Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Königliche Traumhochzeiten werden inszeniert wie ein Märchen. Bis es aber dazu kommt, wird die Liebe einem wahren Spießrutenlauf ausgesetzt. Die ZDF-Doku Königliche Hochzeit zeigt dies beispielhaft am niederländischen Königshaus.
Wenn zwei sich lieben – was gibt es dagegen schon einzuwenden? In Holland einiges, gerade am Hof: Besonderen Widerstand in der Bevölkerung erfährt man als potenzieller Ehepartner eines Mitglieds des Königshauses, wenn man Deutscher ist, insbesondere mit Nazi-Vergangenheit, als Katholik und als Bürgerlicher. Was sich abstrus anhört, bestätigen die Leidenswege der jüngsten Generationen an Thronfolgern des Hauses Oranien-Nassau.
Die ZDF-Doku Holland und die Macht der Harmonie aus der Reihe Königliche Hochzeit liefert einen detaillierten Einblick in Liebesbeziehungen gegen alle Widerstände. Das aktuellste Beispiel lieferte Thronfolger Prinz Willem-Alexander, als er genau vor zehn Jahren mit seinem Bekenntnis zu Máxima Zorreguieta das Land schockte – aber auch das Parlament, das jeder königlichen Eheschließung vorab sein Ja-Wort erteilen muss.
Máximas Fall ist bislang einmalig: Die Argentinierin ist bürgerlich und katholisch. Das können die aufgeschlossenen Holländer noch einigermaßen verschmerzen. Doch wenn es um Menschenrechte geht – gerade mit dem Sitz des Internationalen Gerichtshofes für Menschenrechte in Den Haag als Hintergrund - kennen sie keinen Spaß. Máximas Vater war der Auslöser: Jorge Zorreguieta war Landwirtschaftsminister während der Militär-Diktatur unter General Videla in den 1970er Jahren. Vehement bestreitet er, von Übergriffen, Verhaftungen und Tötungen an der Zivilbevölkerung etwas gewusst zu haben.
Und so eine soll an der Seite des Kronprinzen Holland repräsentieren? Doch der liebenswürdigen Argentinierin gelang es, die Herzen der Gegner mit Besonnenheit und ihrer Natürlichkeit zu gewinnen. Und ihrem Sprachtalent, so schnell akzentfrei Niederländisch zu lernen.
Doch dies war laut den ZDF-Redakteurinnen Ursula Nellessen und Annette Tewes nicht der einzige ausschlaggebende Faktor. Es half vor allem die ungemein große Liebe Willem-Alexanders, für seine Frau auf den Thron zu verzichten. Und die Entscheidung, dass Maximas Vater bei der Trauung nicht anwesend sein darf.
Was das Eis endgültig zum Schmelzen gebracht hatte, waren Máximas unkontrolliert vergossenen Tränen bei ihrer Hochzeit 2002. Während der Zeremonie und in Abwesenheit ihrer Familie wurde ein Tango des argentinischen Komponisten Piazzolla gespielt, der symbolisierte: Sie hat ihr früheres Leben zurückgelassen.
Den öffentlichen Druck, den die Prinzessin von Oranien-Nassau erlebte, kannte ihr Schwiegervater nur zu gut: Vierzig Jahre zuvor erlitten die heutige Königin Beatrix und ihr Verlobter Prinz Claus von Amsberg das gleiche Schicksal, als ihre Affäre zur Staatsaffäre wurde. Prinz Claus hatte noch den Vorteil, dass er Protestant und adlig war, aber ein Deutscher, und das knapp 20 Jahre nach der Besetzung der Niederlande durch Nazi-Deutschland. Buh-Rufe am Tag der Hochzeit der beiden im März 1966 waren noch die harmlosesten Ressentiments gegenüber der «Vaterlandsverräterin» und dem Erbschleicher, der in der Wehrmacht diente.
Was beide Liebesbeziehungen und vor allem der Blickwinkel der ZDF-Doku eindrucksvoll darlegen, war jedes Mal die konsequente Flucht nach vorne, um Akzeptanz für die gewünschte Ehe zu bekommen. In der Königsfamilie gelang dies noch am einfachsten. Viel aufwendiger war die stete Gratwanderung zwischen Stärke zeigen und Widerstände aus der Bevölkerung respektieren. Dieser Weg spiegelt die Macht der Harmonie in Orange wider.
Die ZDF-Reihe zu den royalen Eheschließungen findet ein Millionenpublikum: Die Liveberichterstattung von der Hochzeit im schwedischen Königshaus am 19. Juni dieses Jahres sahen mehr als sieben Millionen Zuschauer (Marktanteil: 36,8 Prozent). Die erste Dokumentation der Reihe Ein Prinz für Victoria, erreichte 4,85 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 16,9 Prozent).
An den folgenden Dienstagen, jeweils 20.15 Uhr, geht es in der Reihe um England und das Märchen vom Glück, Dänemark und seine starken Frauen, Norwegen und der Sieg der Liebe sowie Spanien und das Leid der Liebe.
Königliche Hochzeiten: Holland und die Macht der Harmonie, Dienstag, 13. Juli , 20.15 Uhr, im ZDF.
car/reu/news.de