Von wegen die WM boomt. Millionen Fernsehzuschauer in Deutschland haben lieber die schwedische Traumhochzeit von Kronprinzessin Victoria verfolgt. Dabei hatten mehrere Nachrichtenagenturen das Event wegen zu strenger Auflagen boykottiert.
Das deutsche TV-Publikum hat sich am Samstagnachmittag mehr für die Märchenhochzeit von Schwedens Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling als für WM-Fußball interessiert. Durchschnittlich 6,99 Millionen Zuschauer verfolgten ab 13.50 Uhr die mehr als sechsstündige Übertragung aus Stockholm und brachten dem ZDF damit einen Marktanteil von 36,6 Prozent.
Die WM-Begegnung zwischen den Niederlanden und Japan schalteten ab 13.30 Uhr im Ersten 5,33 Millionen Zuschauer (33,5 Prozent) ein, das 16-Uhr-Spiel zwischen den deutschen Gruppengegnern Australien und Ghana sahen im Schnitt 6,91 Millionen (33,4 Prozent).
Bei den Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren lag hingegen der Fußball vorn: 2,25 Millionen (36,2 Prozent) sahen Niederlande - Japan, 3,18 Millionen (41,1 Prozent) verfolgten Australien-Ghana. Für das schwedische Traumpaar interessierten sich dagegen nur 1,41 Millionen (19,6 Prozent) junge Zuschauer.
Nachrichtenagenturen rufen zum Boykott auf
Derweil hat die Vermählung eine beispiellose internationale Debatte über Pressefreiheit ausgelöst. Die großen internationalen Nachrichtenagenturen Associated Press (AP), Reuters and Agence France-Presse (AFP) verzichteten wegen Auflagen des exklusiven Rechteinhabers, dem schwedischen Fernsehsender SVT, auf eine Berichterstattung in Wort und Bild.
Im Kern ging es um die Veröffentlichung von Fernsehbildern, die SVT weltweit mit Auflagen verknüpfte. Viele Zuschauer in Europa und den USA hätten Videos von der Hochzeit nur mit mehrstündiger Verspätung nach dem Jawort von Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling sehen können.
Die drei internationalen Nachrichtenagenturen veröffentlichten gemeinsam eine an das Königshaus und SVT gerichtete Protestnote. Die Auflagen seien unzumutbar. Nachdem keine Lösung erzielt wurde, sagten die drei Nachrichtenagenturen die komplette Berichterstattung ab.
Berichterstattung war unzumutbar
«Die Auflagen dieses nachrichtenwürdigen Ereignisses beziehen sich nur auf Video», erklärte AP-Chefredakteurin Kathleen Carroll. «Wenn aber die Video-Berichterstattung unzumutbar eingeschränkt wird, können wir über das Ereignis in keinem Format berichten. Keine Texte und keine Bilder.»
Reuters erklärte, es sei wegen des Fernsehrechtestreits auf die Berichterstattung verzichtet worden. «Reuters bedauert diese Entwicklung. Reuters bleibt aber der Pressefreiheit verpflichtet und schützt die Interessen und Rechte auf Berichterstattung unserer globalen Kundschaft», hieß es in einer Erklärung.
AFP teilte in einem Redaktionshinweis mit, dass eine Berichterstattung «wegen Beschränkungen des öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehens SVT entfällt». Die schwedische Nachrichtenagentur TT zitierte die SVT-Pressechefin mit den Worten: «Die haben Nerven.»
Privatsender ausgeschlossen
SVT hatte den exklusiven Zugang zur Trauung und wollte die Filmaufnahmen, die darüber außerhalb Schwedens gezeigt werden können, mit strengen Auflagen belegen. Die Nachrichtenagenturen erklärten, die Hochzeit sei ein Staatsereignis nationaler und gesellschaftlicher Bedeutung und sollte als Nachrichtenereignis behandelt werden - mit annehmbaren Zugang für ihre Journalisten.
«Die königliche Hochzeit fällt nicht in die Kategorie von Sport oder Entertainment», erklärte Reuters-Sprecherin Nicole Courtney-Leaver. «Es ist ein Ereignis von historischer Bedeutung und die Berichterstattung darüber sollte mit Auflagen und kommerziellen Forderungen versehen werden wie private, von Sponsoren kontrollierte Ereignisse dieser Art (in Sport und Entertainment).»
SVT verbot umgehend den Nachrichtenagenturen, Filmaufnahmen von der Hochzeit an Privatfernsehsender in Europa und Nordamerika zu senden. Sie könnten aber eine kurze Zusammenfassung der Zeremonie 48 Stunden lang benutzen.
Deutschland-Spiel bleibt unantastbar
An eine Quote kam das königliche Ereignis übrigens nicht heran: Das Freitagsspiel Deutschland gegen Serbien sahen bundesweit mehr als 22 Millionen Zuschauer. Das bescherte dem ZDF einen sensationellen Marktanteil von 84,8 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen verfolgten 9,54 Millionen (87,2 Prozent) die 0:1-Niederlage der Deutschen gegen Serbien.
cvd/news.de/ap/dpa/ddp
Der überaus hohe Marktanteil der Fernsehzuschauer gestern war nicht nur eine Sympathiekundgebung des deutschen Publikums für die reizende Kronprinzessin Victoria, die ja selbst halbe Deutsche ist. Die hohe Einschaltquote ist für mich eindeutig und unmissverständlich eine Art Manifest, eine (stille) Demonstration FÜR die Monarchie … in Deutschland! Niemand kann mir mehr weis machen, dass ich ein Ewiggestriger bin, nur weil ich die Monarchie jeder Art von Republik vorziehe. Und ich wurde gestern in meiner Meinung MEHR als bestätigt: Monarchie tut dem Volk gut und bringt dem Volk viele Vorteile!
jetzt antwortenKommentar meldenGloria Viktoria lyckönskan på din mest härliga blomma för prince Du av Sverige.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Hochzeit des Jahres war das Ereignis überhaupt und die Begeisterung der schwedischen Menschen und vieler ausländischer Touristen sprechen eine Sprache der Zustimmung zu ihrer Monarchie. Ich hoffe sehr, daß vielen Deutschen Sehnsüchte nach einer eigenen modernen Monarchie entstanden sind. Und gab es ein ähnliches Ereignis eines hohen Politikers bei uns, der mit seiner Hochzeit eine solche Volksstimmung verursacht hat? Nein - das kann nur das Königshaus vermitteln.
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