Geschichte eines Justizskandals
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Seine Leiche wurde nie gefunden: Der fünfjährige Pascal verschwand 2001 spurlos. Das Erste schildert den Fall des Jungen, der vermutlich in die Fänge einer Kinderschänderbande geriet, und gewährt einen Blick in tiefe menschliche Abgründe.
Es ist einer der undurchsichtigsten Kriminalfälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ein Fünfjähriger verschwindet spurlos. Es passiert am 30. September 2001, mitten im Kirmesrummel des Saarbrücker Stadtteils Burbach. Es gibt später einen großen Prozess um Kindesmissbrauch und Kindstötung, doch am Ende stehen zwölf Freisprüche. Die ARD zeigt am 26. Juli, 21 Uhr, in ihrer Reihe Die großen Kriminalfälle die erschütternde Dokumentation Ein Kind verschwindet - der Fall Pascal.
Pascal, Sohn einer Küchenhilfe und eines mehrfach vorbestraften Alkoholikers ist «e hübsch' Bübche», wie Zeugen im Prozess sagen. Er ist 1,10 Meter groß und schlank. Er hat eine Zahnlücke im Mund und allerlei Unsinn im Kopf, wie das bei Kindern in diesem Alter eben so ist. Trotz einer Suche mit Hundertschaften von Polizisten, Tauchern, Hubschraubern und vielen Freiwilligen aus der Bevölkerung wird Pascal im Herbst 2001 nicht gefunden. Sein Verschwinden ist ein Rätsel.
Erst zwei Jahre nach der Suche gibt es eine erste Spur. Sie führt in die «Tosa-Klause», eine kleine Kneipe in Saarbrücken-Burbach. Was jetzt beginnt, ist quälend. Sicher ist nur: Um 16.50 Uhr am 30. September 2001 wird der Junge in der Nähe der «Tosa-Klause» gesehen. Danach fehlt jede Spur von ihm, nicht einmal sein Fahrrad wird gefunden. Obwohl es Hinweise auf eine Kiesgrube in Frankreich gibt, wo die Leiche des Jungen hingebracht worden sein soll, bleibt alles mysteriös.
Widerwärtiges Verbrechen an einem wehrlosen Kind
Am Wahrheitsgehalt vieler Aussagen, die den Fall als widerwärtiges Verbrechen an einem wehrlosen Kind erscheinen lassen, entzündet sich ein Streit. Fünf von zwölf Angeklagten legen Geständnisse ab - danach wäre ein Hinterzimmer der «Tosa-Klause» der Tatort: Pascal sei dort mehrfach vergewaltigt, dann getötet und schließlich in einem blauen Müllsack abtransportiert worden, so die Staatsanwaltschaft.
Die Angeklagten widerrufen jedoch ihre Geständnisse, manche sogar mehrfach, so dass das Dickicht der Aussagen für die Richter des Landgerichts Saarbrücken immer undurchdringlicher wird. Problem: Die Angeklagten werden durch massive suggestive Vorhalte im Verhör dazu gebracht, Vorgaben von Ermittlern zu bestätigen - die «Geständnisse» sind damit oft wertlos. Der Bundesgerichtshof (BGH) wird die Urteile, sprich: Freisprüche, später bestätigen.
Die ARD beschreibt ihre Doku wie folgt: «Auch wenn der Fall Pascal nie gelöst wurde, so gibt es ein Vermächtnis des Kindes Pascal Zimmer. Von diesem Vermächtnis und einem ungelösten Fall, der in tiefe menschliche Abgründe führt, handelt der Film...»
Die großen Kriminalfälle: Ein Kind verschwindet, 26. Juli, 21 Uhr, Das Erste.
car/juz/ivb/news.de/dpa
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