Von den news.de-Redakteurinnen Corina Broßmann & Nadine Faßhauer
News.de hat das Münchener Trio Fertig, Los! getroffen. Die drei plauderten über ihre Belastung als Newcomer-Band, die nebenbei noch studieren muss, über transsylvanische Einflüsse in ihrer Musik und über Lena Meyer-Landrut.
Beschreibt eure Musik in drei Worten
Philipp Leu: Retro, Future, Pop.
Und euch selbst?
Philipp: Mode und Verzweiflung. Glitzernd, aber mit einem Augenzwinkern.
Mit welcher deutschen Band dürfte man euch vergleichen und würde euch damit schmeicheln, mit welcher überhaupt nicht?
Philipp: Vergleichen lassen würden wir uns gern mit Kraftwerk. Gar nicht gehen zum Beispiel die Böhsen Onkelz.
Wird euch oft vorgeworfen, dass ihr kommerzieller werdet, um mehr Erfolg zu haben?
Philipp: Nein, wir werden nur schöner.
Warum hat Pop einen so schlechten Ruf? Kann Popmusik ehrlich und tiefgründig sein?
Philipp: Popmusik kommt oft billig daher mit sehr leicht zu durchschauenden Mechanismen. Ich denke, daran liegt das mit dem schlechten Ruf. Ich bin mir aber sicher, dass es auch einen anderen Weg gibt. Wir haben uns schließlich selbstbewusst auf die Reise in die Popmusik begeben. Es wird aber noch lange dauern, bis Popmusik wieder da ist, wo sie in den 60ern war.
Wo kauft ihr gern Klamotten?
Philipp: Am liebsten auf dem Flohmarkt, da gibt es oft super günstige, ausgefallene Sachen und die hat dann auch sonst wirklich keiner.
Wer ist eure größte musikalische, wer eure größte modische Inspiration?
Philipp: Musikalisch die 90er in ihrer vollen Breite, von Roxette bis Haddaway. Modisch weiß ich gar nicht so genau. Wir schauen sehr viele Science-Fiction-Filme. Blade Runner vielleicht oder Star Wars, die haben einen guten Style.
Wie seid ihr so schnell nach dem Abitur zum Plattenvertrag gekommen?
Philipp: Das war Zufall, einer von der Plattenfirma hat uns spielen sehen und drei Monate später, nach einem gegenseitigen Beschnuppern, hatten wir den Vertrag im Briefkasten. So schnell kann es manchmal gehen.
Was studiert ihr?
Philipp: Ich studiere Kunstgeschichte, Julia Musik auf Lehramt und Flo Medizin.
Wie lässt sich das mit dem Tourleben vereinbaren?
Philipp: Es ist fast nicht zu vereinbaren. Wir drehen gerade alle ein wenig am Rad. Ich kann mich nicht mehr an den letzten freien Tag erinnern. Wir müssen halt viel am Schlaf sparen. Aber Schlafen ist sowieso langweilig. Ich hasse Müdewerden.
Der größte Unterschied zwischen Uni und Bühne?
Philipp: Der Rollentausch. Auf der Bühne müssen uns alle zuhören, in der Uni ist es andersrum.
Werdet ihr im Alltag schon oft erkannt?
Philipp: Es häuft sich, zum ersten Album war es noch nicht so viel. Aber jetzt nach dem zweiten hat sich da ganz schön was getan. Ich finde es ganz lustig, wie die Leute reagieren, aber sind immer sehr nett und meistens auch schüchtern.
Wie hat sich euer Privatleben verändert? Wie oft seid ihr noch zu Hause, seht eure Freunde und Familie?
Philipp: Privatleben ist leider gerade nicht vorhanden. Es ist sehr schwierig, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Wir sind nicht die großen Telefonierer und da verliert man sich schnell aus den Augen. Aber es ist schön, dass unsere Freunde uns immer wieder warmherzig aufnehmen, wenn wir zurück sind. Dann ist es so, als wäre man nie weg gewesen.
Wie hat euch Marc Liebscher, der Manager der Sportfreunde Stiller, entdeckt?
Philipp: Er hat in einem Münchner Lokalblatt eine Plattenkritik von unserer ersten, sehr schlechten selbst aufgenommenen EP gelesen und dann trotz der miserablen Aufnahmen Gefallen daran gefunden.
Ihr seid unter anderem schon mit Pink!, Silbermond und Wir sind Helden aufgetreten. Wer ist unkompliziert und wer hat die größten Starallüren?
Philipp: Von Pink! können wir leider nichts sagen, die hat sich den Vorbands nicht gezeigt. Silbermond und Wir sind Helden sind super nett. Starallüren haben die gar nicht. So muss es sein.
Was hat es mit dem transsylvanischen Einfluss auf euem zweiten Album auf sich?
Philipp: Mein Vater kommt von dort und ich spreche auch Rumänisch und fahre ab und an nach Transsylvanien. Das letzte Mal habe ich die Aufnahme von einem Mönchschor mitgebracht und die haben wir im neuen Album verarbeitet. Ich finde es schön, dass ein Teil meiner Heimat so seinen Weg in unsere Musik finden konnte.
Welche Tipps könnt ihr anderen jungen Bands geben?
Philipp: Nehmt so schnell wie möglich eine kleine CD auf und schickt sie rum.
Was hat Lena Meyer-Landrut richtig gemacht?
Philipp: Sie hat Kate Nash kopiert und die ist geil, da kann man nichts falsch machen.
Mit wem möchtet ihr unbedingt noch zusammenarbeiten?
Philipp: Ich würde gerne mal mit David Hasselhoff zusammen was machen, vielleicht ein Duett. Er ist mein großes Jugendidol und ich habe geweint, als KITT gestorben ist.
Euer neues Album heißt Pläne für die Zukunft - Welche habt ihr?
Philipp: Mein Plan: Relaxen! Ich freue mich auf den September, da habe ich zwei Wochen frei und fahre in die Sonne und mache einfach mal nichts.
Fertig, Los! ist eine dreiköpfige deutsche Popband aus München. Julia (23), Philipp (27) und Florian (27) haben mit Indie begonnen, wurden vom Sportfreunde-Stiller-Manager entdeckt und machen jetzt Glamour. Den aber mit persönlichen, ergreifenden Texten. Ein Stilmix, der sich nicht so ernst nimmt, dabei authentisch bleibt und vor allem Spaß macht. Mit ihrem neuen Album Pläne für die Zukunft stehen die Chancen auf den großen Durchbruch nicht schlecht.
brc/naf/news.de
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