So., 27.05.12

Loveparade 2010 26.07.2010 «Blutbad der Musik»

Loveparade (Foto)
Die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg beherrscht die Schlagzeilen weltweit. Auch die französische Tageszeitung Le Figaro berichtet. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Die Tragödie auf der Loveparade in Duisburg hat nicht nur in Deutschland Entsetzen ausgelöst. Weltweit bestimmt das Unglück, bei dem mindestens 19 Menschen starben, die Schlagzeilen der Zeitungen. Ein Überblick.

Die Opfer kommen nicht nur aus Deutschland. Sie kommen auch aus Australien, Bosnien, China, Holland, Spanien und Italien. Darunter die 21 Jahre alte Giulia Minola aus Brescia (Norditalien), die gemeinsam mit ihrer Freundin Irina Di Vincenzo durch Europa tourte und auf der Loveparade in Duisburg feierte. Sie starb im Gedränge, ihre Begleiterin wurde verletzt und musste in einem Duisburger Krankenhaus behandelt werden.

Gestern kehrte Irina nach Italien zurück, heute ist in der italienischen Tageszeitung La Repubblica von ihr zu lesen: «Es war die Hölle.» Und: Sie habe viel zu erzählen, viel anzuklagen. Die 21-jährige Italienerin kritisiert vor allem, dass zu wenig Polizei und Sicherheitsleute vor Ort waren, um zu helfen. Italiens Zivilschutzchef Guido Bertolaso wird in derselben Zeitung mit den Worten zitiert: «In Italien wäre so etwas nie geschehen.» Einer der größten Fehler sei es gewesen, keine Fluchtwege vorzuhalten, und die Veranstaltung auf einem Gelände mit einem Tunnel auszutragen.

Auch in Spanien ist die Trauer groß. Die spanische Tageszeitung La Nueva Espana berichtet über zwei spanische Opfer: Clara Zapater und Marta Acosta waren als Austauschstudentinnen in Deutschland. Die Fahrt zur Loveparade sollte eine Art Abschlussparty werden, doch sie wurde zu einer Reise in den Tod für die 21- und 22-jährigen Frauen. In La Rioja werden Freunde der beiden Studentinnen zitiert, die gesehen haben, wie Clara und Marta von der Masse quasi überrollt wurden.

Loveparade
Feige und erbärmlich
Video: news.de

Tenor der Berichterstattung im Ausland: Viele sehen die Schuld an der Tragödie bei den Organisatoren. So schreibt das britische Boulevardblatt The Sun: Die Polizei sei den Warnungen von Augenzeugen, dass der Tunnel bereits völlig überfüllt sei, nicht nachgegangen. Und die Turiner Tageszeitung La Stampa schreibt zur tödlichen Massenpanik bei der Loveparade: «Während die Welt trauert und selbst der Papst seinem großen Schmerz über den Tod der Jugendlichen Worte verleiht, versucht die Stadt Duisburg alle Anschuldigungen zurückzuweisen. Die Polizei verbarrikadiert sich hinter dem trockenen Hinweis, man könne keine genaue Auskunft geben darüber, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Begründung: Die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen aufgenommen. Eines ist jedoch sicher. Die Geschichte der größten Techno-Party der Welt ist am Samstag zu Ende gegangen. Im kommenden Jahr wird es keine Loveparade mehr geben.»

Auch die Pariser Zeitung Le Figaro spricht vom «Ende einer Epoche». Die Veranstalter hätten mit Blick auf die Opfer angekündigt, dass es in Zukunft keine Loveparade mehr geben wird. «Ins Leben gerufen in Berlin 1989, einige Monate nach dem Fall der Mauer, ist diese große Fete des Techno und der Forderungen von Homosexuellen 18 Jahre durch die großen Straßen der Hauptstadt gezogen - bevor sie ins Ruhrgebiet kam und dort in Trauer und Tränen endete.»

Hätte die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg verhindert werden können?, fragt das Luxemburger Wort: «Überall dort, wo viele Menschen zusammenströmen, besteht die Gefahr einer Massenpanik und dass Menschen dabei zu Schaden kommen. So ereignen sich auf Sport-Großveranstaltungen, Konzerten und religiösen Veranstaltungen immer wieder Tragödien.»

