Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Nicht nur zwischen den Zeilen findet man in Büchern manchmal erstaunliches, auch zwischen den Seiten gibt es so manchen Schatz zu entdecken. Zumindest, wenn man Antiquar ist wie Michael Popek. Er stößt dort auf persönliche, lustige, herzzerreißende und merkwürdige Dinge. Und er zeigt sie uns.
In der Regel stolpern wir eher über unsere Surftipps, als dass wir gezielt danach suchen. Kontinuität ist in dieser Rubrik daher meist ein Fremdwort im doppelten Sinne, es sei denn, wir stolpern zweimal hintereinander über das selbe Thema. So wie heute. Vergangene Woche nämlich hatten wir Ihnen Anthony Denvers Fotoblog Bookshelf Porn vorgestellt, eine Seite voller Bücherregale für bibliophile Geister. Und nun das: Forgotten Bookmarks, ebenfalls ein Fotoblog, schaut genauer hin, nicht nur auf Regale und Bücher, sondern in sie hinein und zeigt uns, was Menschen so zwischen den Seiten vergessen.
Da finden sich Notizzettel und Visitenkarten, Briefe und Fotos, es finden sich Quittungen, Kochrezepte und Anfahrtsbeschreibungen, ein Sammelsurium eigentlich privater Dinge, die nun, oft Jahre oder Jahrzehnte später, durch Michael Popek an die Öffentlichkeit gelangen. Und der, es wundert kaum, betreibt im Städtchen Oneonta im US-Bundesstaat New York einen antiquarischen Buchladen. Doch Popek zeigt uns nicht nur, was er findet, er sucht auch die Geschichten hinter seinen Fundstücken – so gut es geht zumindest. Er entziffert Briefe oder sucht die Orte, an denen Fotos aufgenommen wurden, und manchmal entdeckt er sogar Geschichten, die etwas über ihn erzählen.
So wie bei unserem Lieblingsfundstück, einem Familienfoto, das er in einer Ausgabe von Hemmingways For Whom the Bell Tolls gefunden hat und das offenbar auf einer Erstkommunion aufgenommen wurde. Zunächst findet dieses Foto nur wenig Beachtung. Einen Tag später jedoch wird es zu einer echten Überraschung: Der Mann rechts oben nämlich kommt Popek irgendwie bekannt vor. Und als er bei seiner Mutter nachfragt, stellt sich heraus: Es ist sein Großvater. Gleich neben seiner Großmutter. Und einer Tante. Und einer Großtante. Und seinem Urgroßvater samt Urgroßmutter. Die ganze Familie ist da versammelt und der Junge, der Erstkommunion feiert, ist sein Vater.
Mit diesem und anderen Fundstücken beweist Popek, was er selbst über seinen Blog schreibt: Er zeige uns die persönlichen, lustigen, herzzerreißenden und merkwürdigen Dinge, die er in Büchern findet. Zwar sind die häufigsten Funde getrocknete Blätter, doch manchmal entdeckt er eben auch kleine Schätze. So wie sein eigenes Lieblingsfundstück: Ein Augenoptiker-Lesezeichen. Ein bisschen abgedroschen, wie er selbst zugibt, aber lustig. Und sogar einen guten Tipp hat er noch parat, für alle, die auch anfangen wollen, skurrile Lesezeichen zu sammeln: Koch- und Wörterbücher. In denen findet man offenbar am meisten.
naf/news.de