So., 27.05.12

Hart aber fair 01.07.2010 «Der muss jetzt mal seine Chance haben»

Hart aber fair (Foto)
Frank Plasberg sprach mit seinen Gäste über die Bundespräsidentenwahl. Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiter Torben Waleczek

Die Linken haben’s vermasselt und Christian Wulff wird diskriminiert: Das Bundespräsidenten-Drama bietet Stoff für eine aufgeregte Diskussion bei Frank Plasberg. Vier Erkenntnisse nach einem langen Wahltag.

Neun Stunden braucht die Bundesversammlung, bis Christian Wulff neuer Bundespräsident ist. Neun Stunden Wahlmarathon, ein Fest für Politjunkies. Wer auch am späten Abend noch nicht genug hat, der kann bei «Hart aber fair» vorbei schauen. Frank Plasberg unterbricht seine Sommerpause für eine erste Analyse der politischen Lage in Berlin.

Also, welche Erkenntnisse bringt dieser Tag?

Erstens: Politik kann auch Spaß machen.

Wann hat es zuletzt so viel Begeisterung gegeben wie im Vorfeld dieser Bundespräsidentenwahl? Im Zuge der Gauck-Mania war da plötzlich wieder Engagement und Leidenschaft, ein politisches Sommermärchen. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt berichtet von einem ICE irgendwo in Deutschland, eine Lautsprecherdurchsage nach dem zweiten Wahlgang - «Und dann sind die Leute im Zug aufgestanden und haben geklatscht.»

Auch Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges ist noch gänzlich enthusiasmiert, besondere Freude hat ihm Hildegard Hamm-Brücher bereitet: Die frühere FDP-Politikerin, für die Grünen als Wahlfrau im Reichstag, marschierte irgendwann zu der Linkspartei und trommelte da für den Kandidaten Gauck. Für das demokratische Miteinander eine wunderbare Sache, meint Jörges. Auch wenn es mit der Gauck-Wahl dann doch nicht geklappt hat.

Zweitens: Die Linken haben`s versemmelt.

Am Rande der Bundesversammlung gab es eine Premiere zu sehen. «Die SPD-Führung und die Linken-Führung haben zum ersten Mal auf Augenhöhe miteinander geredet», sagt Jörges. Das war’s dann aber auch schon. Bei der Abstimmung im dritten Wahlgang enthielten sich die allermeisten Linken-Abgeordneten. Die SED-Nachfolger konnten ihren Groll gegen Gauck nicht überwinden.

Bei Plasberg rechtfertigt Parteichef Klaus Ernst das Stimmverhalten seiner Leute mit den üblichen Argumenten: Gaucks Haltung zu Afghanistan und Hartz IV. Dass die Genossen Gauck seine Jagd auf Stasi-Spitzel bis heute noch übel nehmen - geschenkt.

Drittens: Merkel ist kräftig angeschlagen.

FDP-Mann Hermann-Otto Solms versucht, die Quälerei bis zum Wahlsieg von Christian Wulff schönzureden: Schließlich habe der Regierungskandidat von Wahlgang zu Wahlgang mehr Stimmen bekommen. Das stimmt zwar, trotzdem bleibt eine Schlappe für Angela Merkel. Die Kanzlerin wollte Wulff im ersten Durchgang ins Ziel bringen, ein Zeichen setzen für die Geschlossenheit ihrer Koalition.

Das aber ist gehörig missglückt. Merkel steckt nach der Wahl tiefer im Schlamassel als vorher. Selbst Solms sagt bei Plasberg: «Wir bräuchten mehr Führung.» Und die SPD-Politikerin Heide Simonis, in Sachen Wahlschlappen unglücklich vorbelastet, rüffelt den «Hochmut» der Kanzlerin, die Wahl schon als sicher verbucht zu haben.

Viertens: Man muss Christian Wulff eine Chance geben.

In einem Einspielfilm zeigt Frank Plasberg noch einmal den gemeinsten Satz der vergangenen Wochen. Der stammt vom SPD-Chef Sigmar Gabriel, der gesagt hat, Joachim Gauck könne ein ganzes Leben vorweisen, Christian Wulff nur eine politische Laufbahn. Jörges geißelt das erfreulicherweise als «zutiefst ungerecht» gegenüber Wulff und erinnert an die Geschichte des CDU-Manns: Wulffs Familie zerbrach, als er zwei Jahre alt war, später erkrankte seine Mutter an Multipler Sklerose, der Sohn übernahm die Pflege. Dass Wulff diese Story nicht politisch instrumentalisiert hat (viele andere hätten das getan), rechnet Jörges ihm hoch an.

Auch CDU-Mann Lothar Späth findet, dass Christian Wulff zuletzt «ein bisschen diskriminiert» wurde. Vor lauter Gauck-Begeisterung seien die Qualitäten des Niedersachsen schlicht übersehen worden: Ein ausgewiesener Kenner des politischen Betriebs sei Christian Wulff, und obendrein verstehe er etwas von Wirtschaft. «Der muss jetzt mal seine Chance haben», sagt Späth. «In ein paar Monaten bekommt er dann unglaubliche Rückendeckung von der Bevölkerung.»

 

cvd/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Brasilianer
  • Kommentar 1
  • 02.07.2010 14:37
 

Was soll denn der arme Bundespräsident ohne Kompetenz für eine Chance haben ,diese Frage muss mal jemand beantworten - er kann ein freundliches Gesicht machen das Volk zu Geschlossenheit aufrufen ein harmonisches Familienleben im Schloss Bellevue zeigen -verdiensvollen Bürgern die Hand schütteln - aber WEHE - er fängt an die Regierung zu stark zu kritisieren oder gar zu behaupten das der Willen des SOUVERÄNS - Volk den er zu vertreten hätte missachtet wird ,siehe Afghanistankrieg,der Millionen kostet um nur eins zu nennen ,könnte man in vielen Punkten fortsetzen Also was solls

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