Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Regisseur Helmut Dietl nutzte 1986 seine intimen Kenntnisse der Münchner Bussi-Gesellschaft für eine TV-Satire: Die Serie Kir Royal um den Klatschreporter Baby Schimmerlos war ein Riesenhit und ist auch heute noch sehenswert. News.de erklärt, warum.
Sektflöten rochieren im Walzertakt vor knallig rotem Hintergrund. Hier und da stoßen sie miteinander an. Mit diesen Bildern beginnt der Vorspann zu Kir Royal und resümiert so in wenigen Bildern die Quintessenz der sechsteiligen Kultserie aus den 1980er Jahren. Denn die Gläser sind mit Kir Royal gefüllt, jenem perlenden Lieblingsaperitif von Klatschreporter Baby Schimmerlos.
Was Baby gefällt, wird alsbald zum Gebot für die Münchner Gesellschaft. Als berühmt-berüchtigter Klatschkolumnist der «Münchner Allgemeinen Tageszeitung» gleitet er elegant über das Parkett der oberen Zehntausend. Stets auf der Suche nach neuen Schlagzeilen begegnen und suchen ihn schillernde Lokalprominente und umschwärmen ihn nach Anerkennung lechzend. Geschniegelte Industrielle, selbstverliebte Schauspieler und skrupellose Politiker: Sie alle lieben und belügen Baby ganz nach Belieben.
Doch wer reinkommt in die «MATZ», mit Bild natürlich, das bestimmt nur Baby ganz allein. Er flirtet mir dem Geldadel und genießt den Glamour und die Privilegien, behält jedoch immer ein Quentchen Gefühl für die Selbstachtung. Doch der im Kern seines Wesens ehrliche Mensch reibt sich immer mehr an Gier und Bigotterie des Münchner Provinz-Jet-Sets – und verliert am Ende alles.
Als die erste Kir-Royal-Folge im September 1986 im Ersten lief, überschlugen sich die Kritiker vor Lob. Und heute? In Zeiten weichgespülter Programmhomogenie ist Kir Royal ein interessantes Zeugnis bissiger TV-Unterhaltung und deshalb immer noch sehenswert. Der Erfolg beruht einerseits auf den Dialogen, die aus den Federn von Regisseur Helmut Dietl und Bestsellerautor Patrick Süskind (Das Parfum) stammen. Sie geben treffsicher Lokalkolorit und die Stimmung der Bussi-Bussi-Gesellschaft wieder, die in Dekadenz und Heuchelei zu versinken droht.
Auf der anderen Seiten trugen die hervorragenden Darsteller zum Erfolg der Serie bei: Franz Xaver Kroetz als eigensinniger Reporter, Senta Berger als Freundin Mona und Dieter Hildebrandt als zynischer Fotograf Herbie hauchen ihren Figuren Leben ein und machen sie zu, wenn auch satirisch überzeichneten, glaubwürdigen Charakteren. Neben den Hauptrollen sind auch die Randfiguren bestens besetzt. Mario Adorf, Marianne Hoppe und Udo Kier sind hierfür nur einige namhafte Beispiele.
Dietl arbeitet derzeit an einer Neufassung von Kir Royal fürs Kino. Ohne Kroetz, denn der hat sich offensichtlich mit dem Regisseur zerstritten, weil beide unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, wie es weitergehen sollte mit Baby Schimmerlos. Nun soll Michael (Bully) Herbig die Hauptrolle spielen, die sich in dem Satirefilm vom Chauffeur zum Journalisten hocharbeitet.
Mit von der Partie sind wieder Dieter Hildebrandt als Fotograf, Senta Berger, die diesmal einen Volksmusikstar gibt, Harald Schmidt als der schwäbische Ministerpräsident und Christoph Süß als bayerischer Gewerkschaftsboss. Am Drehbuch arbeitet Benjamin von Stuckrad-Barre mit, die Handlung spielt nicht mehr in München, sondern in Berlin. Berlin Mitte lautet der Arbeitstitel. Man darf darauf gefasst sein, dass Dietl diesmal Politiker und andere Prominente aus dem Dunstkreis der Macht in der Hauptstadt ins Visier nimmt.
Kir Royal, ab dem 22. Juni, 20.15 Uhr, 3sat
reu/news.de