Do., 23.05.13

«Maybrit Illner» Wie gerecht ist die Reform, Herr Minister?

Philipp Rösler (Foto)
Bei Maybrit Illner auf dem Stuhl: Gesundheitsminister Philipp Rösler. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Das Thema der Woche hat auch Maybrit Illners Diskussionsrunde beschäftigt: Ist die Gesundheitsreform eine Lizenz zum Abkassieren? Zum ersten Mal überhaupt hat sich Gesundheitsminister Philipp Rösler in einer Talkshow seinen Kritikern gestellt.

Man kann lange darüber streiten, woran das deutsche Gesundheitssystem am meisten krankt. Das für 2011 erwartete Defizit von elf Milliarden Euro aber hat zunächst die spürbare Folge, dass im Schatten der Fußball-WM «Kassenpatienten zur Kasse gebeten werden», wie Maybrit Illner es kalauernd formulierte.

Gesundheitsminister Rösler sah darin kein Problem. Zum ersten Mal war er in eine politische Talkshow gekommen, um sein Reformkonzept zu verteidigen – und erwies sich dabei als äußerst eloquent. Heiter verkündete der FDP-Minister, die Neuregelung sei «ein Erfolg für die Patienten und Versicherten, da drei bis sieben Euro mehr durchaus gerechtfertigt sind». Das weltweit beste Gesundheitssystem der Welt koste eben Geld, so Rösler. «Wem das nicht passt, der soll das heute sagen, oder für immer schweigen.»

Maybrit Illner
Seriös und A-Promi

Einer, dem Röslers Aussagen ganz und gar nicht passten, war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er erklärte, dass «die Reform gar keine Reform ist, da nur der Geldhahn weiter aufgedreht wurde». Vorhandene Probleme wie etwa der Hausärztemangel würden sich verschärfen. Außerdem belaste die Reform durch Zusatzbeiträge ausschließlich mittlere Einkommen, «damit ist die FDP die Nettolügenpartei, da Geringverdiener jedes Jahr weniger auf dem Lohnzettel stehen haben werden».

Rösler bezeichnet SPD als «Lobbyistenpartei»

Rösler keilte zurück – lächelnd und ohne dabei seinen freundlichen Tonfall aufzugeben: Die SPD sei eine «Lobbyistenpartei, wenn sie verhindert, dass alle, auch Ärzte und Kassen ihren Beitrag leisten und stattdessen Hausärzte gegen Fachärzte aufhetzt». Das erwartete Defizit sei mit drei Milliarden für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, drei Milliarden für Einsparungen im System und zwei Milliarden für den Steuerzahler gerecht aufgeteilt worden.

Bevor die beiden Politiker in ihrem Zahlensalat versinken konnten, intervenierte Frank-Ulrich Montgomery. Der Vize-Präsident der Bundesärztekammer wischte den Streit über mögliche Zusatzbelastungen der Versicherten in den nächsten Jahren als «reine Spekulationen» vom Tisch. Wichtiger seien jetzt tiefgreifende Strukturreformen im Gesundheitssystem: «Wir haben jetzt bis 2014 Ruhe an der Beitragssatzfront und damit Zeit für die Reformen, die seit 1992 nicht geschafft wurden. Nur deshalb steigt der Finanzierungsbedarf des Systems ständig.» Unterstützung erhielt er von der Vorstandschefin des Spitzenverbands gesetzlicher Krankenversicherungen, Doris Pfeiffer: «Bisher ist nur mehr Geld in das System geflossen, damit ist aber das Problem nicht gelöst.» Nun sei es dringend geboten, «die Ausgaben näher anzugucken».

