Exit in Novi Sad Mit Musik nach Europa

Exitfestival (Foto)
Die Dance-Arena auf dem Exitfest - eine von insgesamt 13 Bühnen. Bild: Exitfest, I. Puskaveric

Von news.de-Redakteur Christian Mathea, Novi Sad
Einst als Protestbewegung gegen das Milosevic-Regime gestartet, ist aus dem Exitfestival mittlerweile das größte Musikfestival Osteuropas geworden. Was das Exit heute für Serbien bedeutet.

Es ist elf Jahre her, dass Natobomber den Krieg ins serbische Kernland gebracht haben und die Brücken von Novi Sad zerstörten. Die Angriffe begründete die Nato mit Menschenrechtsverletzungen der jugoslawischen Armee gegen die Zivilbevölkerung in der mehrheitlich von Albanern besiedelten serbischen Provinz Kosovo.

Nach dem Ende dieses Kriegs fand das Exitfestival zum ersten Mal statt. Studenten aus Novi Sad wollten ein Zeichen des Protests gegen den serbischen Nationalisten Slobodan Milosevic setzen, der damals das Land von der 100 Kilometer entfernten Hauptstadt Belgrad regierte. Die jungen Menschen versammelten sich am Donauufer gegenüber der alten Burg Petrovaradin, um gemeinsam Musik zu hören, Filme zu sehen und an Diskussionen teilzunehmen. Mit diesem ersten ExitfestivalDer Name Exit stand damals für die Flucht aus dem Milosevic-Regime. wollten sie zeigen, dass es auch ein weltoffenes Serbien gibt.

Exitfestival
Serbiens Tor zur Welt

Dass aus dem ersten Exit einmal das größte Musikfestival Osteuropas heranwachsen würde, habe sich damals niemand vorstellen können, sagt Marija Jocic zu news.de. Die heute 29-Jährige gehörte 1999 zu den ersten Besuchern des Festivals und ist heute eine Mitorganisatorin und PR-Managerin. «Schon damals gab es aber den Wunsch, einmal auf der Burg ein Festival zu organisieren», sagt sie.

Von einer politischen Bewegung zum Musikfestival

Dieser Wunsch ging bereits ein Jahr später in Erfüllung. Seitdem wuchs das Exit, und sein Ruf hallte weit über die Grenzen Serbiens hinaus. Mittlerweile sollen es laut Veranstalter mehr als 200.000 Besucher sein, die jedes Jahr Anfang Juli vier Tage lang auf der alten Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert feiern.

Für Novi Sad ist das Musikfest ein Magnet, um in das ansonsten vom Tourismus wenig verwöhnte Serbien zahlreiche Gäste aus der ganzen Welt zu locken. Und das weiß man schon an der Grenze. Nicht selten fragen die Zöllner Einreisende: «Zum Exit?».

Für die meisten Künstler ist das Festival sicher eines unter vielen. In diesem Jahr wurden Superstars wie Missy Elliot, Placebo und Chemical Brothers auf die Burg gekarrt. Sie spielten professionell ihr ein bis zwei Stunden-Set herunter und riefen im besten Falle noch ins Mikrophon: «Serbia, make some noise!» Und Serbia machte kräftig noize (Lärm). Gareth McGrillen, Bassist von Pendulum, schrieb nach seinem Konzert: «Just came off stage exit best show we've had in ages!».

Was das Exit für die serbische Jugend bedeutet

Für die serbische Jugend ist das Festival mehr als ein Musikfest. «Mit dem Exitfest haben wir vier Tage lang die ganze Welt bei uns zu Gast, das ist gutes Gefühl», sagt die Tourismus-Studentin Sezana aus Novi Sad. Sie arbeitet gemeinsam mit 600 weiteren Jugendlichen als Volunteer auf dem Festival und erklärt Gästen im Eingangsbereich zur Burg, welche Bands wo und wann spielen.

Auch für die Wirtschaftsstudentin Kristina aus Belgrad ist das Festival wichtig. «Das Exit ist eine Zeit, in der Menschen miteinander feiern, egal aus welchem Land und welcher Religion sie angehören.» Ihr Land habe im Ausland nicht gerade den besten Ruf, sagt sie. Aber das sei falsch, die Menschen hier seien liebenswert und gastfreundlich.

An den Kosovokrieg könne sie sich kaum erinnern. «Damals war ich zu klein, und meine Eltern haben mir nicht so viel darüber erzählt.» Sie wisse aber, dass es die Serben, die jetzt noch im Kosovo leben, sehr schwer haben und beschützt werden müssen. Ansonsten interessiert der Kosovo keinen mehr, wir wollen verreisen und die Welt kennenlernen, und das ist jetzt möglich», sagt sie.

Tiko, der in einer Zementfabrik in Novi Sad arbeitet, kann sich indes noch an die Bomben erinnern. «Es war gerade an meinem Geburtstag, als die Brücken zerstört wurden», sagt der 25-Jährige. Er sei damals mit seinen Eltern vor die Grenzen der Stadt gefahren. Bis heute könne er nicht verstehen, warum die Nato seine Stadt angegriffen hat. «Die amerikanischen Menschen sind gute Leute, aber die Clinton-Politik war schlecht.»

Auch für ihn spielt der Kosovo ebenso wie Monte Negro keine Rolle mehr. «Kosovo, Monte Negro, da will doch keiner hin. Die ganze Geschichte mit Jugoslawien ist Vergangenheit. Wir sind jetzt Serbien, und wir wollen nach Europa.» 

news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • sdwuvklhd
  • Kommentar 1
  • 13.07.2010 23:38

"Kosovo, Monte Negro, da will doch keiner hin. Die ganze Geschichte mit Jugoslawien ist Vergangenheit. Wir sind jetzt Serbien, und wir wollen nach Europa." Kosovo & Metochien ist Serbien. Subtil, subtil.

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