Keine Ruhe für Michael Jackson
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Von Barbara Munker und Gisela Ostwald
Artikel vom 25.06.2010
Heute vor einem Jahr hielt die Welt den Atem an: Michael Jackson in Lebensgefahr? Ein Notruf aus seiner Villa? Mit Rotlicht ins Krankenhaus? Herzstillstand? Wie Bomben schlugen im Minutentakt die Meldungen ein.
Es war der 25. Juni, in Deutschland kurz vor Mitternacht, als der Internetdienst tmz.com um 14.20 Uhr Ortszeit die Schocknachricht verbreitete: «Michael Jackson gestorben». Selbst die Gerichtsmediziner waren sechs Minuten später dran: Um 14.26 Uhr (23.26 Uhr MESZ) wurde der «King of Pop» von der Ärzten der Uniklinik in Los Angeles offiziell für tot erklärt.
Nach Berichten der Rettungssanitäter atmete Jackson schon beim Eintreffen der Ambulanz nicht mehr, Wiederbelebungsversuche blieben vergeblich. Jackson, einer der größten und schillerndsten Stars aller Zeiten, starb im Alter von nur 50 Jahren, nur wenige Wochen vor seinen geplanten Comebackshows, bei denen er noch einmal zeigen wollte, dass er der wahre «King of Pop» ist.
Sein plötzliches Ableben sandte Schockwellen rund um die Welt. Fassungslose Fans weinten auf den Straßen, summten Thriller, Beat It und Billie Jean und imitierten seinen legendären Moonwalk. «Ich kann nicht aufhören, über diese traurige Nachricht zu weinen», trauerte Pop-Diva Madonna. «Es ist solch ein massiver Verlust auf so vielen Ebenen - mir fehlen die Worte», stammelte Jacksons Ex-Ehefrau Lisa-Marie Presley.
Im Internet kam es zu einem wahren Erdbeben. Die Server von tmz.com brachen zeitweise unter der Last der Anfragen aus dem Web zusammen. Im Sekundentakt sendeten Twitter-Anwender News, Gerüchte, Kondolenzbekundungen und Kommentare in ihren «Tweets» und brachten den Dienst an den Rand des Absturzes. Auch die Charts reagierten prompt. Neun Alben und 24 Singles standen direkt nach Jacksons Tod in den deutschen Top 100.
Wie eine Horrorrezeptur aus der Schmerzapotheke las sich das Polizeiprotokoll über die letzten Stunden im Leben des Popstars: 1.30 Uhr: Jackson kann nicht einschlafen und erhält von seinem Privatarzt Dr. Conrad Murray zehn Milligramm Valium, um 2 Uhr spritzt er Mittel gegen Unruhe und Angstzustände, um 3 Uhr ein weiteres Beruhigungsmittel. So geht es weiter bis zum Vormittag, als Murray auf Jacksons angebliches Drängen hin das Narkosemittels Propofol injiziert, danach Atemstillstand.
Die Schlagzeilen rissen monatelang nicht ab, schon deshalb, weil sich die Spanne von Jacksons Tod bis zur Bestattung im September über zehn Wochen hinzog. Da waren die Spekulationen um die Ursache seines Todes, das Rätsel um seinen Leichnam, die Grabstätte, der Streit in der Familie Jackson und das Sorgerecht für die Kinder Prince, Paris und Blanket, jetzt 13, 12 und 8 Jahre alt, die gemäß Testament der Matriarchin des Jackson-Clans, Katherine (80), zugesprochen wurden.
30 Millionen verfolgen die Trauerfeier
Die Trauerfeier im Staples Center im Juli fesselte allein in den USA über 30 Millionen Menschen an den Fernseher. Angehörige, Freunde und Superstars wie Mariah Carey, Lionel Richie und Stevie Wonder sagten dem Toten - in einem vergoldeten Sarg gebettet - ein letztes Goodbye. Nelson Mandela bezeichnete Jackson in einem verlesenen Grußwort als einen «Giganten». Alle weinten, als Tochter Paris auf der Bühne schluchzte: «Daddy war der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Ich wollte nur sagen, dass ich ihn so sehr liebe.» Chaos, Krawalle und der befürchtete Ansturm von Hunderttausenden, die ihrem Idol nahe sein wollten, waren ausgeblieben.
Am 29. August 2009 feierten Fans rund um den Globus den Tag, an dem Jackson 51 Jahre alt geworden wäre. Nur 24 Stunden zuvor hatten die Gerichtsmediziner in Los Angeles den amtlichen Befund der Obduktion vorgelegt: Eine «akute Vergiftung» mit dem Narkosemittel Propofol, dessen Wirkung durch Beruhigungsmittel noch verstärkt wurde, löste sein Herzversagen aus. Am 3. September wurde Jackson auf dem Prominenten-Friedhof Forest Lawn Memorial Park in Glendale bei Los Angeles zu Grabe getragen. Nur die trauernde Familie und geladene Gäste waren dabei. Hollywood-Diva Elizabeth Taylor sprach vielen Trauernden aus dem Herzen, als sie jammerte: «Wir sollten eigentlich nicht hier sein müssen» und «Das hätte nicht passieren dürfen.»
Jacksons Promoter erweckten den «King of Pop» Ende Oktober noch einmal zum Leben. In dem Musik-Dokumentarfilm This Is It brilliert Jackson als mitreißender Tänzer und Sänger, der seinen berühmten Moonwalk noch genauso perfekt darbietet wie vor Jahrzehnten. Das Videomaterial stammte von Proben zu der geplanten Konzertserie in London, nur wenige Wochen und Tage vor seinem Tod. Vielleicht hätte Jackson der Welt noch einmal zeigen können, dass er immer noch in der Lage ist, auf der Bühne Übermenschliches zu leisten. Der frühe Tod des Superstars hat die Schlagzeilen über «Whacko Jacko» (verrückter Jacko), über sein maskenhaft operiertes Gesicht, über Millionenschulden und frühere Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in den Hintergrund gedrängt.
nak/car/ivb/news.de/dpa
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