Rösler war der Meinung, er sei bereits dabei, eben diese Reformen anzustoßen. «Wir haben im Arzneimittelbereich zwei Milliarden gespart», so der Gesundheitsminister. Zudem müsse Transparenz geschaffen werden, damit Patienten «ein Gefühl für die Kosten kriegen». Auch der Zusatzbeitrag sei im Grunde «ganz einfach: Es gibt einen Sozialausgleich zwischen Arm und Reich, wenn Menschen sozial überfordert sind». Ob die Message angekommen ist, darf bezweifelt werden: lautes Hohngelächter schallte Rösler aus dem Publikum entgegen, als er fröhlich verkündete, dass «die Versicherten damit gewonnen haben».

«Ist ja ganz süß, was der Herr Lauterbach da gesagt hat»

SPD-Mann Lauterbach schwang sich sofort auf der Welle der Publikumshäme: Der «Mini-Sozialausgleich» von einer Milliarde sei «nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein, da die Bürger die Hauptlast aus dem Netto tragen müssen». Doch der Gesundheitsminister war nicht aus der Ruhe zu bringen: «Ist ja ganz süß, was der Herr Lauterbach da gesagt hat», so sein belustigter Kommentar. Dann ein schneller Konter: Durch die Reform sei im Gegenteil der Wettbewerb verbessert worden, da Patienten die Kasse wechseln könnten.

Wieder würgte Montgomery ab: Der Streit werde auf jeden Fall weitergehen – obwohl «sicher noch die eine oder andere Weißbierdusche aus München kommen wird» könne mit der Reform der Einstieg in ein moderneres Gesundheitssystem gelingen. «Es gibt viele Bremser, aber es ist möglich.» Wie es auch kommen mag, das Thema Gesundheit ist stets eng mit dem Geldbeutel der Bürger verknüpft und dürfte daher noch für viel Diskussionsstoff sorgen.

Philipp Rösler hat einen erfrischend anderen Stil in Maybrit Illners Talkrunde gebracht: Der Gesundheitsminister ließ jede gegen ihn gerichtete Polemik ins Leere laufen – und hat zugleich in freundlichem Plauderton harte Schläge ausgeteilt. Das Ergebnis: Trotz ernstem Thema und handfesten Streitpunkten hat sich die Debatte auf einem hohen sachlichen Niveau bewegt, war aber trotzdem sehr unterhaltsam. Selbst Maybrit Illner musste sich bei der Moderation einige Male das Lachen verkneifen.

 

cvd/ivb/news.de

Leserkommentare (10) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Sternensammler
  • Kommentar 10
  • 22.09.2010 23:21
 

Wenn das so weitergeht haben wir bald Amerikanische verhältnisse in Deutschland. Warum verfügt Rösler nicht gleich das in Deutschland keiner älter als sechzig werden darf. Dieser sogenannte Gesundheits Minister hat doch keine ahnung wie der kleine Mann, der hart für sein bischen Geld Arbeiten muß, am ende des Monats mit leeren Händen dasteht und nicht weiß wo er ein stück Brot her bekommt.

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  • Berni Zoumer
  • Kommentar 9
  • 22.09.2010 19:36
 

Der liebe Herr Rösler sollte in sein Heimatland Vietnam zurückgeschickt werden.Dort kann er die Kopfpauschale einführen.Er macht uns kaputt.

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  • Kurt Nordsiek
  • Kommentar 8
  • 22.09.2010 13:34
 Antwort auf Kommentar 7

wie so 4% FDP heißt doch: Fast Drei Prozent. reicht doch. Oder ??

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  • bimbo
  • Kommentar 7
  • 22.09.2010 10:33
 

ja, die solidarität.. wenn immer mehr kosten auf arbeitnehmer abgewälzt werden, was passiert ? das ziel der fdp jeder zahlt gleich viel ! ob krankenschwester mit 1500 euro oder herr ackermann mir 1,5 mio euronen... das ist gelebte liberale zukunft. jeder hat zu sehen wie er klar kommt. weh du wirst oder bist krank. good bye fdp, 4% wir werden sie nicht vermissen den smarten dr.rösler und den grinsenden osterwelle mit brüderle...

