Tony Marshall (lacht) «Deutscher Schlager ist nicht totzukriegen»

Die Sch√∂ne Maid singt er seit fast 40 Jahren. Jetzt bringt Tony Marshall die neue CD Tony 2010 mit aktuellen und schon bekannten Liedern heraus. News.de f√ľhrt mit dem Schlagerstar ein fr√∂hliches Gespr√§ch √ľber Treue, Loyalit√§t und Freundschaft.

Gestern haben Sie noch gekrächzt und mussten das Gespräch verschieben. Was macht man als Sänger gegen eine Erkältung?

Marshall: Davor ist ja niemand gefeit. Ich habe es bisher immer wunderbar geschafft und musste deshalb noch nie einen Auftritt absagen.

Haben Sie ein Geheimrezept f√ľr Ihre Stimme?

Marshall: Nee, eigentlich net. Ich werde heute Abend vor meinem Auftritt ein schönes Pils trinken, ein eiskaltes und dann einfach freisingen.

An Ihrer Biografie f√§llt etwas auf, Herr Marshall. Sie stehen seit 56 Jahren auf der B√ľhne, sind seit 1962 verheiratet und singen seit 1971 die Sch√∂ne Maid, solange arbeiten Sie auch mit Herbert Nold, ihrem Manager zusammen. Sind Sie ein treuer Mensch?

FOTOS: Tony Marshall Ein Schlagerleben

Marshall: Treue zur Musik in jedem Fall. Jedoch nicht zum Schlager, sondern zur Klassik. Ich bin ein Klassikfreak. Das f√§ngt an bei den Komponisten Buxtehude √ľber Haydn, H√§ndel, Mozart, Beethoven und dann die gro√üen italienischen und russischen Opernkomponisten. Das ist meine Musik, mit der will ich alt werden. Alles andere ist Arbeit und Gesch√§ft. Das sind die beiden Seelen von Tony Marshall.

Warum sind Sie der Unterhaltungsmusik so treu geblieben, wenn Sie Opernliebhaber sind?

Marshall: Im Grunde ist das doch alles √§hnlich. Auch Caruso und Pavarotti haben Volkslieder gesungen. Ich mache da keinen Unterschied. Pop ist einfach nur die Abk√ľrzung von Musica Populare und das hei√üt √ľbersetzt ins Deutsche «Volksmusik». Ich mache einfach meinen Beruf und der ist es, anderen Menschen Freude zu machen. Da war ich konsequent.

Sie sind aber nicht nur der Musik gegen√ľber loyal, auch den Menschen.

Marshall: Absolut. Ich habe das von den drei Musketieren. Einer f√ľr alle, alle f√ľr einen. Schon als Kind habe ich die Nibelungen gelesen. Da ist viel die Rede von Treue und Loyalit√§t. Die Beziehung mit meiner Frau, die ich schon von Kindheit an kenne, ist Beweis genug. Auf Anhieb k√∂nnten Sie bestimmt niemanden sonst in der Schlagerbranche nennen, der solange mit seiner Frau verheiratet ist. (lacht)

Stimmt, auf Anhieb nicht. Deshalb frage ich mich, wie das möglich ist, im schnelllebigen Musikgeschäft?

Marshall: Das ist ein Lottotreffer. Ich habe einfach die beste Frau gefunden. Und mich hätte keine Claudia Schiffer, Paris Hilton oder sonst wer auf Abwege gebracht. Das wäre alles Spielzeug, aber nicht ernst zu nehmen.

Auf kleine Abwege sind Sie aber geraten. Vor kurzem haben Sie Affären zugegeben.

Marshall: Ja, klar. Da stehe ich auch dazu. Die anderen m√ľssten das auch alle zugeben, aber die sind zu feige. Ich bin ein Teil der Natur und lebe einfach meine Gef√ľhle aus. (lacht)

Roberto Blanco hat sich irgendwann mit seiner viel j√ľngeren Freundin in der Bild-Zeitung gezeigt.

Marshall: Ich muss nicht fremdgehen, um in die Bild-Zeitung zu kommen. Das habe ich gar nicht nötig. (lacht)

Auch wenn Sie Beruf und Privates trennen. Ein bisschen Privatleben fließt in die Musik mit ein. Auf der neuen CD zum Beispiel ...

Marshall: Sie meinen Sieben kleine Kinder (lacht).

Sie singen √ľber sieben Kinder, die Sie mit sieben Frauen haben. Ist das autobiografisch?

Marshall: Nein, das waren ja mal 13 kleine Kinder, so hei√üt das Original des Liedes und wir haben jetzt sieben daraus gemacht, weil sieben meine Gl√ľckszahl ist. Das ist ein Lied f√ľr den Karneval. Mit meiner Biografie hat das nichts zu tun. Ich h√§tte gern sieben Kinder gehabt, zu dreien hat's nur gereicht. (lacht)

F√ľr Ihre Tochter haben Sie auch ein Lied auf Tony 2010 gesungen.

