So., 12.02.12

«Altiplano» Gegen Profitgier und Ausbeutung

Von Franziska Bossy

Artikel vom 21.06.2010

Wenn Industrienationen die Ressourcen von Schwellenländern ausbeuten, nehmen sie oft keine Rücksicht auf die Bevölkerung. Doch was geschieht, wenn sich die Menschen gegen die Profitgier auflehnen? Diesen Kampf zeigt der Film Altiplano.

Altiplano (Spanisch für «Hochebene») folgt einer Handvoll Figuren, die gegen die Unmenschlichkeiten der Welt aufbegehren, um nicht daran zu zerbrechen. Jasmin Tabatabai beispielsweise spielt die Kriegsfotografin Grace. Sie hadert mit einem traumatischen Erlebnis: Im Irak wurde ihr Führer Omar in genau jenem Moment erschossen, als Terroristen sie zwangen, ihn abzulichten. Wieder daheim in Belgien schwindet Graces Glaube an ihren Beruf. Ihr Mann Max versucht, sie aufzurichten: «Unabhängige Fotografen sind unsere einzige Hoffnung, Grace. Gegen die Gleichschaltung der Bilder».

Zur gleichen Zeit wartet die Peruanerin Saturnina (Magaly Solier) darauf, dass ihr Bräutigam Ignacio aus den Anden zurückkehrt, um ihr das traditionelle Hochzeitsgeschenk zu überreichen - das heilige Gletscherwasser. Die Bewohner in ihrem Dorf leiden an einer seltsamen Augenkrankheit. Ein Ärzteteam, zu dem auch Max gehört, erkennt, dass der Ort vermutlich verseucht ist: Durch das Quecksilber, das als Abfallprodukt in der Goldmine anfällt. Eine amerikanische Bergbaufirma scheint die Gegend als Müllhalde zu nutzen.

Die Mediziner brechen auf, um die Ursachen der Massenvergiftung zu dokumentieren. Dabei treffen sie auf die Dorfbewohner, die Ignacios Tod beweinen, der dem Leiden erlag. Den Ausländern trauen sie nicht mehr und bewerfen sie mit Steinen - Max wird tödlich am Kopf getroffen. In Belgien beschließt Grace daraufhin, ihrer Trauer an jenem Ort zu begegnen, an dem Max verstarb. Ihre Reise über die Hochebene der Anden führt sie zu einer aufreibenden Begegnung mit den Menschen, die bereit sind für ihren Kampfesgeist mit dem Leben einzustehen - auch wenn die Zivilbevölkerung gegen die Gewinnsucht der Mächtigen kaum etwas ausrichten kann.

Die Ereignisse in Peru, die der Film des belgisch-amerikanischen Regisseursduos Peter Brosens und Jessica Woodworth thematisiert, beruhen auf dem aktuellen Zeitgeschehen. Das Land leidet unter der Umweltverschmutzung, die der boomende Goldabbau besonders seit den 1990er Jahren verursacht. Altiplano stellt sich dabei auf die Seite der Opfer. Mit einigem Pathos. Der Film, darin liegt seine Schwäche, schwelgt in einer manchmal gar zu überfrachteten Zeichenwelt, beispielsweise wenn Saturnina zu einer Art christlicher Jesusfigur übersteigert wird.

Überzeugend sind hingegen jene Momente, in denen sich die Schauspieler gegen die hilflosen Situationen ihrer Figuren stemmen. So begegnet Jasmin Tabatabais Grace ihren Ängsten mit stillem Trotz - entschlossen, der Verzweiflung nicht kampflos den Sieg zu überlassen. Wie die Regisseure von Altiplano. Mit den durchkomponierten Farben, Formen und Symbolen ihrer entschleunigten Filmfotografie widersetzen sie sich der gehetzten Bildsprache so mancher Blockbuster.

Titel: Altiplano
Regie: Peter Brosens & Jessica Woodworth
Darsteller: Jasmin Tabatabai, Magaly Solier, Olivier Gourmet
Produktionsland: Peru und Belgien
Filmlänge: 105 Minuten
FSK: ohne Angaben
Start: 24. Juni 2010

car/reu/news.de/dpa
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