Fantasien wahr, in True Blood gibt man sich handfester. Da gibt es keine Prinzessin Rühr-mich-nicht-an, da hat man Sex, gerne auch unter Drogen. Das Ganze angereichert mit reichlich Witz und pointierten Anspielungen.
Dabei übertroffen wird True Blood noch von Californication, der Geschichte um den sexsüchtigen Schriftsteller Hank Moody, der, charmant-zynisch dargestellt von David Duchovny, hinter jedem Rock Hollywoods her ist. Die Mischung aus sarkastischem Witz und Seitenhieben auf die Verdorbenheit der Upper Class war es, die den Reiz der Serie ausmachte.
Doch wie weit kann man den Tabubruch treiben? Wann wird die Provokation zur Selbstdarstellung? Wenn es nach den Zuschauern geht, ist dieser Punkt längst überschritten. Lediglich sechs Prozent Marktanteil holte Dexter im Schnitt in der Zielgruppe. Sein Kollege Moody aus Californication brachte es gar nur auf knapp vier Prozent. Trotzdem setzt RTL2 heute Abend die Serie fort. Falsche Hoffnung oder Durchhaltevermögen für die Fans?
Tabubruch - und dann?
Der Tabubruch lebt nun einmal von seiner Einmaligkeit. Im Falle von Californication waren es die expliziten Bilder und Dialoge, die für Provokation sorgten. So ohne Blatt vorm Mund wurde selten im deutschen Fernsehen gesprochen. Und jetzt? Sieht man sich die ersten Folgen der neuen Staffel von Californication an, hat man den Eindruck, dass genau hier das Problem liegt. Es ist eben schwer, sich selbst zu überbieten. Zu sehr verlässt man sich auf die provokanten Bilder und das Spiel mit sexuell aufgeladenen Dialogen.
Was in der ersten Staffel noch aufregend und neu wirkte, kommt nun müde und selbstgefällig daher. Wenn sich Hank auf einer großen Party in einem dunklen Zimmer mit dem Kopf zwischen die Schenkel der falschen Frau legt, dann ist das nicht witzig, sondern nur noch bemüht provokant. Der Esprit, der noch in der ersten Staffel wehte, ist verflogen, der Knall des Tabubruchs verhallt. Statt Sex and Drugs and Rock'n' Roll gibt es nur noch Sex and Drugs.
Eine Falle, die man sich selbst gestellt hat und aus der man sich so leicht nicht befreien kann. Wer nur auf Provokation setzt, der stößt damit unweigerlich die Spirale nach oben an. Aber was soll noch kommen? FSK 20? Wohl kaum. Dexter hingegen hatte neben dem Tabubruch auch noch eine starke Story zu bieten.
Hank Moody wird sich also anstrengen müssen, um den Zuschauer mit neuen Facetten zu überraschen. In den USA hat er es immerhin schon bis zur vierten Staffel geschafft. Mal sehen, ob RTL2 genauso langen Atem hat.
Californication. Die zweite Staffel, ab 30. Juli immer freitags um 22.10 Uhr, RTL2
car/reu/news.de
Alles Bullshit !!! Californication ist eine der besten Serien seit langem. Das sie nicht auf das Musterprofil eines "standard deutschen" passt und auf einem beschissenen Sender, an einer beschissenen Uhrzeit, an einem beschissenen Wochtag läuft, kann sie nichts dafür. Mal ehrlich, die Zielgruppe, die Californication ansprechen will, hat an einem Freitag Abend was besseres zu tun als Zuhause zu hocken und TV zu glotzen ! "Californication ist aber 2. Staffel nicht mehr so gut.." Die 2. Staffel besteht aus dem, was die 1. Staffel so erfolgreich gemacht hat - derber,schwarzer Humor mit Tiefgang.
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