So., 27.05.12

Laiendarsteller im TV 19.07.2010 Willige Billigjobber

Katia Saalfrank (Foto)
Wer sich die Super Nanny (Katia Saalfrank) ins Haus holt, bekommt einiges an Geld, muss aber auch kräftige Nerven haben. Bild: news.de-Archiv

Von news.de-Redakteurin Nadine Fasshauer

Einmal ganz groß rauskommen, im Fernsehen entdeckt werden und das große Geld verdienen: Wer an einer Dokusoap oder einer Pseudo-Reality-Show teilnimmt, hat oft einen verklärten Blick auf die Wirklichkeit. Dennoch gibt es bereitwillige Kandidaten.

Das Internet ist voller Aufrufe von Castingagenturen. Hier wird von der Familie mit spannendem Lebenslauf, Statisten für einen Krimi oder angehenden Brautpaaren eigentlich alle und alles gesucht. Wobei die Teilnehmer nicht kamerascheu oder schüchtern sein sollten.

Für Dokusoaps à la We are Family oder Frauentausch gilt: Man sollte eine außergewöhnliche, abgedrehte und spannende Geschichte erzählen oder sich eine ausdenken und darstellen können. Oft gehen die Geschichten über ein normales Maß und dem, was ein durchschnittlicher Mensch innerhalb seines Lebens erleben würde, deutlich hinaus. Eine Suchanzeige der Agentur Castingpartner liest sich dann auch wie ein schlechter Comedy-Beitrag:

«Familienstreit, ein brennender Tannenbaum, ein schrecklicher Unfall, Stromausfall, katastrophale Wetterverhältnisse oder eine Naturkatastrophe machten das Fest zur Hölle. Ihr Keller stand unter Wasser, es gab keine Geschenke oder Sie mussten Heiligabend auf der Autobahn im Stau verbringen? Der Restaurantbesuch endete im Gefängnis oder berufliche Weihnachtsfeiern lösten Fremdschämen aus?»

Man kann sich ungefähr vorstellen, wie die etwaige Dokusoap dazu aussieht. Dem Fernsehzuschauer wird zwar vorgegaukelt, dass die Kamera bei diesen Skurrilitäten rein zufällig dabei war. Pseudo-Dokusoap nennt man das heute. Da muss man als Laiendarsteller mit seinem Umzugskarton schon mal drei Mal ins Schlafzimmer und wieder hinauslaufen, bevor das richtige Bild im Kasten ist. Oder der Redakteur gibt den Text einfach vor, falls es am Set etwas zu wortkarg zugeht.

Der Aufwand ist gigantisch

Ganz umsonst lassen sich die meisten Darsteller nicht von einem Produktionsteam begleiten. Es gibt fast überall eine Aufwandsentschädigung. Nehmen wir als Beispiel Die Super Nanny mit Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank. Hier bekommt die teilnehmende Familie laut RTL 2000 Euro Entschädigung. Das hört sich erst einmal viel an. Allerdings hat man dafür zehn bis zwölf Tage lang ein dreiköpfiges Team in seiner Wohnung, das einem auf Schritt und Tritt folgt und gerade in besonders stressigen Situationen die Kamera draufhält.

Schon bevor dieses Team überhaupt auftaucht, muss man sich bewerben. Dies tun immerhin 1200 bis 2000 Familien jährlich. Etliche Telefonate und Treffen mit Redakteuren folgen, bevor die eigentlichen Dreharbeiten starten. Katia Saalfrank selbst ist nur sechs Tage in der Familie anwesend - zusammen mit drei weiteren Psychologen im Hintergrund. Insgesamt arbeiten ungefähr sieben Menschen an der Produktion vor Ort - wer sich nicht in der Wohnung aufhält, arbeitet im Wohnwagen vor dem Haus. So bekommen auch die Nachbarn mit, dass hier gerade Dreharbeiten stattfinden.

