Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Der letzte Bulle macht's möglich. Sat.1 holt drei spielfilmlange, noch nicht gezeigte Folgen der Krimireihe Mit Herz und Handschellen aus dem Archiv. Wiedersehen macht Freude mit dem Ermittlerduo Elena Uhlig und Henning Baum.
Nina Metz (Elena Uhlig) und Leo Kraft (Henning Baum) können einfach nicht ohne einander: «Das war eigentlich vom ersten Moment an klar - schon während des Castings. Elena und ich wussten, dass wir das nur zusammen machen wollen. Und wir wussten, dass es auch funktionieren würde», sagt Baum über seine Rolle in der Krimi-Reihe Mit Herz und Handschellen.
Ab dem 14. Juli ermittelt das unkonventionelle und gegensätzliche Paar wieder in drei spielfilmlangen Folgen in Sat.1: Es spürt den Täter auf, wenn ein Fahrradfahrer rücksichtslos von einer Brücke gestoßen wird, es ist an Ort und Stelle, wenn ein Hauswart vom Dach stürzt oder ein Pressefotograf ermordet wird. Wer steckt hinter den unzähligen Morden? Und gesteht Nina endlich Leo ihre Gefühle?
Die Antworten auf diese Fragen geben Szenen, die bereits 2005 und 2006 abgedreht wurden und seitdem im Archiv des Münchner Privatsenders ruhten. «Privatvermögen» werden solche fertig produzierten Fernsehsendungen in der Branchensprache genannt. Deren Wert ist ähnlich marktabhängig wie der einer Aktie. Und wie im Börsengeschäft lassen Sender während der Zeit einer Quoten-Baisse ihr TV-Portfolio ruhen.
Als Mit Herz und Handschellen mit einem Pilotfilm im Herbst 2002 und schließlich ein Jahr später mit der ersten Staffel auf Sendung ging, fuhr Sat.1 damit fantastische Quoten ein. Konsequenterweise wurde eine zweite Staffel in Auftrag gegeben, die allerdings erst zwei Jahre später ausgestrahlt wurde. Und da der TV-Zuschauer vergesslich ist, kam die zweite Runde auf lediglich rund 10 Prozent Marktanteil und war damit kein Hit mehr für Sat.1. Zwar präsentierte der Sender im Februar 2006 noch einen Spielfilm mit dem Duo Uhlig/Baum, aber auch nur mit mäßigem Zuschauer-Interesse. Drei fertig produzierte Folgen ließen die Programmmacher daher lieber in der Schublade liegen.
Mehr als vier Jahre später schickt Sat.1 die drei Folgen auf Sendung. Warum ausgerechnet jetzt? Ausschlaggebend dürfte der Quotenerfolg der jüngsten Eigenproduktionen Der letzte Bulle und Danni Lowinski sein. In Der letzte Bulle hat Henning Baum ebenfalls die Hauptrolle übernommen und sich in die Herzen der Zuschauer gespielt.
Tatsächlich macht das Wiedersehen mit den Ermittlern Metz und Kraft auch Freude, wenngleich ein Retro-Gefühl mitschwingt. Denn 2002 wirkte die Krimi-Konstellation «schwuler Bulle, schicke Schnitte» noch frisch und locker. Inzwischen hat das TV-Publikum eine ganze Reihe ungewöhnlicher Paarungen in Krimi-Serien erlebt. Zudem wirken die 90-Minuten-Folgen sehr langatmig.
So dauert es auffallend lange, bis die beiden Kommissare in der Folge Fünf Freunde das Muster einer Mordserie an einer Freundesclique erkannt haben. Zudem stehen Karriere-Entscheidungen an: Die Leitung des Morddezernats ist vakant, und nachdem Leo Kraft den Posten ablehnt, nutzt Nina Metz die Chance und schnappt sich den Job. Daraufhin mutiert sie zur gestrengen Vorgesetzten und gestressten Karrierefrau. Diese Entwicklung gefällt dem einfühlsamen Leo natürlich gar nicht.
Zuschauern, die Henning Baum regelmäßig in Der letzte Bulle sehen, wo der Schauspieler ein chauvinistisches Fossil gibt, dürfte es schwer fallen, sich an den schwulen Softie aus Mit Herz und Handschellen zu gewöhnen. Gut möglich, dass Baums Doppelpräsenz eher kontraproduktiv als erfolgsfördernd ist. Aber selbst das würde Sat.1 im Sommerloch wenig schaden. Es gibt nämlich einen Zeitpunkt, an dem das Programmvermögen ausgestrahlt werden muss, damit es nicht weiter die Bilanzen belastet. «Hauptsache weg» lautet die Parole dieses Moments.
Mit Herz und Handschellen, Folge Fünf Freunde, 14. Juli; Folge Todfeinde, 21. Juli;
Folge Der falsche Freund, 28. Juli, jeweils 20.15 Uhr, Sat.1.
reu/news.de
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