Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Für 50 Cent Klatsch und Tratsch: Chatter ist das neueste Print-Baby aus dem Hause Burda. Für den Kampfpreis gibt es meist Oberflächliches. Trotzdem weiß das «Weekly» stellenweise zu überzeugen. News.de hat Chatter mal gecheckt.
Der Burda-Verlag kündigt Chatter als «schnell, smart und stylisch» an. Eine aktuelle und emotionale Berichterstattung soll die Leserinnen zwischen 18 und 50 begeistern. Urban sollen sie auch noch sein. Kurzum: Alle hippen Trendsetterinnen, die sich nicht als Landeier verstehen und den Unterschied zwischen Paris Hilton und Perez Hilton kennen, sollen das People-Magazin kaufen. Damit das Vorhaben gelingt, hat Burda den Preis zum Totschlag-Argument ausgerufen: Für ganze 50 Cent ist Chatter erhältlich. Den halben Euro kann sich auch ein 16-jähriges Girlie vom Taschengeld abknapsen.
Zwitterheft
Damit sich dieser Kampfpreis rechnet, verzichtet Burda auf die Verwendung von Hochglanzpapier. Gedruckt sind die Promi-News auf Zeitungspapier. Der Billig-Touch ist damit zwangsläufig einkalkuliert und weist auch auf die zu erwartende Qualität der Informationen hin – eher schnell als stylisch. Für den Glamour-Faktor sorgt die 12-seitige Einlage Star Style Weekly. Diese widmet sich ausnahmslos dem Styling der Stars und spart nicht mit Einkaufstipps, um dem Look der Promis nachzueifern. Star Style Weekly fungiert als Anzeigenmarkt für branchennahe Unternehmen. Zusammen mit Chatter ergibt das laut Burda ein neuartiges Konzept namens «Hybrid-Magazin».
Welche Quellen?
Chatter preist «fundierte Texte» an. Das ist eher selten der Fall. Quellen werden häufig gar nicht erst angegeben und wenn, dann handelt es sich um eine namentlich nicht genannte «Freundin» oder einen unbekannten «Beobachter». Genaueres weiß man also nicht. Trotzdem: Die 50 Cent sind kein rausgeschmissenes Kleingeld. Zwar besteht das Gros der Texte aus Informationen, die weder neu noch knallhart recherchiert sind, doch ist das bei der Print-Konkurrenz meist auch nicht anders, nur eben teurer. Chatter bewegt sich an der Oberfläche mit oberflächlicher Leichtigkeit.
Amüsante Nachstyle-Tipps
Neben dem üblichen Einerlei aus Beziehungsstress, Jo-Jo-Effekten nach der x-ten Diät und diversen Ratgeber-Tipps fallen zwei unterhaltsame Merkmale bei Chatter ins Auge. Amüsante Nachstyle-Tipps lockern die meist schon bekannten Fotos auf und machen vor keiner Schamgrenze halt. Victoria «Posh Spice» kurz vor dem Kollaps auf einem französichen Flughafen abgelichtet – egal, ihr Kleid wird in einem kleinen Fenster zum Nachstylen empfohlen. Oder Problem-Mensch Lindsay Lohan: Auf einem ungünstigen Schnappschuss hält sie eine Plastiktüte in der Hand. Prompt gibt es die als Nachstyle-Tipp plus Preisangabe (0,20 Euro). Hier beweisen die Macher um Chefredakteur Boris Hächler tatsächlich Humor.
Gelungen ist auch die Rubrik «Unzensiert», die die weniger vorteilhaften Seiten der Stars schonungslos ausweidet. Damit auch ja keine Falte oder Speckrolle übersehen wird, dienen Pfeile in Richtung «Corpus Delicti» zur besseren Orientierung.
Hochgesteckte Verlagsziele
Chatter wird in jedem Fall den Print-Markt durcheinanderwirbeln. Der Verlag verspricht eine Auflage von 500.000 Exemplaren. Ein hoch gestecktes Ziel, verfügt das gesamte People-Magazin-Segment doch «nur» über eine Gesamtauflage von einer Million Exemplare. Ob das Tabloid zum Erfolg wird, hängt in erster Linie davon ab, ob sich die Kundschaft vom Billig-Image anziehen oder abschrecken lässt. Das Magazin ist billig und berichtet oberflächlich über eine aufgeblasene Branche. Chatter macht das aber auf unterhaltsame Weise und zu einem unschlagbaren Preis.
juz/ruk/news.de
Wieder mal ein "Ding", das die Welt NICHT braucht. Es gibt ja noch nicht genug Billig-Tratsch. ....
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