Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Dresden
Günther Jauch und Jürgen Klopp waren neunmal mit dem RTL-WM-Truck unterwegs. Selbst Fußballfans, hielten sie zum Publikum doch professionelle Distanz. Was zählte, war für die meisten Zuschauer sowieso der Fußball.
Bevor die Kamera Rotlicht hat, lässt Günther Jauch den 100 Meter langen Deutschlandschal im Publikum zurechtrücken. RTL ist nach Dresden gekommen und lässt den Moderator gemeinsam mit Fußballtrainer Jürgen Klopp vor imposanter Canalettoblick-Kulisse das Spiel Paraguay gegen Spanien kommentieren.
«Für das Fernsehbild ist das ein wundervoller Empfang», sagt ein anderer Moderator auf der Bühne links neben der von RTL. Damit meint er die hochgereckten Deutschland- und Dynamodresdenflaggen, die die Menschen schwenken und den schwarz-rot-goldenen Riesenschal, der über Köpfe wandert. Eine Onlinecommunity hatte ihn zum Anfeuern der deutschen Elf gestrickt.
Der Anfang des Wollschals liegt auf jenem Tisch, von dem aus Jürgen Klopp und Günther Jauch am Königsufer der Elbe in die Kameras schauen. Die Präferenzen der Fans im Publikum sind sofort klar. «Paraguay, Paraguay», brüllt die Menge als das Fußballexpertenteam schon live in heimische Fernseher analysiert.
Die Dresdner halten die Südamerikaner wohl für das kleinere Übel im Halbfinale. Es ist laut auf der Elbwiese. Und heiß. Ein Fußballfest, das schon mit dem Deutschlandspiel gegen Argentinien begann, in Gluthitze. «Vorhölle», nennt Jürgen Klopp das vor dem ersten Spiel des Tages. Nach der Deutschland-Parade gegen Argentinien bleiben wenige Fans, um Paraguay gegen Spanien zu sehen. Doch Neue kommen hinzu. Unter einer der vier Flußbrücken hat RTL seine LKW-Entourage aufgebaut. Hinter einem Zaun, abgesperrt, stehen die klimatisierten Übertragungswagen. Dort sitzt Günther Jauch vor sechs Bildschirmen und bereitet die Sendung vor. «Eigentlich mag ich extreme Wärme ganz gerne», antwortet er auf die Frage eines Journalisten. Privater wird’s nicht.
Dann sind Jürgen Klopp und Günther Jauch geschminkt auf dem Weg zur Bühne, mit Bodyguards. Sie zeigen professionelle Distanz. Lassen sich nicht ablenken als zwei Sechssitzer-Fahrräder während der Aufnahme ihren Weg durchs Publikum finden. Die Aufsassen brüllen Unverständliches.
Klopp triumphiert im Tippspiel
Ist die Kamera an, wird Flapsiges erzählt. «Erleben Sie später, wie sich Günther zum Günther macht», sagt «Kloppo», um seinen WM-Tippspiel-Triumph gegen Jauch zu feiern. Ist die Kamera aus konzentriert sich Günther Jauch auf den Ablaufplan der Sendung. Klopp wippt seinen Körper zu den eingespielten Fußballsongs. Die Fanbespaßung machen andere.
Fürs Spiel ziehen sich die Prominenten in die Produktionswagen zurück. Was für die Fußballliebhaber vor der Bühne Freizeitvergnügen ist, ist für die beiden Arbeit. So haben die Dresdner außer ein paar Autogrammen nicht mehr von dem Moderator und seinem Experten als die Menschen vorm Fernseher.
Auch Stefan Stenzel hat Jauchs Unterschrift auf seinem T-Shirt. Er ist aus Hoyerswerda gekommen, um die Viertelfinalspiele am Elbufer zu sehen. Das Autogramm sehe er als kleinen Bonus in der Deutschland-Siegeseuphorie: «Eigentlich ist es mir egal, ob die dort auf der Bühne stehen.»
Sommermärchen 2.0
Einfach nur das Spiel seiner Nationalmannschaft sehen, will auch Antonio. Er weiß gar nicht so recht, was die beiden Herrn dort vorn eigentlich machen. Der 23-Jährige ist spanischer Erasmusstudent und jubelt mit einem Dutzend anderer Spanier als Xabi Alonso den Elfmeter versenkt. Wenige Sekunden später, brandet die Sympathiebekundung der restlichen Dresdner Fans auf. Der Schiedrichter gibt das Tor nicht. Antonio ist erschüttert. Das Torero-Tuch, mit dem er eben noch Pirouetten gedreht hatte, hängt nun schlaff in der Hand. Mehr als 20 Minuten später kommt die Erlösung. «Wenn Paraguay gewonnen hätte, hätte ich im Halbfinale für Deutschland gejubelt», sagt der Maschinenbaustudent. Das T-Shirt mit der Aufschrift «Sommermärchen 2.0» liege bereits im Schrank.
Auf den Leinwänden werden nun Beiträge gezeigt, in denen die spanischen Spieler Deutschland für die beste Mannschaft halten. Und dann macht sich wie angekündigt «Günther zum Günther». Jauch muss ein Schiedsrichter-Outfit anziehen mit Fußballmütze. Es war das letzte WM-Spiel, das RTL übertragen hat. Das Kommentatorenteam wird sich trennen, vielleicht nicht für immer. Denn schon vor der Übertragung sagt Jürgen Klopp: «Wenn Günther Jauch mal Hilfe braucht, kann er mich jederzeit als Telefonjoker einsetzen.»
cvd/news.de
Allerdings war "Tante Frieda" im Zweiten auch nicht besser: die kriegt beim Sprechen kaum die Zähne auseinander und erzählt zum größten Teil nur Schwachsinn: armes ZDF!
jetzt antwortenKommentar melden.. neben den Kommentatoren des 1. und 2. Prog. glänzte RTL mit einer Gurkentruppe. GROTTENSCHLECHT und nicht anzuhören, brillierten zwei Traumtänzer auf dem Fußballtruck. Was hilft dagegen? NUR ABSCHALTEN und sich diese Kommentare von RTL nicht antun! Nicht Adios Argentina, sondern Adios Jauch und Co.
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