So., 27.05.12

Sinkende Quoten 20.07.2010 «Marienhof» vor dem Aus?

Marienhof (Foto)
Auch Gastauftritte wie der von Lucy Diaskovska (links, mit Schauspielerin Maike von Bremen) von den No Angels haben die Serie Marienhof nicht wieder in Schwung gebracht. Bild: ddp

Sie ist eine der bekanntesten Serien im deutschen Fernsehen: Die Seifenoper Marienhof. Doch das ARD-Format schwächelt. Die Fangemeinde bangt. Steht der Vorabendklassiker nun vor dem Ende?

«Es wird viel passieren» - seit fast 18 Jahren und fast 4000 Episoden empfängt der Marienhof so seine treue Fernsehgemeinde. Doch diese wird immer kleiner. Die Seifenoper der ARD ist noch nicht mal volljährig, und schon droht das Aus durch Altersschwäche. «Passieren» könnte nun vor allem eines: das Ende.

Zwar will offiziell niemand über das Aus des Vorabend-Urgesteins spekulieren. Doch in Marienhof-Fanforen ist das Ende offenbar bereits besiegelt. Auf einer Skala geben die Fans da schon an, ob sie «unsagbar traurig» sind, oder ob es ihnen «mittlerweile vollkommen egal ist». Das Hamburger Abendblatt berichtete, dass kommenden Februar Produktionsstopp ist.

Bei der ARD heißt es zwar bisher nur: Im Herbst soll über die Zukunft der Serie entschieden werden. Eine feste Zusage zum Weitermachen klingt aber anders. Auch bei der Bavaria Film, die Marienhof produziert, wollte niemand eine Überlebensgarantie für die Seifenoper abgeben.

Neue «Perspektiven» und «Ideen» sollten im Herbst beleuchtet werden, das sei reine Routine, erklärt Burchard Röver, Sprecher der ARD-Programmdirektion. Doch auch er weiß: Die Quoten sehen nicht gut aus. Und die Konkurrenz ist hart. «Wir haben uns beim Vorabendprogramm in den letzten Jahren richtig schwergetan», sagt er. «Das ist bretthart. Da tummeln sich Soaps und Telenovelas rum.»

Mit einer groß angekündigten PR-Aktion wollten die Macher dem etwas altbackenem Marienhof mit seiner Einkaufsgalerie in dem fiktiven Kölner Stadtteil einen neuen Anstrich verpassen. Die Geschichten sollten spannender werden - eine Explosion riss letztes Jahr den «alten Marienhof» mit seiner Kulisse, die noch den Charme des vergangenen Jahrtausends versprühte, nieder.

Der Marktanteil sollte mit dem «Neuanfang» wieder über zehn Prozent kommen. Doch stattdessen dümpelt er dieses Jahr bei durchschnittlich 8,6 Prozent - vor zehn Jahren waren es noch 15,5 Prozent. Die ARD erzielte im Jahresverlauf bislang insgesamt 13,9 Prozent.

Schauspieler wie Viktoria Brams, alias Inge Busch, sind schon seit Folge Eins dabei. Neue Hauptfiguren sollten wieder frischen Wind bringen. Doch die Anhänger sind anscheinend immer noch nicht begeistert. «Früher war der Marienhof realistischer, da war noch niemand von heute auf morgen Sanitäterin... Ich denke auch manchmal, dass ihnen halt langsam die Ideen ausgehen», bemängelt zum Beispiel «Ekatarina» im offiziellen Forum auf der Marienhof-Webseite.

Auch Medienexperten sehen bei Soap-Klassikern wie Marienhof, Verbotene Liebe oder Gute Zeiten, Schlechte Zeiten (GZSZ) Schwierigkeiten. «Als Zuschauer bleibt man an diesen Serien nur eine Zeit lang dran», sagt Michael Gurt vom Institut für Medienpädagogik JFF in München. «Viele Serien erarbeiten sich ein Fanlager, aber nur der harte Kern bleibt dabei.» Länger als sechs bis sieben Jahre verfolge niemand eine Soap-Opera, die normalerweie für eine Zielgruppe von 14 bis 20-Jährigen ausgelegt sei. «Da findet dann ein Generationswechsel statt.»

Aber ein Format kann sich eben auch abnutzen - genauso wie das schon mit täglichen Talkshows oder Gerichtsshows geschehen ist. Was nun mit Marienhof passiert, ist offen. Doch ein Fan ist sich sicher: «Was stattdessen auf dem Sendeplatz laufen wird, kann nur schlechter werden.»

Marienhof wird von der Bavaria Film in München produziert und feiert diesen Oktober den 18. Geburtstag. Die Serie, die sich um die Geschichten und die Probleme der Bewohner des Marienhofs, einem fiktiven Kölner Stadtteil, dreht, wurde erstmals am 1. Oktober 1992 ausgestrahlt.

car/ivb/news.de/dpa
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