Marshall: Stella Maria, te quiero mi amor. Da freut sie sich dr√ľber. Sie hat nat√ľrlich gesagt: Das war nicht n√∂tig, Papa. Ich muss ihr nicht meine Liebe kundtun, indem ich ein Lied komponiere und singe. Es war trotzdem mal f√§llig. Die Menschen sollen auch mitbekommen, wie sehr ich meine Tochter liebe.

Lesen Sie auf Seite 2, mit welchen Schlagerkollegen Tony Marshall wirklich befreundet ist

Auf Tony 2010 sind nicht nur Stimmungslieder, sondern auch leisere Töne.

Marshall: Ich habe diese Frau geliebt. Das ist ja eigentlich auch meine Musik. Ich komme von der Klassik √ľber den Chanson zum Schlager. Als ich in den 1960er Jahren angefangen habe, war mein erstes Lied Aline, das war auch ruhiger. Diesen Weg wollte ich eigentlich einschlagen. Dann begegnete ich allerdings Jack White und der Sch√∂nen Maid und so ist alles ein bisschen anders gekommen.

Jack White kennen Sie ja auch schon seit 1970.

Marshall: Und erst gestern waren wir wieder zusammen in Offenburg. Da traf ich Chris Roberts, der hat mir sein Leid geklagt, dass ihn seine Frau verlassen hat. Der Chris hat ja jetzt auch ein B√§uchchen. (lacht, diesmal ein bisschen schadenfroh) Der war immer ein gertenschlanker Kollege, da habe ich ihn drum beneidet. Ich hatte ihm mal ein Seidenhemd abgekauft f√ľr 140 Mark und sp√§ter festgestellt, dass es mir viel zu klein ist. (lacht) Cindy und Bert, Christian Anders und mein Freund Bata Illic waren auch noch da.

Gibt es wirklich so etwas wie Freundschaft im Schlagerbusiness?

Marshall: Na klar. Mit Bata Illic ist es eine tiefe, ehrliche Freundschaft. Wir kennen uns seit 45 Jahren. Das ist ein lieber Kollege, f√§llt nie auf und war mir gegen√ľber immer loyal, so wie ich ihm gegen√ľber. Der hat auch heute noch Riesenerfolg. (singt) Du bist alles f√ľr mich, denn ich liebe nur dich, Michaela.

Die Michaela ist im Grunde Bata Illics Schöne Maid.

Marshall: Ja, genau. Stellen Sie sich vor, es g√§be diese Musik nicht mehr, das w√§re eine √Ėde.

Und sie wird auch von Jugendlichen in Diskotheken gehört.

Marshall: Und die werden ja auch √§lter (lacht). Nach dem Malochen wollen die auch beim Bier entspannen. Im Festzelt kommen dann Michaela und Sch√∂ne Maid und die ganzen Hits. Jeder kann mitsingen, jeder hat gute Laune. Die Presse schreibt schon genug √ľber die furchtbaren Dinge in der Welt, die muss man dann nicht noch besingen. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen von den grausamen Dingen abzulenken.

Hätten Sie gedacht, dass Schlager noch mal so beliebt wird?

Marshall: Der deutsche Schlager ist nicht totzukriegen. Auch wenn wir im Ausland √ľberhaupt nicht ber√ľcksichtigt werden.

Sie sind fr√ľher aber auch durch andere L√§nder getourt.

Marshall: Ja, sicher. Ich war auf der ganzen Welt zuhause. Da habe ich dann vor Menschen gesungen, die in den 1950er Jahren ausgewandert sind, nach Kanada zum Beispiel.

Oder Bora Bora. Dort sind Sie Ehrenb√ľrger. Warum haben Sie f√ľr Ihre neue CD ein zweites Bora-Bora-Lied aufgenommen?

Marshall: Als Dankeschön an die Menschen, die dort zuhause sind.

Ist es dort immer noch so sch√∂n wie vor 30 Jahren, als Sie zum ersten Mal √ľber die Insel in der S√ľdsee gesungen haben?

Marshall: Ein Traum, es wird immer sch√∂ner. Je √§lter ich werde, desto sch√∂ner wird es. (lacht) Dort finde ich die absolute Ruhe, liebenswerte Menschen. Wenn ich am Flughafen ankomme, werde ich nett begr√ľ√üt, die sind alle sehr herzlich. Jede Marktfrau h√§ngt mir eine Muschelkette um. Ich gehe dann gebeugt ins Hotel, so schwer ist das. (lacht)

Wenn Sie schon auf Bora Bora nicht mehr richtig privat sein können, weil Sie jeder erkennt, können Sie das denn in Deutschland?

Marshall: Eigentlich schon. Es sollen ja 98 Prozent der Deutschen sein, die mich kennen. Das glaube ich zwar nicht mehr. Aber manchmal ist es schon erstaunlich. Wenn ich irgendwo sitze und meine dicke Brille trage, da kommen auch Junge zu mir und sagen: ‹Hey Tony, wie geht’s?› Oder Leute winken √ľber die Stra√üe. Da frage ich mich, wie erkennen die mich √ľberhaupt? Ich glaube, die riechen mich. (lacht)

Das liegt also am speziellen Tony-Marshall-Duft. Wie riecht der denn?

Marshall: Leicht s√ľ√ülich, m√§nnlich-herb. (lacht)

Lesen Sie auf Seite 3, warum Tony Marshall mit 72 Jahren noch modern und jung ist

In der Information zu Ihrer neuen CD steht «Ein optimaler Mix aus modern und jung». Warum m√ľssen Sie mit 72 Jahren noch modern und jung sein?

Marshall: Das ist mein Antrieb. Ich habe die Pumpe, die alles am Leben erh√§lt und ich habe scheinbar noch so ein Organ, das mich treibt. Ich werde nicht m√ľde und wenn ich mich kaputt f√ľhle, dann trinke ich ein Glas von meinem eigenen Rotwein Hex vom Dasenstein, das baut mich wieder auf und dann geht’s weiter. Denn irgendwann h√∂rt's ja auf, das wissen wir alle.

Aber Sie machen weiter bis zum Schluss ...

Marshall: Auf der B√ľhne will ich mich verabschieden von meinem Publikum, nur nicht im Bett oder in der Klinik. Am liebsten w√ľrde ich mich aufl√∂sen, auf der B√ľhne beim Schlussapplaus und dann kommt noch ein bisschen Glitzerlametta. Das war der Tony dann.

Ihre Platte hei√üt Tony 2010. Was w√ľrde der Tony Marshall von heute dem von vor 56 Jahren raten?

Marshall: Ich w√ľrde sagen: Junge, du hast alles richtig gemacht. Ich h√§tte nichts anders machen k√∂nnen oder wollen. Geh raus und bring die Menschen zum Lachen. Ich habe diesen Ur-Instinkt in mir. Ich mag alle Menschen, die mich m√∂gen. Um b√∂se Menschen mache ich einen Riesenbogen. Ich habe meine Eltern und meine Geschwister geliebt. Ich liebe meine Familie. Am Ende wei√ü ich: Es war traumhaft sch√∂n. Ich habe ja auch Gl√ľck gehabt in meinem Leben. Dass ich in Baden-Baden geboren bin, da fielen keine Bomben im Zweiten Weltkrieg. Das Schicksal mit unserer Tochter damals 1979 hat mich gepr√§gt und auch ver√§ndert. Ich glaube an die Natur und wenn die Natur Gott ist, dann glaube ich auch an den lieben Gott. Nur nicht an so einen alten Sack, der da irgendwo sitzt und die Geschicke des Universums lenkt. Ich bin kein schlechter Mensch, soviel Ego habe ich.

Sind Sie sich auch immer selbst treu geblieben?

Marshall: Absolut. Obwohl es in der Operette heißt (singt): Treu sein, das kann ich nicht. (lacht)

Haben Sie in Ihrem Leben alles erreicht, was Sie wollten?

Marshall: Alles, alles. Wenn ich √ľberlege, dass ich heute noch Mozartopern singe. Es ist unglaublich, mit 72 Jahren. (lacht) Ich bin noch fit. Das hat auch viel mit dem Lachen zu tun, das ist das Ges√ľndeste. Wenn Menschen so lachen w√ľrden wie Sie und ich, dann h√§tte die Pharmaindustrie wenig zu tun.

Und dann noch einen Apfel am Tag ...

Marshall: Aber nicht den vom Baum der Versuchung. (lacht)

Tony Marshall hei√üt eigentlich Herbert Anton Hilger und wurde 1938 in Baden-Baden geboren. Er ist seit den 1970er Jahren einer der bekanntesten deutschen Schlagers√§nger. Mit Sch√∂ne Maid, Bora Bora und Auf der Stra√üe nach S√ľden landete er gro√üe Hits. Auf seiner neuen CD Tony 2010 vereint er Neuaufnahmen von alten Hits mit Neukompositionen. Er lebt mit seiner Frau in Baden-Baden.

Interpret: Tony Marshall
Titel: Tony 2010
Plattenfirma: Sony BMG
Erscheinungsdatum: 23. Juli 2010

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2 Kommentare
  • Ellipirelli

    28.07.2011 00:36

    Ich kann es auch nicht verstehen und es widert mich zutiefst an,da√ü solche alten,wirklich alten Gockel einfach nie wissen,wann es genug ist.Die hatten ihre Zeit,aber sie haben nie begriffen,wann der Zenit √ľberschritten war..Solche alten Schlager-Heinis wirken auf mich,wie ein √ľberreifer Harzer K√§se,der schon F√ľsse bekommen hat..Und genauso eklig ist auch das unw√ľrdige Herumgehopse der Schlager-Rentner-Brigade.WER WILL SOWAS WIRKLICH????????

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  • Hartmuth M√∂hse

    21.07.2010 15:31

    Klasse diese Zwangsjugendlichen, nicht war? Mal ehrlich, ich kann diese "Herren" mit ihrer Zwangsneurose nicht mehr ertragen. Ich schalte ab!

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