Von der eigenen Familiensituation kann sich später auch der Rest von Deutschland überzeugen. Das Drehmaterial von zwölf Tagen wird auf eine knapp einstündige Folge zusammengeschnitten - und verwendet wird natürlich nur das spektakuläre Material. Wer will schon Kinder sehen, die brav schlafen, wenn man prügelnde kleine Monster zeigen kann. Und so kommt es, dass die jeweilige Familie stadtbekannt wird. Von den 2000 Euro kann die Familie dann vielleicht in den Urlaub flüchten, um diesem Hype zu entkommen.

Wer dennoch davon träumt, einmal Darsteller in einer Fernsehsendung zu sein, sollte sich vorher gut überlegen, welche Konsequenzen diese Teilnahme für das Privatleben haben könnte. Die Gagen von 20 Euro für eine kleine Rolle bei Die Schulermittler oder 500 Euro für Unsere erste gemeinsame Wohnung stehen nicht im Verhältnis zu dem Arbeitsaufwand und dem Bekanntheitsgrad, den man dadurch erlangt. Viele Fernsehzuschauer können zwischen Realität und Fernsehwelt nicht unterscheiden: Wer einen prügelnden Schüler darstellt, sollte sich vor der Produktion bewusst sein, dass es vor der Mattscheibe Menschen gibt, die glauben, diese Szene sei echt.

ruk/ivb/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Manfred Huber
  • Kommentar 5
  • 22.07.2010 17:45
 

Nur die dümmsten Kälber- wählen ihren Metzger selber !

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  • Finkelstein
  • Kommentar 4
  • 19.07.2010 15:47
 

Oh nein Wagener, es ist schon Schwindel mit der Werbung für Laiendarsteller, a b e r normalerweise werden Bewerber eingeladen nach Briefbewerb.Auswahl und bekommen Unkosten dann erstattet und nicht dickste FLOCKEN von den Berwerbern! Das es hier um ABZOCKE geht liegt auf der Hand, aber die DUMMEN werden halt nicht aussterben! IDEEN MUSS MAN HABEN !!! Der deutsche Film ist sowieso was für'n Arsch - denn Casting und affektiertes Sprechen "kotzen" einem an!

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  • pythia2010
  • Kommentar 3
  • 19.07.2010 14:55
 

Die Sache mit dem ´Casting´ Das Giga-Geschäft durch den Wunsch der Jugend, endlich einmal groß aus der Masse Mensch herauszukommen, kann die Kasse der Eltern auf einen Schlag leeren, ohne daß es auch nur zu einer kleinen Film-Nebenrolle kommt. Im Internet findet sich unter mehreren Namen dieselbe Kassemachen-Castingfirma, die kostenlose individuelle Casting-Termine anbietet. Beim Termin im Hotel angekommen, heißt es dann: Wir nehmen Sie in unser Internet-Angebot auf. Das kostet 800 Euro für die Photos. Also, Menschenskinder, Vorsicht vor den menschlichen AusschlachterInnen.

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  • Brasilianer
  • Kommentar 2
  • 19.07.2010 14:15
 

Diese Dokusoap zeigen den Grad der Dekadenz in dem sich unsere Gesellschaft befindet,relativ hohe Einschaltquoten bezeugen dies,es ist schon erschreckend das die Fernsehproduzenten solchen Schwachsinn produzieren.

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  • W Wagener
  • Kommentar 1
  • 19.07.2010 13:01
 

Finde Einiges an der Kritik überzogen. Daß man sich erstmal bewerben muß, um überhaupt eingeladen zu werden, ist doch völlig normal. Es gibt ja auch noch diverse, nicht aufgezählte Sendungen ( Gerichtsshows, Kallwas, Verdachtsfälle u.ä. ), bei denen einfach nur Statisten gesucht werden, die mal durch's bild huschen, oder kleinere Sprechrollen haben. Bezahlt wird für diese Rollen in der Regel auch deutlich mehr als 20 €. Sicherlich gibt es aber auch Laiendarsteller, die sich maßlos überschätzen und sich zum Clown machen.

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