Von einem, der auszog, das Flunkern zu lernen
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Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Artikel vom 07.07.2010
Sie sind ehrlich. Selbst wenn es noch so taktlos ist. Der Komiker Ricky Gervais hat mit seinem Kinoregiedebüt eine lügenfreie Parallelwelt mit viel Situationskomik geschaffen. Bis sein Protagonist das Schwindeln entdeckt und für Chaos sorgt.
Wie würde eine Welt aussehen, in der niemand lügt? Das hat sich der britische Komiker Ricky Gervais gefragt. Das Konzept der Lüge ist den Menschen einfach fremd. Wäre das nicht wundervoll? Nun, wenn man diese Grundidee weiterspinnt, dann wird die Welt nicht nur ehrlich und wahrheitsliebend, sondern auch rücksichtslos - und taktlos. Keine kleine Notlüge mehr. Ehrlich gemeinte kleine Beleidigungen gehören zum Alltag. Und Fantasie hat in einer solchen Welt auch keinen Platz.
Gervais treibt sein Paralleluniversum der grundehrlichen Menschheit in seinem Kinoregiedebüt Lügen machen erfinderisch in vielen kleinen absurden Details auf die Spitze. So laufen etwa im Kino nur Filme mit nacherzählten Fakten der menschlichen Geschichte. Schauspieler, die in Rollen schlüpfen könnten oder Kulissen, die eine längst vergangene Zeit wieder aufleben lassen, gibt es nicht. Gervais, der solche Geniestreiche wie The Office – die Vorlage für Stromberg – abgeliefert hat, nimmt nicht nur auf dem Regiestuhl für Lügen machen erfinderisch Platz, sondern spielt auch die Hauptrolle des etwas pummeligen Verlierers Mark.
Menschen wie Mark haben es natürlich schwer, wenn ihnen jeder jeden Tag sagt, dass sie nicht gut genug sind. Egal ob im Job oder bei einem Date. Die Wahrheit ist niederschmetternd und kommt von allen Seiten. Doch dann entdeckt Mark bei einem Systemausfall in der Bank das Lügen, was ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Die Welt liegt ihm zu Füßen. Denn niemand ahnt, dass es jemanden unter ihnen gibt, der etwas sagen kann, was gar nicht ist. Alles was Mark behauptet, wird für bare Münze genommen. Das führt zu herrlich absurden Situationen und ganz nebenbei zur Geburtsstunde der Religion.
Die Geschichte des kleinen Lügenbarons Mark erzählt sich wie die Genesis eines Superhelden. Kaum hat er seine Begabung entdeckt, nutzt er sie zum Spaß, zum eigenen Vorteil und um seine Mitmenschen vor Verzweiflung zu retten. Und natürlich, um ein Mädchen – gespielt von der niedlichen Jennifer Garner - für sich zu gewinnen. Doch dann holt ihn die Verantwortung ein, die eine solche Gabe mit sich bringt.
Dass Mark bei all der Macht der ganz normale etwas tollpatschige Durchschnittsmann bleibt, der sich in seinen vielen Lügen und den naiven Nachfragen seiner Zuhörer ständig verheddert, macht das große Gagpotenzial dieses Films aus. Auch wenn Lügen machen erfinderisch die Genialität und den Fremdschämfaktor von The Office vermissen lässt, so kann der Film doch mit reichlich originellen Ideen und liebenswerten Charakteren aufwarten. Lautes Gelächter inklusive.
Zudem ist es Gervais gelungen, mit seinem Skript einige Hollywood-Schwergewichte für Miniauftritte vor die Kamera zu locken. So gibt etwa Edward Norton einen übereifrigen schnauzbärtigen Straßencop, der Mark beichtet, wie sehr ihn doch eine Verhaftung anturnt. Tina Fey hat Spaß daran, ihren ehemaligen Boss zu beleidigen, Jonah Hill gibt den depressiven Nachbarn, während Jason Bateman als Arzt das baldige Ableben von Marks Mutter bekräftigt.
Oscarpreisträger Philip Seymour Hoffman sagte für die Rolle des Barkeepers angeblich zu, nachdem ihm Gervais eine E-Mail schrieb, in der er erklärte, er habe das Budget des Films vor allem in Genitalimplantate für sich selbst investiert. Deshalb gebe es auch nur eine Minigage. Hoffmann konnte diesem eigenwilligen Humor von Gervais nicht widerstehen. Dem Publikum dürfte es ähnlich gehen.
Titel: Lügen macht erfinderisch
Regie: Matthew Robinson
Darsteller: Ricky Gervais, Jennifer Garner
Produktionsland: USA 2009
Laufzeit: 100 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Kinostart: 8. Juli 2010
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