So., 27.05.12

«Twilight: Eclipse» 13.07.2010 Das Vorspiel geht weiter

Bella und Edward (Foto)
Bella (Kristen Stewart) ziert sich, den Heiratsantrag von Edward (Robert Pattinson) anzunehmen. Bild: Concorde Film

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh

Edward will partout nicht sein T-Shirt ausziehen, während sein Rivale Jacob erst gar keins anzieht und Bella damit in gefährliche Wallungen bringt. Mit Eclipse kommt der bisher heißeste und beste Twilight-Film ins Kino - mit einem Manko: Der Kitsch bleibt auf der Strecke.

Die Hormone von Bella (Kristen Stewart) rasen, allein der Anblick ihres makellosen Vampir-Freundes (Robert Pattinson) bringt sie in so große Wallungen, dass ihr die leidenschaftlichen Küsse, die sie jedes Mal fast in Ohnmacht fallen lassen, und das bisschen Kuscheln auf der Blumenwiese nicht mehr reichen. Sie will endlich das erleben, von dem Teenager in ihrem Alter nun mal träumen: ihr erstes Mal. Und wenn nicht mit Edward, der Liebe ihres ewigen Lebens, für den sie sich in einen Vampir verwandeln lassen will, mit wem dann?

Doch Edward mimt im dritten Teil der Twilight-Saga den Superspießer und lässt sich von Bellas Verführungskünsten nicht beirren: Sex gibt es erst nach der Hochzeit, die Klamotten bleiben im Bett an - alles andere sei zu «gefährlich». Die Knöpfe des Hemdes werden zur Enttäuschung von Bella wieder zugeknöpft, stattdessen kniet er sich vor das Bett, hält um ihre Hand an und Bella sagt ja, wenn auch ein wenig zögerlich - eine absurde Situation.

Eine seichte Liebelei wird zum Kassenschlager

In Eclipse - Biss zum Abendrot kommt nun das bereits bis zum Exzess kritisierte keusche Gesicht seiner Buchautorin Stephenie Meyer in voller Blüte zu Tage: Kein Sex vor der Ehe lautet die Botschaft der Mormonin. Und die Millionen Twilight-Fans lieben diese Keuschheit. Die seichte Liebelei zwischen einem Schulmädchen und einem 109-jährigen Vampir bricht alle Rekorde, Eclipse war die erfolgreichste Kino-Premiere aller Zeiten in den USA, während auf dem Schulhof Handy-Pornos ausgetauscht werden - das wohl Überraschendste und Unverständlichste am Twilight-Phänomen.

Als einen «Roadmovie der Pubertät» bezeichnet die Süddeutsche treffend die Twilight-Fimreihe. Alles, was ein Teenager in diesen prägenden Jahren durchleben könnte, wird in Twilight durchgespielt: Liebe, Triebe, Sinnfragen und Tod. In Eclipse steht das Hin und Her zwischen zwei Männern im Mittelpunkt - ein Gefühlschaos, das nicht nur jeder Teenie kennt - auch wenn man sich wohl eher selten zwischen einem Werwolf und einem Vampir zu entscheiden hat.

«Ich bin heißer als du»

Der edle Ritter Edward ist wie schon in den beiden Vorgänger-Filmen damit beschäftigt, für die Sicherheit Bellas zu sorgen. Diesmal muss er sie wieder einmal vor der bösen Victoria beschützen, die mit dem Paar noch eine Rechnung offen hat und zu deren Begleichung sie eine Armee junger Vampire nach Forks schickt. Nebenbei lässt Edward jeden aufkommenden Hauch von Sex-Appeal im Keim ersticken. Zunehmend nervig und lächerlich empfindet man ihn.

Anders dagegen sein Konkurrent Jacob (Taylor Lautner): Der Werwolf verfügt zwar ebenfalls über einen Beschützerinstinkt, tut sich sogar mit den verhassten Blutsaugern für Bellas Sicherheit zusammen, er setzt im Kampf um die Liebe der 18-Jährigen aber vor allem auf die Hormone: Bleibt bei Edward das T-Shirt den ganzen Film über an, streift es sich Jacob erst gar nicht über. Während Edward beleidigt fragt: «Besitzt der denn kein T-Shirt?», bringt es Jacob auf den Punkt, wenn er zu Edward sagt: «Ich bin heißer als du». Daraufhin folgt ein leidenschaftlicher Kuss zwischen dem Werwolf und Bella, der bisher wohl innigste und erotischste der gesamten Twilight-Reihe. Bella kommt daraufhin ins Zweifeln und muss sich letztlich eingestehen, auch Jacob zu lieben.

Und Edward? Reißt er Jacob dafür immerhin den Kopf ab? Natürlich nicht, ein Gentleman der alten Schule, der seine sexuellen Triebe kontrollieren kann, kann auch seine Eifersucht zügeln.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Eclipse der bisher beste Twilight-Film ist

Der bisher beste Twilight-Film

Trotz eines zunehmend nervigen Edwards ist Regisseur David Slade (30 Days of Night) mit Eclipse der wohl bisher beste Twilight-Film gelungen. War der erste Teil vor allem kitschig und der zweite langatmig und kitschig, hat Slade im dritten Teil eine gute Balance zwischen Teenie-Romanze und Action-Film gefunden. Er ist zudem der unterhaltsamste aller bisherigen Twilight-Filme, die Figuren selbst nehmen sich zunehmend auf die Schippe. Außerdem erfährt der Zuschauer durch Rückblenden die Lebensgeschichte der einzelnen Vampire des Cullen-Clans und die Gründe für die Feindschaft zwischen Werwölfen und Vampiren. Der Film erhält dadurch auch einen düsteren Charakter.

