Surftipp «Deine Schwester, diese Nutte!»

Zidane (Foto)
Zidanes Kopfstoß im WM- Endspiel Italien - Frankreich in Berlin gegen Marco Materazzi. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Fußballer werfen sich gerne mal die ein oder andere Beleidung an den Kopf. Der Zuschauer aber versteht nur selten, was da gesagt wird. Lippenlesen müsste man können, oder? Oder jemanden kennen, der das für einen übernimmt. Unser Surftipp zeigt die Lösung.

Es ist eine Szene, die sich in das Gedächtnis gebrannt hat: Zinedine Zidane, einer der größten Fußballer Frankreichs, und der Italiener Marco Materazzi gehen aufeinander zu, es folgt ein elfsekündiger Wortwechsel, dann das Unfassbare: Zidane streckt Materazzi mit einem gezielten Kopfstoß zu Boden, der Franzose sieht Rot, Italien wird Weltmeister.

Doch was haben die beiden bloß gesprochen, bevor es zum Eklat kam? Die Schweizer Boulebardzeitung Blick hat das mit einer Lippenleserin rekonstruiert: Die entscheidenden Sätze Materazzis waren: «Deine Schwester, diese Nutte» und «Ich spalte dir den Arsch».

Auch bei dieser WM gab es bereits einige Szenen, in denen man gerne gewusst hätte, was auf dem Platz so alles gesprochen wird. So soll der Franzose Nicolas Anelka seinem Trainer Raymond Domenech ein wütendes «Va t'enculer, sale fils de pute» entgegengeschleudert haben, nur unzureichend ins Deutsche übersetzbar mit «Fick dich in den Arsch, du Hurensohn», ein Satz, den die französische Sportzeitung L'Equipe groß auf der Titelseite brachte.

In den meisten Fällen aber bleibt der Zuschauer ratlos. Lippenlesen ist eine hohe Kunst, die meist nur Menschen beherrschen, die mit Hörgeschädigten arbeiten oder leben, und so greift nicht selten das große Rätselraten um sich, wenn mal wieder geflucht, gejammert oder beleidigt wurde.

Die Bloggerin Jule aber kann Lippenlesen, sie ist taub. Und bei der WM tut sie es manchmal sogar öffentlich, per Twitter. Dafür kann man ihrem Account @EinAugenschmaus folgen oder Tweets nach dem Hashtag #Ableseservice filtern, mit dem sie ihre Einträge verschlagwortet. Zusammenfassungen der Spiele stellt sie – ebenso wie viele interessante Informationen und Links zum Lippenlesen, nachträglich auf ihr Blog, sodass wir inzwischen beispielsweise wissen, dass beim Spiel gegen Ghana alle deutschen Spieler, die die Nationalhymne gesungen haben, auch wirklich den Text konnten oder dass Bastian Schweinsteiger Toni Kroos gewarnt hat: «Behalt Kevin-Prince im Blick.»

Nicht immer aber funktioniert das Lippenlesen, selbst für Jule nicht. Bei manchen Unterhaltungen halten sich Fußballer sogar die Hand vor den Mund (bei einer Champions-League-Begegnung zwischen Thierry Henry und Franck Ribéry etwa), um selbst Lippenlesen unmöglich zu machen, manchmal stehen die Spieler oder Trainer einfach ungünstig, manchmal spielen die Kameras nicht mit.

Offenbar kommt das Angebot der Bloggerin schon so gut an, dass ihr bereits empfohlen wurde, damit doch ihr Geld zu verdienen. Ob das jemals klappt? Am Donnerstag jedenfalls twitterte sie: «Ha, @ennomane – du hast doch gesagt, ich könnte mit der Ableserei Geld verdienen. Weißte, wer grad auf mein Blog geguckt hat? Das Finanzamt!»

ruk/ivb/news.de

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