Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Er ist Hollywoods heimlicher Star, denn kaum einer erkennt ihn auf der Straße. Dabei hat Mark Ruffalo schon in etlichen wichtigen Filmen mitgespielt. So auch in 30 über Nacht an der Seite von Jennifer Garner, der heute Abend auf Sat.1 läuft.
Mark Ruffalo ist ein Phänomen. Mark, wer?, werden sich jetzt viele fragen. Na, Mark Ruffalo eben, der gutaussehende Typ mit den braunen Locken und dem charmanten Lächeln, der als Undercover Cop von Killer Tom Cruise in Michael Manns L.A.-Mord-Odysee Collateral (2004) erschossen wurde und das Herz von Gwyneth Paltrow in Flight Girls (2003) höher schlagen ließ. Ah, der Mark Ruffalo, werden jetzt viele sagen. Genau deswegen ist er ein Phänomen. Denn der Schauspieler hat schon in so vielen bedeutenden Hollywood-Produktionen mitgewirkt, dass ihn eigentlich die halbe Welt kennt. Nur eben nicht erkennt.
Zum einen liegt das sicherlich daran, dass er in seinen Filmen eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit an den Tag legt. Mal ist er mit Vollbart und Bauchansatz zu sehen, mal gibt er den glattgestriegelten Schönling. Ruffalo kann Serienkiller (Zodiac, 2007) jagen, als Gefreiter für sein Vaterland kämpfen (Windtalkers, 2002) oder als computerverrückter Techniker (Vergiss mein nicht, 2003) Liebeskummer aus Gehirnen löschen.
Ruffalo stehen jedoch auch die Rollen als Liebhaber, bester Freund oder Ehemann, die er schon in etlichen Filmen spielen durfte. 2001 bezirzte er Meg Ryan in dem Thriller In the Cut, 2002 war Naomi Watts in dem Drama We don’t live here anymore an der Reihe und 2004 stand er der todkranken Sarah Polley in dem Drama Mein Leben ohne mich zur Seite. Ein Mann für alle Fälle eben, und für alle Arten von Rollen.
Heute Abend (1. Juli, 20.15 Uhr, Sat.1) ist Mark Ruffalo in 30 über Nacht zu sehen – jener US-Komödie, in der Jennifer Garner eines Morgens als eine 30-Jährige namens Jenna mit genau der Seele aufwacht, die sie als 13-Jährige hatte. Innerlich noch Teenie, staunt Jenna über ihren Busen und ihren Job bei einem Modemagazin. Die Geschichte erinnert ein wenig an Freak Friday oder Big mit Tom Hanks und ist damit nicht ganz neu, sie sorgt aber für einen amüsanten Fernsehabend. Dazu tragen Gags wie das Aufmöbeln einer Schickimicki-Party im Jahr 2004 mit der Zombie-Choreographie aus Michael Jacksons Thriller-Video und die kleinen, durchaus subtilen Momente bei, in denen Jennifer Garner etwa einen halben Tag in ihrem Seiden-Nachthemd durch New York stapft und keiner auch nur ein Sterbenswörtchen dazu verliert.
Der größte Pluspunkt des Films aber ist Mark Ruffalo, der Jennas mitgealterten Kindheitsfreund Matt gibt. Es ist zwar nur eine kleine Rolle, aber Ruffalo füllt sie mit einer derart erfrischenden Leichtigkeit aus, neben der Garners komödiantische Fähigkeiten fast schon verblassen. Zu recht geht es seitdem stetig bergan mit seiner Karriere.
Zuletzt sah man den 42-Jährigen in so unterschiedlichen Filmen wie Fernando Meirelles Bestseller-Verfilmung Die Stadt der Blinden mit Julianne Moore, neben Joaquin Phoenix und Jennifer Connelly in dem Drama Ein einziger Augenblick , an der Seite von Ethan Hawke und Amanda Peet in What doesn´t kill you sowie in David Finchers Zodiac – Die Spur des Killers mit Jake Gyllenhaal und Robert Downey junior. Abgedreht hat er außerdem das Drama Margaret mit Matt Damon und Anna Paquin, Spike Jonzes Kinderbuch-Adaption Wo die wilden Kerle wohnen sowie Martin Scorseses Werk Shutter Island, in dem er Anfang des Jahres an der Seite von Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Michelle Williams zu sehen war.
Doch das Leben von Mark Ruffalo war nicht immer so beschaulich: Nach einem Studium an der berühmten Schauspielschuile Stella Adler Conversatory zieht es ihn zunächst auf die Theaterbühne. Zwischen 1990 und 1999 spielte er mehr als 30 Rollen und schrieb sogar selbst einige Stücke. Doch zum Leben reichte sein Gehalt hinten und vorne nicht, so dass er nebenbei noch als Kellner arbeiten musste. Zwar war er während dieser Zeit auch in einigen unbedeutenden Filmproduktionen zu sehen und sprach für rund 800 Rollen vor. Dennoch blieb er ganze neun Jahre lang vor den Toren der glitzernden Glamour-Welt. Erst im Jahr 2000 folgte der Durchbruch; Kenneth Lonergan feierte mit You can’t count on me sein Regiedebüt und Mark Ruffalo brillierte in der Rolle als Taugenichts-Bruder von Hauptdarstellerin Laura Linney.
Nur ein Jahr später wurde der Schauspieler erneut auf eine harte Probe gestellt: Ärzte diagnostizierten ihm einen Hirntumor. Zwar verlief die Operation erfolgreich, doch eine seiner Gesichtshälften blieb monatelang gelähmt. Für ein gutes Jahr musste sich Mark Ruffalo komplett von der Schauspielerei zurückziehen. Er verlor alle Rollenangebote, darunter auch eine Hauptrolle in dem Film Signs – Zeichen, die an Joaquin Phoenix ging.
Ende des Jahres 2008 ging Ruffalo noch einmal durch eine schwere Zeit: Scott Ruffalo, sein jüngerer Bruder, soll sich unter Drogeneinfluss beim Russisch Roulette selbst in den Kopf geschossen haben. Tage später starb der Hairstylist an den Folgen der Verletzung.
Kraft und Halt findet Ruffalo bei seiner Familie. Er ist seit Juni 2000 mit der französisch-amerikanischen Schauspielerin Christina Sunrise Coigney verheiratet und hat drei Kinder. Auf dem Roten Teppich sieht man den Familienvater eher selten; anstatt zu Partys oder Premieren zu rennen und sein Gesicht in jede Kamera zu halten, verbringt er seine freie Zeit am liebsten bei ausgedehnten Fahrradtouren.
Neben der Schauspielerei widmet sich Ruffalo auch dem Schreiben, Inszenieren und Produzieren. Sein Regiedebüt Sympathie for delicious, eine mit Orlando Bloom, Laura Linney, Juliette Lewis und ihm selbst besetzte Tragikomödie, ist bereits abgedreht. Am liebsten sehen ihn seine Fans aber selbst auf der Leinwand. Für Ruffalo ist das Schauspielen mehr Berufung als Beruf: «Ich wurde Schauspieler, damit ich nicht ich selbst sein muss», sagt er.
30 über Nacht, 1. Juli, 20.15 Uhr, Sat.1
reu/news.de