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  • Carsten
  • Kommentar 6
  • 14.08.2010 12:58
 

das legalissierte raubrittertum hat erneut ein türchen für sich und ihre lobbyisten gefunden und macht daraus auch noch eine schöne mogelpackung, die der dumme kleine bürger als "gerechte wohltat" schlucken soll...für so eine miese arbeit wäre jeder arbeitnehmer aus seinem job geflogen, vor allem ohne vergoldetetn abgang! und wieder brüstet sich ein minister mit einer reform...unverschämtheiten werden mittlerweile heutzutage hierzulande noch mit einem orden belohnt?...wo kommen wir noch hin?

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  • hpklimbim
  • Kommentar 5
  • 10.07.2010 23:36
 

Anstatt der von den Politbetrügern nachhaltig geförderten "all-inclusive-Mentalität" endlich ein wirksames Ende zu setzen, und damit alle Parteien zu wirtschaftlich sinnvollem Handeln zu zwingen, hat man dem einen Teil dieses Geldkarusells einen Freibrief zum Abkassieren ausgestellt, und den anderen Teil der Willkürlichkeit ausgeliefert. Unsere Politiker behaupten bei den Wahlen immer, die Bevölkerung zu 100 % vertreten zu wollen. Leider handeln sie nach der Wahl immer nur im Auftrag von maximal 10 %. Das nennt man dann hierzulande Demokratie, meint aber eigentlich die Pflege der Besitzstände.

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  • General Investigation
  • Kommentar 4
  • 10.07.2010 16:38
 

" Philipp Rösler hat einen erfrischend anderen Stil in Maybrit Illners Talkrunde gebracht: Der Gesundheitsminister ließ jede gegen ihn gerichtete Polemik ins Leere laufen – und hat zugleich in freundlichem Plauderton harte Schläge ausgeteilt." Haben wir die gleiche Sendung gesehen, Herr Peter? Rösler hatte keinen Plauderton, sondern es hört sich an wie auswendig gelernt, wobei er nicht einmal die Frage nach seinem Rücktritt beantwortet hat. Er hat sich sichtlich unwohl gefühlt, das konnte man doch wohl erkennen. Völlig fehlendes selbstbewusst, keine eigene Meinung - alles Fehlanzeige.

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  • Norbert
  • Kommentar 3
  • 09.07.2010 15:04
 

140 000 Ärzte bekommen einen Honorarzuschuß bei Rekorddefinzit . Dies nennt man wohl sparen ?

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  • Christian Kraus
  • Kommentar 2
  • 09.07.2010 09:40
 

Gerechtigkeit in der Krankenversicherung? Das ich nicht lache... Ein durchaus sympatischer Mann der Rössler? Kann sein, daß es so ist-aber eine Fehlbesetzung auf der Regierungsbank! Bei der dünnen Führungsdecke der FDP nicht verwunderlich-aber gerade in der Gesundsheitsvorsorge und im Alltag ist die FDP nur bedingt taglich, die großen Probleme anzugehen und eine wirklich gerechte Lösung zu schaffen.Bis heute sind nur unnötig (!) viele Milliarden EURO in die Kassen geflossen und eine gigantische Geldvernichtungsmaschine wurde in den letzten Jahrzehnten geschaffen! Abhilfe tut not.....

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  • Octavian
  • Kommentar 1
  • 09.07.2010 08:33
 

Na wie schön, dass Zitat "der Rösler einen erfrischend anderen Stil in Maybrit Illners Talkrunde gebracht hat". Von wegen, da war gar nichts erfrischend, "Wir tun das was dem Patienten nützt" um nur eines seiner zahlreichen Pseudoargumente zu nennen! Es ist erschreckend das dieser augenscheinlich überforderte Mann ein solch gewichtiges Ressort leitet! Und wenn der Autor dieses Artikels hier ein "hohes sachliches Niveau" konstatiert, sollte er sich die Argumente eines Montgomerys und Rösslers mal durchdenken! Lächerlich!

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