Von news.de-Mitarbeiterin Christin Bohmann
Südafrika ist ein Land der schroffen Gegensätze. Umso mehr Überwindung kostete es, diese für die Fußball-Weltmeisterschaft zu vereinen. Unser heutiger Clip-Tipp erzählt mit einem Augenzwinkern, wie das geht.
Knapp zwei Wochen wird nun schon in den südafrikanischen Stadien gespielt. Dank exotischer Kulissen, spannender Spiele und sympathischer Gastgeber ist die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft auf dem besten Weg, ein rundum gelungenes Fußball-Fest zu werden.
Lang und steinig war der Weg, den das Land am Kap der guten Hoffnung zurücklegen musste, um sich den internationalen Anforderungen an solch ein sportliches Großereignis stellen zu können. Europa und der Rest der Welt befürchteten, die WM-Stadien könnten nicht rechtzeitig fertig werden, die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen würden nicht bis zum offiziellen Anpfiff getroffen. Umso größer war schließlich die internationale und nationale Begeisterung, als sich Südafrika in den letzten Wochen als fähiger und sympathischer Gastgeber erwies.
Grund genug für die Südafrikaner, den gemeisterten Kraftakt ausgiebig zu feiern. Die Fußball-Weltmeisterschaft als erste auf dem schwarzen Kontinent wird von vielen Südafrikanern als Sieg über ihre eigene leidvolle Geschichte gedeutet – als Überwindung von sozialen Gegensätzen und noch immer herrschenden Vorurteilen, die sowohl die eigene Geschichte als auch das internationale Urteil über den WM-Gastgeber betreffen.
Denn auch 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika sind die Mauern in den Köpfen der Menschen noch nicht abgebaut. Zwar haben Schwarze und Weiße auf dem Papier gleiche Rechte, doch wird deren natürliche Anwendung noch immer durch die Barrieren sozialer Ungerechtigkeit behindert. Besonders die Schere zwischen der ärmeren schwarzen Bevölkerungsschicht und den besser situierten Weißen nährt das Konfliktpotenzial.
In einer besonders originellen Form setzt sich unser heutiger Clip-Tipp mit den rivalisierenden Gegensätze von Schwarz und Weiß auseinander. In einem märchenhaften Erzählgestus erklärt die Stimme aus dem Off dem Zuschauer, wie das runde Leder zu seinem klassischen schwarz-weißen Aussehen kam und offenbart, dass die Geschichte des Fußballs in Südafrika tatsächlich einem (Sommer-)Märchen gleicht – jedoch nicht ohne die imposante Selbstgefälligkeit des Sports aufs Korn zu nehmen.
Denn hier geht es um ein ehrbares Spiel, das vom fairen Kampf zwischen zwei Mannschaften lebt. Da nützt es nichts, wenn das schwarze Fußball-Team einen ebenso schwarzen Ball will und auch die weiße Mannschaft ebenso rücksichtslos einen weißen Ball fordert – und beide sich stur abwenden, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. «It takes both sides to get the ball rolling» (dt. Es braucht beide Seiten, um den Ball rollen zu lassen) heißt es am Ende des Videos, und könnte glatt zum universellen Fußball-Motto erhoben werden. Südafrika jedenfalls beweist dieser Tage, dass es die Moral von der Geschichte durchaus verstanden hat.
bla/ivb/news.de