Das Mindeste, was man verlangen kann, so das Luxemburger Wort, sei, dass alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen würden, um ein solches Risiko möglichst gering zu halten. Doch in Duisburg seien alle Warnungen von Experten der Polizei und der Feuerwehr, die das Gelände für nicht geeignet hielten, in den Wind geschlagen worden. Der Veranstalter habe damit schwere Verantwortung auf sich geladen. Dass er vielleicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird, sei bloß ein schwacher Trost.

Die Entscheidung der Organisatoren, die Loveparade trotz des Unglücks nicht abzubrechen, stieß bei den ausländischen Medien auf Kritik. «Tragödie im Tunnel bei der Techno-Parade, doch für 1,4 Millionen geht das Fest weiter», schreibt die italienische La Stampa und kommt zu dem traurigen Fazit: «Deutschland, Blutbad der Musik.»

 

hav/ivb/news.de
Leserkommentare (15) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • jÜRGEN hEMPEL
  • Kommentar 15
  • 03.08.2010 23:59
 

Alles umsonst, einfach kostenlos. Deswegen rennen ja auch alle hin - und bringen sich gegenseitig um. Tanzen, bis der Tod eintritt. Was sind das blos für traurige Gestalten, ja Bumsköppe, die zu solche Massenveranstaltungen sich in Gefahr geben. UND denn gibt es ja auch Menschen, denen Stillstand in der Menge unbehagen macht. SO WIRD DANN GEDRÄNGELD UND GESCHUBST!!!! Die Scheisse ließ nicht auf sich warten - 21 Tote über 500 Verletzte ..............

jetzt antwortenKommentar melden
  • Longus
  • Kommentar 14
  • 27.07.2010 21:33
 Antwort auf Kommentar 12

keiner HETZT hier...du verwechselst kritik an einer inzwischen spassgierigen gesellschaft, die mit zeitlich dicht aufeinander folgenden massenspektakeln von den wirklichen problemen abgelenkt werden soll. erst fussball WM, dann techno-love party, dann oktoberfest u. die ganzen regionalen stadtfeste etc. ein fest jagt das nächste. der globus steht kurz vor dem kollaps, aber 1 million leute haben nichts besseres zu tun als party zu machen. die völker werden beschissen (bankenkrise) und ausgesaugt, aber alle wollen nur party. wo soll ich da noch achtung empfinden ?

jetzt antwortenKommentar melden
  • A
  • Kommentar 13
  • 27.07.2010 14:44
 

Ich sage nur eins http://www.focus.de/panorama/welt/italien_aid_57043.html

jetzt antwortenKommentar melden
  • Matthias Engel
  • Kommentar 12
  • 27.07.2010 13:06
 

Hier wird mal wieder falsch gehetzt 20 Tode und mehr als 500 Verletzte! Die Sicherheit steht doch in Frage, was ist überhaupt Sicherheit. Herr Sauerland der DU- Oberbürgerm. ist schwach gewesen wirkliche Entscheidungen zu setzen, das Unglück hätte also damit verhindert werden können Menschenmengen erst einmal nie durch Tunnels zu führen, das ist der erste Schwachpunkt von angeblicher Sicherheit! Sperrzäune, was für ein Quatsch von SED-Allüren Schwachp. 2,-3 u.4 ist einfach, Duisburg ist gar nicht für solche Loveparade geeignet, dass wusste nämlich alle, ließen damit billigem Kauf der Toten zu.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Eugenio
  • Kommentar 11
  • 27.07.2010 06:50
 

Zu Komm 10 Hallo Longus, Sie sprechen mir 1000%tig aus der seele u so habe ich Zeit gespart um selbst das ziemlich gleiche zu schreiben! wie sagte s.Zt. ein Ferdinand von Lassalle "Das was wir am meisten hassen ist der Unverstand der breiten Masse!"

jetzt antwortenKommentar melden
  • Longus
  • Kommentar 10
  • 26.07.2010 23:24
 

das ergebnis von vergnügungswahn einer blökenden herde. in diesem falle hat westerwelle schon recht wenn er von spätrömischer dekadenz spricht. immer lustig u. vergnügt, bis der arsch im sarge liegt. hauptsache es ist schrill und laut, u. dann strömt die spassgesellschaft zur fleischbeschau, zum drogenkonsum und beschallung durch rythmischen lärm zu hunderttausenden. aber wenn man die leute wirklich braucht wenn es um demonstrationen gegen verarmungs u. knebelgsetze geht, sind sie nicht zu sehen. die seit jahrzehnten vorbereitete verblödung des volkes trägt langsam früchte.

