Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Zwischen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Michael Seemann, einem ihrer Blogger, ist es zum Eklat gekommen – sein Blog zumindest ist seit Donnerstag offline. Viele Blogger sind ratlos, einige wütend. Die Redaktion der FAZ hat inzwischen Stellung genommen.
Im Streit mit einem ihrer Blogger, Michael Seemann, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sein Blog CTRLVerlust vom Netz genommen. Seemann hatte darin unter dem Namen mspro über den Kontrollverlust der User über ihre Daten im Netz geschrieben.
Einer Stellungnahme Seemanns zufolge hatte er zuletzt einen Artikel «über Apple und den Computer an sich» mit Bildern versehen, die er nicht hätte verwenden dürfen, woraufhin zunächst nur der Artikel wieder entfernt worden war. Er habe dann «den Beitrag einfach noch einmal veröffentlicht. Mit einem kleinen Hinweis, dass dies eine wieder veröffentlichte Version ist, weil bei der anderen die fehlenden Bildrechte beanstandet wurden». Die Reaktion der FAZ.net sei die «sofortige, komplette Sperrung und Verbannung des Blogs aus dem Redaktionssystem» gewesen. Er sei erschrocken und wütend über die Reaktion, könne sie nicht nachvollziehen und protestiere schärfstens dagegen.
Frank Schirrmacher, bei der FAZ zuständig für das Blog von Michael Seemann, war auf Anfrage von news.de für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dem Blog Carta jedoch schickte FAZ-Redakteur Fridtjof Küchemann eine schriftliche Stellungnahme, in der es heißt: «Entgegen redaktioneller Absprache hat Herr Seemann diesen Beitrag kurze Zeit später durch eine Version ohne Fotos ersetzt und ohne Rücksprache auf der Homepage von FAZ.net publiziert.» Daraufhin habe die Redaktion sein Blog vorübergehend gesperrt. Sie habe sich gezwungen gesehen, die Bildrechte an sämtlichen Fotos zu überprüfen und etwaige nachträgliche Veränderungen für den Fall zu verhindern, dass der Verlag mit Rechteansprüchen konfrontiert werden würde.
Allerdings habe Seemann zu diesem Zeitpunkt den Vorgang bereits per Twitter kommentiert und ihm damit «eine Wendung ins Grundsätzliche gegeben. Wir bedauern das sehr, sehen darin aber allenfalls einen persönlichen und keinen systematischen Konflikt.» Im übrigen könne Seemann, wie ihm mitgeteilt worden sei, «nach der Prüfung auf etwaige andere Urheberrechtsverstöße an Bildern jederzeit über seine Inhalte verfügen und sie auf der eigenen Website publizieren.» Zuvor hatte es mehrfach besorgte Äußerungen einiger Blogger und auch Michael Seemanns selbst gegeben, die Artikel könnten durch die Löschung für die Öffentlichkeit verloren sein. Von vielen Bloggern werden sie als wichtiger Teil zur Diskussion über den Umgang mit den neuen Medien gezählt. Klaus Graf hatte auf Archivalia geschrieben: «Selbst wenn die FAZ sich vertraglich ausschließliche Nutzungsrechte hat einräumen lassen, hat sie eine Nutzungspflicht. Wenn sie dieser nicht nachkommt, kann nach § 41 UrhG das Nutzungsrecht wegen Nichtausübung zurückgerufen werden.»
DonAlphonso, ebenfalls FAZ-Blogger, schreibt zu dem Vorfall: «Es gab in der Frage der Urheberrechte nach mehr als nur einem solchen Fall vor ein paar Tagen eine unmissverständliche Mail an alle Blogautoren der FAZ, in Zukunft die Bildrechte vorab zu klären und nur noch Bilder entweder aus dem Haussystem oder aus der eigenen Kamera zu nehmen. Daran war nichts falsch zu verstehen, es ging nicht um ‹besser aufpassen›, sondern um absolut klare Vorgaben.» Dann aber noch «eine Welle zu machen und zu winseln, damit alle Kumpels Solidaritätsbekundungen ablassen, Kumpels, die über jeden Journalisten herfallen würden, der sich bei Flickr seine Bilder zusammenklaut, aber in diesem Fall statt dessen meinen Arbeitgeber beschimpfen, auf diese Art und Weise die Bloggerei bei der FAZ in Misskredit bringen – wenn ich das alles mache, dann sollte ich mich nicht wundern, wenn andere nicht gerade Verständnis für meine Lage aufbringen.»
Auf anderen Blogs und auf Twitter regt sich derweil Widerstand gegen die Löschung des Blogs. Inzwischen hat sich auch eine Facebook-Gruppe mit dem Titel Wir wollen den CTRLVerlust zurück gegründet, die bis zum Nachmittag 150 Mitglieder hatte.
voc/ivb/news.de