Von Jennifer Fraczek
25 Rentner auf einem Haufen. Da würde manch einer an Altersheim denken - nicht so Chorleiter Carsten Gerlitz. Er versucht, aus den Alternden einen passablen Chor zu machen. Statt Volksmusik gibt's allerdings Rock- und Popmusik.
Ein spitzer Schrei hallt durch den Saal. Chorleiter Carsten Gerlitz winkt ab. «Nein, so nicht. Es muss so klingen, als hättest du dich mit der kleinen Zehe am Wohnzimmertisch gestoßen», sagt er zu der grauhaarigen Frau, die den Schrei von sich gegeben hat. Dann setzt sich Gerlitz wieder an sein Klavier, gibt das Zeichen zum Einsatz, ein noch spitzerer Schrei ertönt, die Gruppe um die Frau kichert, Gerlitz nickt und spielt die ersten Takte von James Browns I Feel Good.
Die Dame mit dem kräftigen Organ ist Melita Moritz, 73. Sie ist Teil eines etwa 25-köpfigen Seniorenchors, den Gerlitz in drei Monaten das Singen lehren soll. Gefilmt werden sie dabei von Sat.1. Der Sender wird aus dem Material eine sechsteilige Seniorenchor-Doku mit dem Namen Rock statt Rente! Das Beste kommt zum Schluss machen, die ab dem heutigen 4. August läuft.
Weder die Idee, Menschen singen zu lassen, die es nicht perfekt beherrschen, noch die, musikmachende, ältere Herrschaften ins Fernsehen oder auf die Leinwand zu bringen, ist neu. So hat zum Beispiel ZDFneo im vergangenen Jahr Obdachlose zum Straßenchor gemacht, singende Senioren waren in dem Stephen-Walker-Film Young@Heart und in der mehrteiligen BBC-Dokumentation The Zimmers Thema. Im deutschen Fernsehen hat es aber bislang keine Miniserie mit musizierenden Rentnern gegeben.
Singen können wie früher
Beim Sender ist man gespannt, wie die Sendung angenommen wird, vor allem bei den begehrten, für die Werbekunden interessanten 14- bis 49-Jährigen. Schließlich haben die Chormitglieder mit ihrer großen Lebenserfahrung einiges zu erzählen, was vielleicht auch für Jüngere interessant ist. Und erzählen, das dürfen die Sängerinnen und Sänger in der Sendung. Denn zusätzlich zu den Aufnahmen von den Proben werden kleine Porträts einiger Teilnehmer eingestreut.
Einer der Teilnehmer ist der 72-jährige Alois Beck aus Franken. Er spielt Akkordeon, war früher einmal leidenschaftlicher Tänzer und hat als Kind und Jugendlicher in einem Chor gesungen. «Wenn ich Musik höre, muss ich mich bewegen. Da gibts kein Halten», sagt er. Auch die 85 Jahre alte Doris Kübler hat musikalische Vorbildung - Chor und Mundharmonika - und fühlt sich, wie sie sagt, «sehr viel jünger, seit ich in dem Chor bin». Die regelmäßigen Proben hätten auch dazu geführt, dass sie «endlich wieder das hohe Fis singen», könne, «wie früher».
Der älteste Teilnehmer ist mit 95 Jahren Wilhelm Tromm. Mit Inbrunst schmettert er seine Solo-Zeilen bei Hip Hip Hurra von den Ärzten. «Weißt du noch, wies früher war?» fragt er in einer Mischung aus Singen und Sprechen. «Früher war alles schlecht» antwortet vierstimmig der Chor.
Auf positive Art hemmungslos
Dessen Leiter Carsten Gerlitz ist zufrieden mit den Senioren. «Sie haben einen unglaublichen Willen und sind beim Singen auf positive Art hemmungslos», sagt der 43-Jährige. Die größte Herausforderung sei, dass sie Lieder singen sollen, die sie nicht kennen und von denen einige auch noch auf Englisch sind. «Außerdem tun sie sich beim Rhythmus etwas schwer», erzählt er.
Geprobt wird zwei Mal pro Woche je vier Stunden. Bei der Hitze zuletzt waren die Proben etwas kürzer. Auch an diesem Dienstag gewährt Gerlitz den Sängern und Sängerinnen einen «Hitzebonus» und ist nicht gar so streng mit ihnen. Bislang ist bei den rekordverdächtigen Temperaturen noch kein Chormitglied kollabiert, aber für den Fall der Fälle ist ein Sanitäter mit am Set.
Die Kameras, die bei fast jeder Probe dabei sind, sorgen jedenfalls nicht für Stress bei den Teilnehmern. Einige von ihnen haben bereits als Statisten vor der Kamera gestanden oder sind zumindest Publikum gewöhnt.
Am Ende der Probenzeit soll der Seniorenchor acht bis zehn Lieder beherrschen und gemeinsam mit der Popgruppe Pur einen großen Auftritt haben. Wann und wo steht noch nicht fest. Auch welche der einstudierten Lieder dort dann gesungen werden, ist noch nicht klar. Alois Beck wäre wahrscheinlich für den deutschen Schlager Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. «Das passt sowas von auf mich!» sagt er.
Rock statt Rente! Das Beste kommt zum Schluss, mittwochs, ab 4. August, 20.15 Uhr, Sat.1
naf/reu/news.de/ddp
Plummi47: Ich habe mir Mühe gegeben das nicht zu belächeln, gehöre aber nicht zu den Jüngeren. Die 5 Foto´s erinnern mich irgendwie an die Muppet-Show und wenn man auch noch liest, dass die ihr Gebiss als Kastagnetten benutzen, ist alles zu spät ! hihihihi
jetzt antwortenKommentar meldenFelix Kroll, du sprichst anscheinend aus Erfahrung. Die habe ich auch schon gemacht, mir hat allerdings niemand einen Sitzplatz im Bus angeboten sondern schlicht Hilfe in einer vertrackten Lebenslage. Kochen kann ich nicht, nie gelernt, aber ich nehme jede Hilfe diesbezüglich dankbar an. Denn essen in einem Restaurant ist sauteuer und schmeckt nicht immer. Ich liebe Hausmannskost, braucht kein Sternemenue zu sein, lediglich Nudeln mit Sugo.(Arrabiata is das beste!) Ist das zuviel verlangt?
jetzt antwortenKommentar meldenkann doch garnicht funktionieren. rock hat was mit sex u. drugs zu tun. rock kommt aus den eiern. und in dem alter sind selbige nur noch ein übrig gebliebenes anhängsel aus längst vergangenen, sprichwörtlich geilen zeiten. wer den rock´n roll nicht lebt, ist bestenfalls ein hobbymusiker in einer rentner-coverband. da müssen die oldies auch aufpassen das ihnen beim singen nicht das kukident versagt u. das gebiss rausfliegt. ...na ja...man könnte es dann ja wenigstens noch als kastagnetten benutzen. wenns ihnen spass macht, o.k., aber bitte keine cd. kaufe ich eh nicht.
jetzt antwortenKommentar meldenSpätestens, wenn man auf der Strasse mit "Opa" angeredet, und einem ein Sitzplatz im Omnibus angeboten wird, merkt man es selbst. Man sieht offenbar älter aus, als man sich fühlt.
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde es cool, wenn die ältere Generation sich noch nicht zum alten Eisen zählt und noch jede Menge drauf hat. Falls einige jüngere das belächeln, sollten sie daran denken, "wir Jungen von heute sind die Alten von morgen"!
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