Trailer «Eclipse»
Bellas Qual der Wahl
Video: Concorde Film

Und dass David Slade ein größeres Budget zur Verfügung stand als seinen Vorgängern Catherine Hardwicke (Twilight) und Chris Weitz (New Moon), ist vor allem den Actionszenen anzusehen: In Eclipse gibt es keine einzige Kampfszene mehr mit Low-Budget-Charme. Vor allem in die Animation der Werwölfe ist investiert worden.

Die Liebe zwischen Bella und Edward bleibt auf der Strecke

Auch wenn Eclipse der handwerklich am besten gemachte Twilight-Film ist und nicht nur eingefleischte Twilight-Fans gefallen wird, wird er aber auch Enttäuschung auslösen. Die einen werden Slades Spagat zwischen Teenie-Romanze und Actionfilm als gelungen bezeichnen, andere werden sagen, dass ihm dabei aber die Liebesgeschichte zwischen Bella und Edward verlorengegangen ist.

Und daran ist nicht Rivale Jacob Schuld, der Bella an seine nackte Burst presst und sie dabei erkennen lässt, dass auch sie ihn will. Egal, wie oft Jacob sein T-Shirst auszieht, Edward wird immer ihre erste Wahl bleiben. Um als Zuschauer zu begreifen, wie ausweglos Jacobs Kampf ist, muss man die ersten beiden Twilight-Filme gesehen und am besten auch die Bücher gelesen haben. Das ist das Manko des neuen Twilight-Films.

«Bella, nimm Jacob!»

Schaut man sich nur die Verfilmung von Eclipse an, kann man nicht verstehen, warum sich Bella für den ewig leidenden und langweiligen Spießer Edward entscheidet und nicht für den heißblütigen Werwolf Jacob, für den sie sich noch nicht einmal verwandeln müsste und der im Gegensatz zu Edward um ihre Liebe kämpft. Möchte man sich in Twilight und New Moon noch ständig im Kinosessel verkriechen, weil so viel Kitsch auf der Leinwand kaum auszuhalten, aber trotzdem auch schön ist, möchte man bei Eclipse aus dem Sitz aufspringen und Bella zurufen: «Nimm Jacob!»

Als Edward in Twilight die Cafeteria betrifft und Bella und er sich das erste Mal sehen oder als er in New Moon erkennt, dass sie nicht tot ist und sie an seine blanke Brust presst: Das sind zwei dieser vielen magischen Szenen zwischen Bella und Edward, die bei den eingefleischten Twilight-Fans Wallungen und bei allen anderen völliges Unverständnis auslösen.

Wo ist der Kitsch geblieben?

Es sind aber gerade diese kitschigen Momente, die den Erfolg von Twilight ausmachen. Ohne diesen überzogenen Kitsch, der ein Fremdschämen gepaart mit einem Prickeln bei vielen Teenies - und nicht nur bei denen - auslöst, wäre der riesige Erfolge von Twilight nicht denkbar. Zu Gunsten von Jacobs Kampf um Bellas noch schlagendes Herz und den vielen Actionszenen hat Regisseur Slade in Eclipse diese magischen Momente zwischen Bella und Edward auf ein Minimum reduziert - ganz im Gegensatz zur Buchvorlage. Ein paar mehr Details und ein bisschen mehr Kitsch hätte dem Film in dieser Hinsicht gutgetan.

So könnte nun mit Eclipse der Hype um Frauenschwarm Robert Pattinson abflauen und Taylor Lautner zum neuen Twilight-Helden aufsteigen. Das wäre aber ein Dilemma für die nächsten beiden Filme, das vierte und letzte Twilight-Buch Breaking Dawn wird in zwei Filme gesplittet, in denen wieder die ewige Liebe von Edward und Bella beschworen wird und Jacob in die Röhre schaut

Doch soweit wird es wohl kaum kommen: In der Fortsetzung von Eclipse wird Edward mit vollem Körpereinsatz Bella seine Liebe beweisen - und seine Fans (wieder) von sich überzeugen. Waren die ersten drei Twilight-Filme ein «Werbefilm für sexuelle Abstinenz» (Süddeutsche), werden die letzten beiden Biss-Folgen eine Werbefilm für ehelichen Sex. Aber dann hat das ewige Vorspiel der beiden immerhin endlich ein Ende.

Titel: Eclipse - Biss zum Abendrot
Regie: David Slade
Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner
Filmlänge: 121 Minuten
FSK o.A.
Verleih: Concorde Film
Kinostart: 15. Juli 2010

car/reu/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Randolf
  • Kommentar 1
  • 13.07.2010 15:32
 

Ist wahrlich ein alter Hut . Hat schon einen Bart ,wie ein Weihnachtsmann .

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