Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Daniel will seinen Vater würdevoll beerdigen. Ein einfacher Plan. Doch bei dieser Familie ein schier unmögliches Unternehmen. Regisseur Frank Oz macht aus einer Beerdigung in Sterben für Anfänger eine herrliche Farce. Inklusive Drogentrip und Erpressung.
Beerdigungen sind per Definition eigentlich keine lustigen Veranstaltungen. Um so besser eignen sie sich, um als Schauplatz für eine brüllkomische Komödie herzuhalten. Bei kaum einem anderen Anlass bringen Fehltritte und Fettnäpfchen ein solches Potenzial zum Fremdschämen mit sich. Die groteske Begräbniskomödie Sterben für Anfänger, die im Rahmen des ARD-Sommerkinos ausgestrahlt wird, macht sich dies zunutze und liefert trotz minimaler Handlung, plätscherndem Erzählton und kaum vorhandenem Budget ein wahres Gag-Feuerwerk.
Daniel will seinem verstorbenen Vater eine würdevolle Trauerfeier bieten. Doch jeder macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Zuerst bringt das Bestattungsinstitut den falschen Leichnam. Seine Frau Jane nervt ihn mit dem Kauf einer Wohnung, sein erfolgreicher Schriftsteller-Bruder Robert erntet die Bewunderung aller, mag sich aber nicht an den Beerdigungskosten beteiligen, Martha wird von Justin angebaggert, während ihr übernervöser Verlobter Simon (herrlich: der immer noch völlig unterschätzte Alan Tudyk) auf versehentlichem Drogentrip nackt übers Dach klettert. Der misanthropische und an den Rollstuhl gebundene Onkel Alfie quält währendessen den Rest der Verwandtschaft und sorgt für eklige Unfälle auf der Toilette.
Es könnte kaum schlimmer kommen. Denkt Daniel. Doch falsch gedacht. Da ist auch noch der kleinwüchsige Peter (Peter Dinklage), der behauptet mit Daniels Erzeuger eine wilde Affäre gehabt zu haben. Die Fotos sprechen für sich. Der Versuch, ihn zum Schweigen zu bringen, verläuft auch nicht gerade optimal.
Armer Daniel. Immer wieder versucht der von Matthew MacFadyen so herrlich stoisch leidend gespielte Brite die Veranstaltung wieder auf das langweilig-würdevolle Niveau zurückzubringen, das er geplant hatte. Rede auf Karteikärtchen, Kuchen und Häppchen inklusive. Eine schier unmögliche Aufgabe bei dieser dysfunktionalen Familie.
Regisseur Frank Oz, der berühmt dafür ist, im englischen Original Jedi-Meister Yoda und verschiedenen Figuren der Muppets – etwa Miss Piggy – seine Stimme geliehen zu haben, hat mit seiner 14. Regiearbeit Sterben für Anfänger bewiesen, dass er so viel mehr kann als nur seine Stimme verstellen. Der Fantasiestreifen Der dunkle Kristall, die Schwulenkomöide In & Out sowie sowie der Heist-Thriller The Score gehören ebenfalls zu seinem Repertoire.
Doch Sterben für Anfänger, Oz' erster Low-Budget-Film, ist sein bisher charmantester und witzigster Film geworden. Leider diente er auch als Vorlage für ein amerikanisches Remake (erscheint in Deutschland im November 2010 auf DVD), das um Längen alberner ausfiel und von dem grotesk trockenem britischen Humor nur noch Slapstick übrig ließ.
Sterben für Anfänger, 22. Juli, 23 Uhr, Das Erste.
car/reu/news.de