Von news.de-Redakteurin Nadine Kotré, Berlin
Der Freitagnachmittag stand im Zeichen des zweiten WM-Spiels der deutschen Mannschaft. Zur gleichen Zeit stellten in Berlin Kristen Stewart und Taylor Lautner die dritte Verfilmung der Twilight-Saga vor. Nur einer durfte nicht dabei sein - egal wie.
Was machten die Menschen in Deutschland gestern um 13.30 Uhr? Das zweite Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Sudafrika schauen. Nun ja, natürlich nicht alle. Zur gleichen Zeit saßen nämlich über hundert Journalisten in einem Konferenzraum eines Berliner Luxushotels und warteten auf zwei der aktuell populärsten Jungschauspieler der Welt: Kristen Stewart und Taylor Lautner. Beide sind nach Berlin gekommen um Eclipse - Bis(s) zum Abendrot, den dritten Teil der Twilight-Saga, vorzustellen. Der Dritte im Bunde, Edward-Darsteller Robert Pattinson, steht momentan für die Literaturverfilmung von Water for Elephants an der Seite von Reese Witherspoon und Christoph Waltz in Los Angeles vor der Kamera und konnte Stewart und Lautner nicht begleiten.
Während das Fußballspiel pünktlich beginnt, verzögert sich die Pressekonferenz. IPhones, Blackberrys und andere Smartphones werden aus den Taschen geholt und das Spiel der Deutschen gegen Serbien per Live-Ticker verfolgt. Ein Journalist ist der König unter den Anwesenden - er hat ein tragbares Mini-Radio dabei. Schnell werden die anderen Berufskollegen in seiner Nähe zu seinem Gefolge.
Zehn Minuten später dann der große Augenblick: Die Tür geht auf. Sofort positionieren sich Kameramänner und Fotografen und erwarteten den Einmarsch der Teenie-Idole. Doch einzig ein grimmig blickender Sicherheitsmann stampft in den Raum. Die anfänglich gute Stimmung - Journalistinnen erzählen von Freundinnen, die riesengroße Fans sind - schwankt, denn schließlich will fast jeder der Anwesenden auch das WM-Spiel sehen.
Weitere fünf Minuten vergehen, dann ist es wirklich soweit: Hauptdarstellerin Kristen Stewart stöckelt gekonnt auf 10-Zentimeter-Stilletos in den Raum, gefolgt von Taylor Lautner. Der 20-Jährigen sieht man bereits beim Betreten des Raumes an, dass Veranstaltungen wie diese nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen. Lautner hingegen scheint die Situation weniger auszumachen. Unter dem Make-Up der Schauspieler schimmern tiefe Augenringe durch. Die Pressetour führte das Duo schon nach Australien, Asien und in andere europäische Städte wie Paris oder Rom.
Rote Karte für private Fragen
Nachdem die wichtigste Frage des Tages geklärt ist - Kristen Stewarts enganliegendes Kleid in Blau und Schwarz mit den vielen Reißverschlüssen an Rücken und Vorderseite stammt von Versace - kann die Fragerunde beginnen.
Einzige Voraussetzung: Keine private Fragen. «Für die gibt es die rote Karte. Und Sie und ich wissen ganz genau, welche das sind», gibt Moderator Christian Aust zu verstehen. Kristen Stewart muss also keine Fragen nach Robert Pattinson fürchten.
Stattdessen wird sie gefragt, ob sie trotz ihres Bekanntheitsgrades noch die gleichen Dinge machen könne wie früher. «Taylor hat das mal ganz gut formuliert: Man gibt nichts auf, man passt sich der Situation an. Ich mache immer noch die Dinge, die ich früher schon gern gemacht habe. Wenn ich einen Kaffee will, hole ich mir den dann aber vielleicht nicht mehr unbedingt bei Starbucks», antwortet Kristen Stewart. Auf der anderen Seite habe sie als Schauspielerin auch Privilegien, die andere in ihrem Alter nicht hätten. Lautner schließt sich dem an und ergänzt: «Wenn man sich die Dinge, die man gerne macht, nehmen lässt, bekommt man Probleme.»
