Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Ein feuriger Liebhaber, ein Paar skandalöser Stöckelschuhe und zerwühlte Hotellaken sind das Salz in Lisas Ehe. Als ihr Mann der Amour fou auf die Schliche kommt, ist es zu spät: Der Kinofilm Der Andere handelt von einer rasanten Affäre.
Ein skandalöses Paar kirschroter Pumps sind der Nabel des Films Der Andere. Die Frau, die in die Stöckelschuhe schlüpft, steht zwischen zwei Männern und ist auch noch Schuhdesignerin. Ihren Alltag verbringt Lisa (Laura Linney) mit ihrem zuverlässigen aber etwas faden Mann Peter (Liam Neeson), mit dem sie seit 25 Jahren eine liebevolle Ehe führt. Hin und wieder gönnt sie sich zerwühlte Hotellaken und Sonnenuntergänge mit dem feurigen Ralph (Antonio Banderas).
Der Andere ist eine Verfilmung der Kurzgeschichte Liebesfluchten von Bernhard Schlink, Autor des Bestsellers Der Vorleser. Regisseur Richard Eyre entwirft eine Welt, die komplett auf die vermeintlichen Wünsche und Sehnsüchte von Frauen ausgerichtet ist: Luxuriöse Schuhe, ein italienischer Liebhaber, der sie zum Sonnenuntergang auf die Seeterrasse oder zu Bootsfahrten auf dem diesigen Comer See entführt - und als Auffangnetz ein selbstloser Ehemann, der von alldem nichts ahnt.
Es war eine Frage, mit der der Zweifel in Peters glückliche Ehe einzieht. Beim Candlelight-Dinner rückt Lisa damit heraus: «Wünscht Du Dir nicht manchmal, mit jemand anderen zu schlafen?» Ein Schnitt und dann ist Lisa weg. Zurück bleiben die roten Schuhe und darin findet Peter einen Zettel, auf dem die Worte «Comer See» geschrieben stehen.
Mit dem Zettel entdeckt der sanfte Gatte eine andere Seite an sich: Peter fährt das volle Eifersuchtsprogramm hoch. Auf ihrer Mailbox hört er eine sehnsuchtsvolle Männerstimme, auf ihrem Laptop einen passwortgeschützten Ordner mit verfänglichen Fotos der Amour fou. Einmal im Strudel der Recherche, kann er nicht mehr aufhören, bis er den Nebenbuhler aufgespürt hat.
«Ich sah die roten Highheels»
Ralph ist der Alptraum aller eifersüchtigen Männer: Wie aus dem Ei gepellt – im Dreiteiler mit Einstecktuch, schwarzgelocktes Haar, maronenfarbene Augen – schreitet er durch Mailand. Peter fordert den Konkurrenten zum Schachspiel heraus und eine bizarre Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden Männern. Ralph ahnt nicht, mit wem er es da zu tun hat und erzählt dem Fremden von seiner Affäre mit Lisa: «Ich sah diese roten Highheels und die Frau – für einen Moment sah ich nichts anderes als ihre Schuhe.» Auch wieder so etwas, das sich Frauen wohl vorstellen – in der Realität hätte der Mann sicher nicht auf die Schuhe geschaut.
Während in Peter die Eifersucht brodelt, humpelt im Film leider die Logik. Das liegt vor allem daran, dass Eyre in seinen Film eine unnötige überraschende Wendung einbaut. Hätte er die Karten gleich zu Beginn auf den Tisch gelegt, wie es Bernhard Schlink in der Originalgeschichte tut, hätten sich für den Zuschauer nicht so viele Irritationen ergeben. Die machen nämlich nicht neugierig, sondern verwirren nur.
Leider hängt die Story in der Mitte und die überraschende Wendung zum Schluss wirkt ziemlich bemüht. Das Happy End trägt zwar einen bitteren Beigeschmack, ist aber trotzdem unglaubwürdig. Den Ärger darüber lindern prachtvolle Bilder, die Lust auf einen Urlaub am Comer See machen und ein schöner Antonio Banderas.
Titel: Der Andere
Regie: Richard Eyre
Darsteller: Liam Neeson, Laura Linney, Antonio Banderas
Filmlänge: 88 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Koch Media
Filmstart: 1. Juli 2010