Von Torsten Landsberg
Auf dem Niveau von 1993 bewegen sich derzeit die deutschen Tageszeitungen. 2009 musste die Branche einen herben Einbruch beim Umsatz hinnehmen, bedingt vor allem durch sinkende Werbeeinnahmen. Kritik üben die Verleger an den Internetangeboten von ARD und ZDF.
Der Rückgang im Anzeigengeschäft der deutschen Tageszeitungen ist 2009 erwartet hoch ausgefallen. Die Einnahmen bei den Anzeigen lagen im vergangenen Jahr 15,9 Prozent unter denen des Vorjahres, wie der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin mitteilte. Dies entsprach einem Rückgang um rund 700 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz lag bei 8,46 Milliarden Euro. BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff bezeichnete 2009 als das bislang schwierigste Jahr in der Geschichte der Zeitungen.
Erstmals seit Jahren lagen die Vertriebsumsätze über denen aus dem Anzeigen- und Beilagengeschäft. Während 2008 rund 4,4 Milliarden Euro aus Anzeigen erlöst wurden, waren es 2009 3,9 Milliarden. Der Vertrieb stieg dagegen von 4,2 auf 4,3 Milliarden Euro an. «Wir bewegen uns hier auf dem Niveau von 1993», sagte der Leiter des Geschäftsbereichs Kommunikation und Multimedia, Hans-Joachim Fuhrmann. Die Auflagenentwicklung lag mit einem Minus von 2,5 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre.
«Öffentlich-rechtliche Zeitungen»
Wolff kritisierte, dass ARD und ZDF mit ihren Online-Nachrichtenangeboten tagesschau.de und heute.de den Verlagen Konkurrenz machten und die Einführung von Bezahlmodellen erschwerten, indem sie identische Inhalte kostenlos anböten. Die Nachrichten der Sender würden in einem zu großen Umfang vertextet, zudem gebe es nicht-sendungsbezogene Inhalte. «Das war vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen», sagte Wolff, der beide Angebote als «öffentlich-rechtliche Zeitungen» bezeichnete.
Neben der «existenziellen Bedeutung» von Bezahlinhalten bezeichnete Fuhrmann die Entwicklungen um das iPad und andere mobile Lesegeräte, sogenannte Tablets, als zukunftsweisend. «Wir sind hier erst am Anfang.» Es werde Geräte geben, die günstiger und in sich weniger geschlossen seien als das Apple-Produkt. «Apple ist für uns nicht das Zukunftsmodell.»
Es sei zudem denkbar, dass sich Verlage zusammenschließen, um eine eigene Plattform für den Vertrieb der Abos zu gründen, sagte Fuhrmann. Dabei sei entscheidend, dass die Verlage - anders als bei Apples Gerät - den direkten Kontakt zu den Kunden sowie die Hoheit über die Inhalte behielten. Apple hatte etwa eine iPhone-Applikation von stern.de gelöscht, weil es in den Bilderstrecken zu viel nackte Haut gab. In den USA steht politische und religiöse Satire bei dem Hard- und Software-Unternehmen auf dem Index.
Kein Goldregen erwartet
Er sei überzeugt, dass sich die klassischen Geschäftsmodelle wie Abonnements und Anzeigengeschäft auf die Tablets übertragen ließen, sagte Fuhrmann. Zudem sei beim Paid Content im Internet der «treue, loyale Nutzer bereit, für gute Inhalte zu zahlen». Die Verlage erwarteten hier «keinen Goldregen», rechneten aber damit, in zehn Jahren 50 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Onlinesegment zu beziehen.
Während der BDZV von der Politik im vergangenen Jahr offensiv eine Abschaffung der Mehrwertsteuer für den Zeitungsverkauf forderte, sind die Erwartungen inzwischen bescheidener: «Wir vertrauen darauf, dass das Produkt nicht von Staats wegen teurer wird», sagte Wolff und verlangte, die derzeitige Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent nicht zu erhöhen.
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