jetzt antwortenKommentar melden
  • benny
  • Kommentar 9
  • 26.07.2010 21:30
 

Blutbad der Musik??was hat das mit der Musik zutun??blöde überschrieft naja wie ich schon gestern geschrieben habe haben alle Angehörige egal welcher nation mein tiefstes Mitgefühl und beileid wo ich erfahren habe stand ich vorne an der Hauptbühne es ging um wie lauffeuer was passiert ist.nur keine wusste was fürn ausmasse das hatte das hab ich erst am Sonntag erfahren durch die Berichte es kommt mir nur eine frage auf wieso wurde der 2 aufgang erst nach dem unglück geöffenet??das hätte schon vorher geöffnet werden müssen damit es kein massen andrang gegeben.

jetzt antwortenKommentar melden
  • kato61
  • Kommentar 8
  • 26.07.2010 19:13
 

ich empfinde absolutes Entsetzen über dieses Unglück und möchte ausdrücklich mein Mitgefühl für die Betroffenen ausdrücken. Ich halte es auch für richtig, dass die Ursachen und Verantwortlichkeiten durch Gerichte (Staatsanwälte etc) geprüft und auch geahndet werden. Ich hoffe und erwarte, dass die Klärung der Ursachen auch in aller Offenlichkeit erfolgt. Hasstiraden und verallgemeinerte Schuldzuweisungen helfen hier nicht weiter.

jetzt antwortenKommentar melden
  • kato
  • Kommentar 7
  • 26.07.2010 17:56
 

ich empfinde absolutes Entsetzen über dieses Unglück und möchte ausdrücklich mein Mitgefühl für die Betroffenen ausdrücken. Ich halte es auch für richtig, dass die Ursachen und Verantwortlichkeiten durch Gerichte (Staatsanwälte etc) geprüft und auch geahndet werden. Ich hoffe und erwarte, dass die Klärung der Ursachen auch in aller Offenlichkeit erfolgt. Hasstiraden und verallgemeinerte Schuldzuweisungen helfen hier nicht weiter.

jetzt antwortenKommentar melden
  • diekrue
  • Kommentar 6
  • 26.07.2010 17:34
 

In Duisburg wurde von den Verantwortlichen keine Love Parade; sondern ein Verbrechen veranstaltet. Alle nur denkbaren Sicherheitskriterien wurden aus reiner Profitgier außer acht gelassen. Schließlich ist die Stadt Duisburg hoch verschuldet und damit wollte man sich sanieren. Für eine derartige Veranstaltung war die Stadt vollkommen ungeeignet, weil sie kein entsprechendes Areal hat. Das alles erfährt man erst im nach hinein. Aus Berlin ist die Love Parade herausgenommen worden weil die Stadt vom Veranstalter Geld für Sicherheit und Polizei forderte. Es war mit Sicherheit die letzte Love Pa

jetzt antwortenKommentar melden
  • SonyaFan
  • Kommentar 5
  • 26.07.2010 16:58
 

Ich frage mich nur warum sowas überhaupt zugelassen ist.Nur damit die Politiker mehr Stimmen bekommen werden Schwule und Lesben verheirateten normalen Eheleuten gleich und manchmal sogar höher gestellt.Das mal zum ersten.Zum zweiten meine Freunde hatte ich einen Chef der stets sagte:Wisst ihr Jungs wenn ihr euch mal selbstständig machen wollt müsst ihr zuerst Geld ausgeben ehe ihr Gewinn macht.Doch hier ist nur die blanke Profitgier wieder am Werk gewesen.Stellt euch doch mal vor die Verantwortlichen beim Rosenmontag die würden auch nur vor Geldgier strotzen.Das würde ein Massaker geben.

jetzt antwortenKommentar melden
  • JR
  • Kommentar 4
  • 26.07.2010 15:01
 Antwort auf Kommentar 1

Nur die Beamten als Sündenbock auszumachen ist zu einfach. Das fängt an bei den "MACHERN", hier zählt das Image- und die Profitgier. Dann folgt der "INTERESSIERTE", unsere Spassgeselschaft. Merke ohne Nachfrage kein Angebot! Dann folgt der "GENEHMIGER" und das sind dann die Beamten. Sollten die sich verweigern, stehen sofort die MEDIEN bereit und lassen nichts aus, um die als Spassbremsen zu disqualifizieren. Ein Teufelskreis.

