Den Verstand ausschalten, bitte!
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 21.07.2010
Ein tüchtiger Hotelier und Landwirt siegt über einen internationalen Tourismuskonzern und gewinnt die attraktive Vorstandsdirektorin als seine Frau fürs Leben. Wie es soweit kommen konnte, ist in der ARD in Heimat zu verkaufen zu sehen.
Heimat zu verkaufen? Nicht mit Max Höllerer. Er hat sich mit dem Umbau seines kleinen, idyllischen Berghotels namens Seerose zwar übernommen und ist in Zahlungsschwierigkeiten. Doch das kleine Unternehmen deswegen leichtfertig aufzugeben, kommt für den tüchtigen und bei seinen Gästen äußerst beliebten Hotelier nicht in Frage.
Dumm nur, dass die Bank den Familienbetrieb hinter seinem Rücken längst an einen internationalen Tourismuskonzern verkauft hat. Mit Hilfe zahlungskräftiger Investoren soll aus dem malerischen Bergdorf am See eine Reißbrett-Rendite-Landschaft mit Wellnesshotel, Golfplatz und Autobahn werden. Und da kommt Sarah Sand ins Spiel.
Das Businessfräulein aus Frankfurt soll Höllerer und die anderen Hinterwäldler aus dem Dorf von dem touristischen Großprojekt überzeugen. Beim naturverbundenen Hotelier stößt sie jedoch auf taube Ohren. Er lehnt es sogar ab, den Geschäftsführerposten in seinem ehemaligen Hotel zu übernehmen. Dass sich ausgerechnet sein Freund und Dauergast Kurt Groth die Seerose unter den Nagel gerissen hat, lässt Max zwischenzeitlich an der Menschheit verzweifeln und Zuflucht suchen auf der geliebten Alm.
0815-Heimatfilm-Romanze aus dem Baukasten
Fritz Hammel als Max und Henriette Richter-Röhl als Sarah spielen in Heimat zu verkaufen (am 21. Juli, 20.15 Uhr, Das Erste) zwei Hauptfiguren, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Max – bodenständig, heimatverbunden – will die natürliche Schönheit seiner Heimat unbedingt erhalten. Sarah, karriereorientiert, sieht in den Plänen, aus dem Familienbetrieb ein großes Wellness-Hotel zu errichten den absoluten Fortschritt.
Es dürfte niemanden wirklich überraschen, dass Max und Sarah sich trotz aller Differenzen ineinander verlieben und Heimat zu verkaufen gut ausgeht. Das klingt leider ganz arg nach einer 0815-Heimatfilm-Romanze aus dem Baukasten. Und in der Tat: Nichts anderes wird dem Zuschauer zur besten Sendezeit serviert.
Was Regisseur Karl Kases und Drehbuchautorin Susanne Zanke hier bieten, ist an Harmlosigkeit und Vorhersehbarkeit kaum mehr zu überbieten. 90 Minuten lang trifft Stadt auf Land, Finanzhai auf Bauerntum. Und am Ende dieser Gleichung steht was? Natürlich der Sieg der Liebe über alles andere. Dazwischen wird mit den Methoden des schon jahrzehntelangen Heimatfilmes gerungen, jedes erdenkliche Klischee dieses Genres erfüllt. Ergänzt wird alles durch ein märchenhaftes Ambiente in den Kärntner Bergen, umwoben mit einer idyllischen und landestypischen, musikalischen Untermalung.
Glaubhafte schauspielerische Leistung
So harmlos und uninspiriert die Inszenierung und das Drehbuch sind, die Schauspieler haben das Beste aus der Situation herausgeholt. Sie helfen dem Zuschauer durch so manchen Hänger und lächerliche Situation hindurch. Sowohl Fritz Hammel (der 52-jährige Linzer ist in seiner Heimat Österreich vor allem durch Theater-Engagements bekannt geworden) als auch Henriette Richter-Roehl (die 28-Jährige war die erste Hauptdarstellerin der erfolgreichen ARD-Telenovela Sturm der Liebe) agieren im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten größtenteils auch glaubhaft. Der Rest der Schauspieler-Riege ist an der einen oder anderen Stelle vielleicht schon ein wenig zu überzeichnet. Heuschreckentum in der Finanzbranche hin oder her, so dämlich wird heutzutage niemand mehr auf diese heraufbeschworenen Luftschlösser reagieren.
Am Ende bleibt ein grundsolider Heimatfilm für die ganze Familie mit relativ unverbrauchten Gesichtern, der kostensparend produziert wurde. Einfach mal abtauchen, den Verstand ausschalten und sich berieseln lassen. Anspruch oder feinsinnigen Humor sucht man hier aber vergebens.
Für alle, die Heimat zu verkaufen verpasst haben und trotz aller Kritik doch gerne sehen würden: Die ARD ist so lieb, die Romanze einen Tag später, nämlich am 22. Juli, um 10:30 Uhr, zu wiederholen.
Heimat zu verkaufen, 21. Juli, 20.15 Uhr, und 22. Juli, 10.30 Uhr, Das Erste.
/ivb/news.de
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