Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Mini-Gangster-Rapper versucht sich als Kampfsport-Ass: In Karate Kid lässt sich Jaden Smith, Sohn des Hollywood-Stars Will Smith, von Jackie Chan in chinesischer Kampfkunst schulen und scheitert grandios.
Es fängt schon damit an, dass Karate Kid nicht Karate, sondern Kung Fu lernt. Da ist ganz grundsätzlich schon der logische Wurm drin. Wahrscheinlich hätte man das dem Kinofilm noch verziehen, wenn nicht auch noch der Hauptdarsteller so ein Reinfall wäre. Jaden Smith, Sprößling des Hollwood-Stars Will Smith, zieht hier eine gigantische Ego-Show ab.
Karate Kid, von Harald Zwart (Der rosarote Panther 2) inszeniert, muss sich an seinem berühmten Vorgängerfilm von John G. Avildsen aus dem Jahr 1984 messen. Das war ein gigantischer Kinoerfolg, der in den 1980er Jahren unter Jugendlichen einen Kampfsport-Boom auslöste. Die Geschichte in Zwarts Remake ist beinahe identisch, nur dass sie diesmal in China spielt: Dre Parker (Jaden Smith) zieht mit seiner Mutter von Detroit nach Peking. Der Zwölfjährige hat große Schwierigkeiten, sich in dem fremden Land einzuleben: Sponge Bob auf Chinesisch, kein warmes Wasser und dann wird er auch noch ständig von diesen Schul-Rambos vermöbelt. Hausmeister Mr. Han (Jackie Chan) hat Mitleid und bringt Dre Kung Fu bei. Dabei hat er merkwürdige Methoden auf Lager: Erst einmal muss der Junge sich in Demut und Geduld üben – Jacke aufheben, aufhängen, anziehen, ausziehen und wieder von vorn. Tagelang macht er nichts anderes.
Die Kampfszenen des Films sind allerdings eine Enttäuschung, beim großen Showdown ist alles so verwischt und beschleunigt, dass man kaum etwas erkennen kann. Jadens Schläge und Tritte sind viel zu unsicher ausgeführt. Einzig ein beeindruckender Spagat gelingt dem Jungen, den er dann aber auch bis zum Exzess zelebriert: Beim Kick ans Klingelchen oder einer Verschnaufpause auf dem Balkongeländer.
Auch wenn er beteuert, er habe täglich fünf Stunden Kung Fu trainiert – man merkt es nicht, den Kampfsportler nimmt man dem ansonsten entzückenden Zwerg leider nicht ab. Zu unambitioniert sind die Kampfszenen, zu flach seine Darbietung des verunsicherten Jungen, der mit Kung Fu zum Mann wird.
Was für ein Glück, dass wenigstens Jackie Chan als Kung-Fu-Meister eine gute Figur macht. Die Szene, in der Chan gegen Dres bösartige Widersacher kämpft, ist eine richtige Erholung. Ansonsten ist der Altmeister der Kampfkunst-Filme hier der grüblerische und etwas wunderliche Einzelkämpfer. Weil ihm aber in Jaden Smith ein angemessenes Gegenüber fehlt, versickert seine facettenreich ausdifferenzierte Rolle.
Wiegender Gang und hängende Lider
Derweil ist Jaden Smith viel zu sehr darum bemüht, cool auszusehen und deshalb gelingt es ihm nicht, Emotionen überzeugend zu transportieren. Das liegt auch daran, dass er lieber lässig und abgeklärt als ein unsicheres Kind sein möchte. Mit wiegendem Gang und hängenden Lidern schiebt sich der Möchtegern-Gangster-Rapper durch den Film. Leider schafft er es nicht, aus diesen abgenudelten Posen auszubrechen. Cooles Rappergehabe und Schauspielkunst mit Tiefgang sind zwei Konzepte, die schlicht nicht zusammen passen. Warum der Junge diese Rolle bekommen hat? Die Eltern Will Smith und Jada Pinkett Smith sind die Produzenten dieses aufwändigen Films.
Der Smith-Sprössling ist nicht grundsätzlich talentfrei, er hat sich nur mit Karate Kid verhoben. Man möchte den ehrgeizigen Eltern sagen: Gebt dem Kind einfach noch ein paar Jahre, sich zu entwickeln, anstatt ihn für halbgare Nummern wie diese vor die Kamera zu zerren.
Die schauspielerischen Stärken von Jaden Smith liegen einfach woanders: Der Knirps sprüht vor Charme. Leider hat er in Karate Kid nur zu selten die Gelegenheit, den Schalk hinter seinem Nacken hervor blitzen lassen. Aber in genau diesen Momenten schimmert sie durch, die erfrischende Natürlichkeit seines berühmten Vaters. Es gibt also Hoffnung.
Die Story des Films verliert sich in Anspielungen an den Originalfilm und reißt viel zu viele Themen an, die wie Gerümpel im Film herumstehen. Spaziergänge zu Drachenquellen? Kann man machen, um etwas mehr spirituelle Tiefe hineinzubringen und weil das auch ein wichtiger Bestandteil des Vorbild-Films ist. Dennoch nehmen diese Szenen hier die ohnehin schon spärliche Spannung wieder raus, weil vieles so erwartbar ist: stundenlange Pressups, ein spirituelles Training in den Bergen Chinas und eine anbiedernde Vater-Sohn-Beziehung zwischen Lehrer Jackie Chan und seinem Schüler. Auch die Liebesgeschichte zu der kleinen chinesischen Geigerin scheint Jaden nicht so recht zu behagen – den Kuss haben die Macher lieber gleich in das Reich der Schatten verbannt.
Die gute Nachricht ist: Jackie Chan ist als Charakterdarsteller gar nicht übel und Jaden Smith könnte mal ein guter Schauspieler werden, wenn er endlich aus seinen Posen herausgewachsen ist.
Titel: Karate Kid
Regie: Harald Zwart
Darsteller: Jaden Smith, Jackie Chan, Taraji P. Henson
Filmlänge: 140 Minuten
FSK: ab sechs Jahren
Verleih: Sony
Kinostart: 22. Juli 2010
wenn der film wirklich ab 6 jahren freigegeben ist und eltern es zelebrieren, dass ihre sprösslinge diesen film sehen, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn die heranwachsende generation als "killer"-jugend schlagzeilen macht. armes deutschland!
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