Wie sie sich auf ihre Rollen vorbereitet hätten, möchte eine Journalistin wissen. Beide sind sich einig, dass die Lektüre der Bücher die wichtigste Einstimmung auf ihre Rollen gewesen sei. «Die Bücher sind so wichtig, weil darin Details enthalten sind, die die Fans so gerne sehen möchten», führt der 18-Jährige aus. «Die Geschichte ist geschrieben, man kann aber nicht alles in den Filmen umsetzen. Deshalb müssen wir alle sicher gehen, dass die Wahl auf die richtigen Dinge gefallen ist», ergänzt Stewart.
Wie bereits erwähnt, merkt man Kristen Stewart ihr Unbehagen deutlich an. Sie stockt oft, sucht nach Worten, gestikuliert viel, greift sich immer wieder an den Hals und wird am Ende der Sätze immer schneller, als sehe sie das Ende in greifbarer Nähe. Die 20-Jährige unterscheidet sich von vielen ihrer Kollegen, die man Selbstdarsteller nennen kann oder gar muss. Sie schaut oft nach unten, dann wieder zu Lautner als gebe der ihr Sicherheit. Auch Lautner schaut oft zu Stewart. Doch bei ihm scheint es aus einem Schutzinstinkt zu sein. Fast hat man das Gefühl, der kleine Bruder passe auf seine große Schwester auf.
«Ich liebe meinen Wolf.»
Die nächste Frage sorgt auf Seiten der Schauspieler wie Journalisten für Gelächter. Wie sehr Taylor Lautner, der Jacob Black, einen Teenager, der zugleich Werwolf ist, spielt, mit seiner felligen Version zufrieden sei. «Ich bin zutiefst zufrieden. Ich liebe meinen Wolf. Ab und zu bin aber auch eifersüchtig auf ihn, weil er die ganzen coolen Actionszenen machen darf. Und ich durfte nur daneben stehen und zuschauen.» «Er spielt aber auch ein bisschen mit Bella», wirft Stewart amüsiert ein. «Ja, mit Bella darf er auch rumtollen. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich eifersüchtig auf ihn bin», so Lautner.
Dann die schwierigste Frage der Pressekonferenz an den Jacob-Darsteller: Wer, glaubt er persönlich, verdient Bella objektiv am meisten? «Oh das ist schwer. Wenn ich Bella wäre, könnte ich mich nicht entscheiden. Da sind zwei Typen, die unsterblich in dich verliebt sind und das komplette Gegenteil darstellen. Den größten Vorteil, den Jacob hat, ist, dass Bella sich für ihn nicht verändern müsste und Abschied nehmen müsste.» Stewart widerspricht Lautner und erklärt, dass sich ihre Figur für niemanden verändere.
Eine der letzten Fragen beschäftigt sich mit dem Programm der beiden an ihrem freien Tag in Berlin am heutigen Samstag. Bislang hätten sie keine Pläne, seien aber für Tipps offen, erwidern die Schauspieler. «Ihr könnt Fußball schauen. Es gibt hier auch Public Viewing.», schlägt der Moderator vor, bevor ihm wohl einfällt, welche Auswirkungen das hätte und er schnell nachschiebt: «Wobei das wäre wohl keine so gute Idee.» Alle Anwesenden lachen.
Am Ende winkt Kristen Stewart noch kurz zwei-, dreimal in eine Kamera und geht dann so schnell es ihre High-Heels zulassen zum Rand der Bühne. Dort steht Lautner und legt schützend seine Hand um sie. Und da ist es wieder das Bild vom kleinen Bruder, der auf seine große Schwester aufpasst.
Nicht einmal fünf Sekunden nachdem beide den Raum verlassen haben, ruft jemand in den Raum: «Wie steht's denn nun eigentlich?» Ach ja, richtig. Da gab es ja auch noch eine andere Veranstaltung zur gleichen Zeit.
voc/news.de