So., 27.05.12

Wallander im Ersten 18.07.2010 Bleibt alles anders

Mankells Wallander. Das Leck. (Foto)
Mankells Wallander. Das Leck. Bild: ARD Degeto/Yellow Bird/Nille Leander

Von news.de-Redakteur Christian Vock

Seit Jahren dominiert Henning Mankell das Krimi-Genre. Zu Recht, wie der TV-Krimi Das Leck aus der Wallander-Reihe heute Abend im Ersten beweist. Hier zeigt sich nämlich, warum Mankell der Krimikönig ist: Weil er alles anders macht.

Henning Mankell ist ein Meister. Das muss man eigentlich niemandem mehr sagen und das Wort Meister ist ja auch feuilletonistisch mehr als durchgenudelt. Es sei an dieser Stelle aber dennoch erwähnt, denn heute Abend kann man sich, sollte man allen Ernstes noch an dieser Aussage zweifeln, im Ersten ein Bild davon machen. Ein Bild davon, was einen echten Meister von einem Könner unterscheidet.

Ein Könner nämlich, der kann. Ein Meister hingegen kann auch anders. Worin sich ein Könner auszeichnet, ist die Beherrschung dessen, was er tut. Und Henning Mankell beherrscht den Skandinavienkrimi wie kaum ein Zweiter. Eine schroffe Szenerie, ein mürrischer Ermittler und eine melancholische Grundstimmung. In dieser düstere Atmosphäre platziert er seine Fälle. Er legt Fährten, gerne auch falsche, er schaut in die Köpfe der Täter, der Ermittler, der Opfer und vor allem der Leser und hat damit ein einzigartiges Gespür für das Bedrohende, für die Angst im Kopf.

So viel Gewalt war selten

So viel zum Könner. Was Mankell aber zum Meister macht, dass er das Psychologische auch mal Psychologisches sein lassen kann und zupackt. So wie in Das Leck. Hier verlässt Mankell die Sitzungstische, die Flipcharts und Täterprofile und geht raus in die harte Welt. Dass bei Das Leck die Polizei kein Debattierklub ist, wird gleich am Anfang klar. In den ersten 20 Minuten gibt es einen Mord, drei Bombemanschläge, einen Überfall, eine Verfolgungsjagd inklusive Schießerei, zwei schwere Körperverletzungen und einen Mordversuch.

So viel physische Gewalt war selten bei Mankell und der Anfang gibt auch gleich die Marschrichtung vor. Hier sieht man nichts von skandinavischer Zurückhaltung, hier wird scharf geschossen. Kein «Whodunit», keine großen Ermittlungen, keine Psychospielchen. Es wird nicht überlegt, es wird gehandelt. Nach Motiven muss man auch gar nicht erst suchen, denn warum überfällt man wohl einen Geldtransporter? Mankell nimmt keine Umwege, er fährt stur gerade aus, das Gaspedal durchgedrückt. Nur ab und zu hält er mal an und lässt den Zuschauer im Dunkeln, wohin der Weg führt. Und weiter geht’s.

Keine Zeit für Zweifel

Bei diesen kurzen Zwischenhalten wird es dann doch klassisch kriminalistisch. Dann sucht Wallander (Krister Henrikssen) nämlich nach dem Leck in der Sicherheitsfirma, die für die Geldtransporte verantwortlich ist. Bei der Suche kreuzen sich die Wege von Wallander und einem Ex-Kollegen, der in der Zwischenzeit in der Sicherheitsbranche das große Geld gemacht hat und Mankell wäre nicht Mankell, wenn er nicht seinen Wallander deshalb ins Grübeln brächte, ob er nicht auch die vielen Überstunden und das fehlende Privatleben gegen einen sicheren und gut bezahlten Job eintauschen soll.

Doch genauso wenig, wie man hier an dem Vollblutpolizisten Wallander zweifeln könnte, lässt Regisseur Henrik Georgsson seiner Hauptfigur überhaupt die Zeit für solche Grübeleien, denn der Fall nimmt wieder Fahrt auf. Die emotionale Tiefe, die Mankell so gut beherrscht, wird in Das Leck niemand vermissen. Dazu ist die Geschichte viel zu spannend. Eben meisterlich.

Henning Mankells Wallander. Das Leck 18. Juli um 21.45 Uhr im Ersten

car/news.de
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