Literarische Trophäe für Reinhard Jirgl
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Autor Reinhard Jirgl wird mit dem Georg-Büchner-Preis 2010 geehrt. Die mit 40.000 Euro dotierte Auszeichnung ist der wichtigste deutsche Literaturpreis. Damit steht Jirgl in einer Reihe mit Autoren wie Erich Kästner, Günter Grass oder Heinrich Böll.
Jirgl entfalte in seinem Romanwerk ein «eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama» der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, urteilte die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der 57-Jährige erhält den mit 40.000 Euro dotierten Preis auf der Herbsttagung der Akademie am 23. Oktober in Darmstadt.
Mit «großer erzählerischer Sensibilität und Leidenschaft» erzähle Jirgl von den Aufbrüchen und Katastrophen, den Kriegen und Vertreibungen, den Zeiten der Teilung und der schwierigen Vereinigung, hieß es in der Begründung weiter. Dabei lasse er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und mache so zuletzt in den Romanen Die Unvollendeten und Die Stille die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten hörbar.
Jirgl wurde am 16. Januar 1953 in Ost-Berlin geboren. Nach einer Lehre als Elektromechaniker studierte er ab 1971 Elektronik an der Berliner Humboldt-Universität. Noch während des Studiums begann er mit ersten Prosatexten. Ab 1975 arbeitete er als Ingenieur, gab seinen Beruf 1978 jedoch auf, um sich mehr dem Schreiben widmen zu können. Seinen Unterhalt verdiente er als Beleuchtungs- und Servicetechniker an der Berliner Volksbühne.
Als Jirgl 1985 sein erstes Manuskript Mutter Vater Roman beim Berliner Aufbau-Verlag einreichte, wurde ihm eine «nichtmarxistische Geschichtsauffassung» vorgeworfen und die Veröffentlichung des Romans verweigert. Er setzte jedoch das Schreiben heimlich fort. Bis zur Wende 1989 lagen sechs fertige Manuskripte vor, ohne dass ein einziges Buch von ihm veröffentlicht worden wäre. In der Nachwende-Zeit 1990 erschien Mutter Vater Roman beim Aufbau-Verlag.
Schon mehrfach ausgezeichnet
Die entscheidende Änderung in der öffentlichen Wahrnehmung, auch seine persönliche Wende, wie Jirgl es beschreibt, kam 1993, als er für seinen Roman Abschied von den Feinden mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet und Autor des Carl Hanser Verlags wurde, in dem seitdem seine Bücher erscheinen. 1996 gab Jirgl seine Tätigkeit als Techniker an der Berliner Volksbühne auf und arbeitet seitdem als freier Schriftsteller in der Hauptstadt.
Jirgl erhielt zahlreiche andere Preise wie 1999 den Joseph-Breitbach-Preis. Im vergangenen Jahr wurde der 57-Jährige mit dem Grimmelshausen-Literaturpreis und dem Lion-Feuchtwanger-Preis ausgezeichnet. 2007 war Jirgl Stadtschreiber von Bergen-Enkheim (Frankfurt am Main).
Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 jährlich vergeben und ist der bedeutendste deutsche Literaturpreis. Geehrt werden Autoren, die «durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben», wie es in der Satzung heißt. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Erich Kästner, Max Frisch, Günter Grass und Heinrich Böll. Im vergangenen Jahr erhielt der österreichische Schriftsteller Walter Kappacher die Auszeichnung.
bla/car/ivb/news.de/ap
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