jetzt antwortenKommentar melden
  • pythia2010
  • Kommentar 3
  • 26.07.2010 14:32
 

Korrektur: Dilettantisches

jetzt antwortenKommentar melden
  • pythia2010
  • Kommentar 2
  • 26.07.2010 14:30
 

Es geht noch schlimmer: Eine selbst bezahlte Musik-Todeszelle. Alle Verantwortlichen nicht zur zurücktreten lassen, das wäre wie stets viel zu einfach. Nein, alle Verantwortlichen müssen privat, aus eigener Tasche, Entschädigungen, Krankenhausaufenthalte, psychologische Betreuung der Hinterbliebenen und Rettungs- und Leichenwagen-Fahrten zahlen. So etwas Dilletantisches käme so schnell nicht mehr vor.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Papilein
  • Kommentar 1
  • 26.07.2010 12:56
 

Ist schon eine Tragödie, was da passiert ist. Und warum? Weil einige gut Bezahlte Beamte vollkommen überfordert waren mit der Planung der Sache. Hier in Dortmund vor einiger Zeit lief auch schon einiges nicht richtig, weil es mit den Zugängen am Bahnhof Probleme gab. Es wurde todgeschwiegen, man machte weiter wie bisher, in der Hoffnung es wird schon nichts passieren. Nun ist es passiert. Das ist traurig für alle Betroffenen. Aber es wird in faschistischer Gleichschaltung schon nichts mit den verantwortlichen Beamten passieren, das ist ja das wichtigste!!! Kein Gericht wird sie verurteilen!!!

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Loveparade 2010: «Blutbad der Musik» » Medien » Nachrichten

URL : http://www.news.de/medien/855066731/blutbad-der-musik/1/

Schlagworte:

Abschlussparty , Angèle , Anschuldigungen , Aufgenommen , August Musik , Auskunft , Begründung , Behandelt , Béla Réthy , Belgien Holland , Berlin Begründung , Berlin Duisburg , Berlin Ermittlungen , Berlin Experten , Berlin Frauen , Berlin Homepage , Berlin Kritik , Berlin Musik , Blick , Brescia , Clara Italien , Claudia Enkelmann , Claudia Garde , Claudia Hauschild , Claudia Häusler , Claudia Hellmers , Claudia Hoffmann , Claudia Lahm , Claudia Lindner , Claudia Lux , Claudia Rath , Claudia Tambussi , Claudia Weiss , CO , Dana International , Dave Holland , Donato Italien , Duisburg , Epoche , Ermittlungen , Experten , Fete , Feuerwehr , Fidelity International , Figaro Madame , Fluchtwege , Forderungen , Fragt , Geeignet , Gefahr , Geladen , Gelände , Gering , Geschichte , Geschlagen , Größten , Guido Balmer , Guido Bergmann , Guido Brunetti , Guido Buchwald , Guido Grünheid , Guido Hammesfahr , Guido Hertel , Guido Kambli , Guido Siebenhaar , Hauptstadt , Hinweis , Homosexuellen , Internacional , Irina Zabludina , Jahr , Jahre , Jason Holland , Jugendlichen , Konzerten , Kritisiert , Leben , León Kristian , León Pepe , León1057 , León1097 , León1455 , León1556 , León1576 , León669 , León789 , León809 , Loveparade , Luxemburger , Maria Clara , Marta Australien , Marta Brasilien , Marta Foulelfmeter , Marta Gelbe , MARTa Herford , Marta Norwegen , Marta Vieira , Martino Italien , Massenpanik , Mauer , Menschen , Mindeste , Monate , Music Worte , Opfer , Ort , Papst , Pariser , Polizei , Post UK , Rioja , Risiko , Rosana Marta , Ruhrgebiet , Samstag , Schmerz , Schreibt , Sol , Spanische , Staatsanwaltschaft , Stadt , Stampa , Star Marta , Starb , Straßen , Tageszeitung , Target , Techno , The Art , The Holland , The News , The Wind , The Witcher , The Wombats , Tod , Tragödie , Tragödien , Tränen , Trauer , Trost , Turiner , Unglück , Veranstalter , Veranstaltungen , Verantwortung , Verhindert , Vorsichtsmaßnahmen , Warnungen , Welt , Wind , Wort , Worte , Zeitung , Zukunft ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige