So., 27.05.12

Zwischen Zelten 19.07.2010 Geheim, spontan und wild

Feierei (Foto)
Schluck den Druck live auf dem Melt-Zeltplatz. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger

Vor allem die verrückten Sachen bleiben einem im Gedächtnis. Mit einem wilden Konzert auf dem Campingplatz erinnerte eine Berliner Party-Elektroband an eine goldene Regel des Musikbusiness: Vor allem mit Mundpropaganda kommen junge Bands voran.

Es ist Juni 2004, das Festival Rock am Ring ist wieder einmal der heilige Gral für abertausende Konzertgänger. Die Red Hot Chili Peppers liefern auf der Hauptbühne eine grandiose Show. Die Fans strömen danach zurück zu ihren Zelten. Am Haupteingang kommt es aber zu tumultartigen Szenen: auf der Ladefläche eines Lasters rocken die Toten Hosen. Das Geheimkonzert ist kurz, aber für die, die da waren unvergesslich.

Juli 2010, das Melt-Festival zieht mehr als 20.000 Besucher ins östliche Sachen-Anhalt. Der zweite Festival-Tag ist in vollem Gange. Rund zwei Kilometer sind es vom Campingplatz bis zur Hauptbühne. Doch die Party geht hier, mitten auf einem abgeernteten Getreidefeld. Zwei Jungs der Berliner Elektro-Kombo Schluck den Druck rocken zwischen 200 bis 300 jungen Leuten, die durch Mundpropaganda oder ganz zeitgemäß über Facebook-Nachrichten auf die Sause hingewiesen wurden.

Das geplante Spontankonzert zeigt, dass es ein langer Weg bis auf die große Bühne ist. Aber eben auch, dass dieser Weg zu Beginn noch Spaß machen kann. Die Boxen haben die Jungs mit Einkaufswagen über das Stoppelfeld bugsiert, mit professionellen drahtlosen Mikros wird der Feiermeute eingeheizt, der DJ sorgt einige Meter weiter an seinen ebenfalls mitgeschleppten Mini-Pult für den knarzenden Elektrobeat. So nah kommt man den Künstlern normalerweise nicht, einige Acts wie beispielsweise Deichkind haben in den vergangenen Jahren aber den Grundstein für diese Art des Party-Elektro mit viel Körperkontakt gelegt. Während Bonaparte ihre Show weitgehend zum Angucken machten, ist hier Nähe Programm.

Und das Konzert ist zugleich die gegenläufige Bewegung zu den Versuchen der Mobilfunkanbieter, Radiostationen und Biermischgetränkehersteller, bekannte Künstler für viel Geld auf kleine Bühnen zu stellen, um den Fans und Kunden ein einmaliges Erlebnis zu bieten. Die inszenierte Intimität soll dort den Konsum ankurbeln, hier auf dem Campingplatz bei Gräfenhainichen macht eine junge Band einen von vielen Karriereschritte. Die besagte Karriere ist derweil recht ordentlich angelaufen, beim Elektrofestival SonneMondundSterne stehen sie jedenfalls ganz gediegen auf der Liste der auftretenden Künstler. Was ein Konzert auf dem Campingplatz ja auch nicht unbedingt ausschließen muss.

Melt
Feiern auf dem Zeltplatz
Video: news.de

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