Raus mit Applaus: Die internationale Presse sieht die deutsche Nationalelf als heimlichen Gewinner der WM. Sami Khediras feiner Kopfballtreffer wird als Trostpflaster für eine überzeugende Vorstellung gewertet. Bester Deutscher ist aber kein Spieler.
«Jogi's Boy Group» entzückt die Weltpresse: Mit forschen Auftritten hat sich die junge deutsche Fußball-Nationalelf in Südafrika zum «kleinen Weltmeister» mit großer Perspektive aufgeschwungen. «Deutschland hat in dem Trost-Finale erneut sein Talent unter Beweis gestellt. Und dies mit einer Mannschaft, deren Altersdurchschnitt bei 25,2 Jahren liegt. Löws Team hat noch viel zu bieten, wie sich spätestens bei der EM 2012 zeigen wird», orakelte El Mundo in Spanien nach dem 3:2 (1:1) der DFB-Auswahl im Spiel um Platz 3 über Uruguay. Die schwedische Zeitung Expressen wurde noch deutlicher und ging sogar einen Schritt weiter: «Die Deutschen gehören schon jetzt zu den WM-Favoriten in Brasilien 2014.»
«Deutschland hat den dritten Platz abonniert», schrieb Il Tempo in Italien. «Ein großer, wunderbarer WM-Abschluss. Die Deutschen haben sich jedes Gramm ihrer Bronzemedaille verdient», urteilte die dänische Zeitung B.T.. «Mit dem 3:2 sicherte sich eine der besten Mannschaften des Turniers Bronze», schrieb die niederländische Het Parool. Und der Schweizer Blick titelte: «Deutschland wieder kleiner Weltmeister.»
El País erklärte - ohne ihn namentlich zu nennen, Löw zum Vater des Erfolges: «Deutschland hat, wie fast immer, gewonnen und so das Ergebnis der vorigen WM wiederholt. Der Schüler hat den Lehrmeister Klinsmann eingeholt.» Als Matchwinner gefeiert wurde der 3:2-Siegtorschütze: «Sami Khedira war der König eines verrückten Spiels», schrieb Marca. Und das schwedische Aftonbladet kam zu diesem Schluss: «Bronze für die Sympathie-Weltmeister und Lob für Uruguays Celeste. Egal, wer das Finale gewinnt: Wir werden uns an eine WM erinnern, bei der uns Forlán, Lugano, Schweinsteiger, Özil und Müller reich beschenkt haben.»
Erfreut wurde registriert, dass das oft als «Spiel um die Goldene Ananas» bezeichnete «kleine Finale» große Klasse war. Von wegen, es geht um nichts mehr. «Deutschland und Uruguay haben gezeigt, dass die Durchführung dieser Partie durchaus zu vertreten ist», schrieb die Schweizer NZZ am Sonntag. Österreichs Die Presse lobte: «Selbst der strömende Regen konnte diesem offensiven, undisziplinierten, leichten Treiben keinen Abbruch tun. Es war Fußball, wie man ihn in den vergangenen 30 Tagen in Südafrika nie gesehen hat.» Der Kurier ergänzte trocken: «Den Eindruck, dass es sich ums höchstdotierte Freundschaftsspiel der Fußball-Welt handelt, hatte man nie.»
Weitere Pressestimmen
ITALIEN:
La Gazzetta dello Sport: «Deutschland klettert aufs Podium. Muslera lässt Uruguay weinen. Es war zwar nur das kleine Finale, aber eines der unterhaltsamsten Spiele dieser WM!»
Corriere dello Sport: «Deutschland ist Dritter und der Krake siegt schon wieder.»
Tuttosport: «Khedira sorgt für den letzten Torjubel der multiethnischen deutschen Nationalelf.»
Corriere della Sera: «Deutschland stürmt mit der Kraft seines Willens aufs Podium.»
La Repubblica: «Deutschland musste zittern, tröstet sich aber mit Platz drei.»
FRANKREICH:
L'Équipe: «Und alle Welt ist zufrieden. Nach einem schwungvollen Spiel sind die Deutschen glücklich, auf dem Podium zu stehen - und Uruguay ist stolz, so weit gekommen zu sein.»
Le Parisien: «Es war nur das kleine Finale, aber die 22 Spieler auf dem Platz haben alles gegeben. Die deutsche Mannschaft fährt zum vierten Mal als Dritter nach Hause. Mit 16 Toren sollte sie die Weltmeisterschaft aber als die mit dem besten Angriff beenden.»
Journal du Dimanche: «Krake Paul hatte es vorhergesagt. Deutschland steht auf dem Podium. Das letzte Treppchen ist aber allerhöchstens ein angenehmes Trostpflaster.»
NIEDERLANDE:
De Telegraaf: «Es war Sami Khedira, der das Chaos in der Verteidigung von Uruguay abstrafte - 3:2.»
SÜDAFRIKA:
Sunday Independent: «Khedira überreicht den Deutschen erneut Bronze.»
Sunday Times: «Die Deutschen reißen Bronze an sich - das Spiel für den dritten WM-Platz entwickelte sich in einen heiß umkämpften Thriller.»
cvd/news.de/dpa