So., 27.05.12

Roman Fischer 21.07.2010 «Diesmal habe ich meinen Humor entdeckt»

Roman Fischer (Foto)
Roman Fischer hat die Freude am Teamwork für seine Musik entdeckt. Bild: Ronny Banas/news.de

Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig

Mit erst 25 Jahren hat Roman Fischer den Ruf des deutschen Indiepop-Wunderkinds schon hinter sich gelassen. Im Interview erzählt er, warum er nach Berlin musste, um seine Ruhe zu finden. Und wie ein Schwede in ihm die Lust aufs Deutsche weckte.

Roman Fischer ist ein mutiger Mann. Wir treffen den 25-Jährigen zum Interview an der Leipziger Parkbühne, wo er das Vorprogramm für das Unplugged-Konzert der Sportfreunde Stiller bestreitet. Auf der Bühne spielt er fast nur Stücke vom neuen Album Roman Fischer, das erst übermorgen erscheinen wird und das deshalb nicht einmal seine größten Fans kennen können. Einen Tag nach dieser Show wird er bei Rock am Ring auf der Bühne stehen. Doch vor dem Festival in der Eifel, wo es normalerweise eher um harte Männer geht als um sensible Indiepop-Wunderkinder, ist ihm nicht bange. «Für uns ist es eine Ehre, dass wir da spielen dürfen», sagt er. Und verrät danach im Interview, warum er auf dem neuen Album auch den Mut gefunden hat, auf Deutsch zu singen.

Interview mit Roman Fischer
«Diesmal war ich ganz befreit»
Video: news.de

Wenn man das neue Album Roman Fischer hört, könnte man den Eindruck haben, dass der Gedanke an Sommer, Festivals und Konzerte schon im Studio eine Rolle gespielt hat.

Fischer: Auf jeden Fall. Es ging darum, kreativ zu sein, ohne sich allzu viele Gedanken zu machen. Früher habe ich oft nach möglichst cleveren Akkorden gesucht. Diesmal wollten wir einfach Spaß haben, und ich habe zum Beispiel ganz viel mit Klischees gespielt. Wenn man so will, habe ich auf dieser Platte meinen Humor entdeckt. Wir haben als Team ganz befreit gearbeitet, auch dank Produzent Patrick Berger.

Bisher hast Du sehr viele Instrumente selbst eingespielt. Die neue Herangehensweise bedeutete aber auch, dass Du die Alleinherrschaft über Deinen Sound abgeben musstest. War das schwierig?

Roman Fischer
Das Video zur Single "Into Your Head"

Roman Fischer -- Into Your Head - MyVideo
Video: Universal Music

Fischer: Das war vor allem am Anfang eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Aber im Rückblick hat mir das nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich sehr weiter geholfen. Im Lied Let It Go schreibe ich darüber, dass es manchmal gar nicht so wichtig ist, dass man alles selber im Griff hat.

Bist Du auch sonst eher ein Einzelgänger?

Fischer: Ich bin kein Partymensch, der die ganze Zeit ausgeht und es krachen lässt. Aber ich bin auch kein Einzelgänger, schon gar nicht im musikalischen Bereich. Ich bin schon seit Jahren mit so vielen Musikern verbunden, mit denen ich auch sehr gerne zusammenarbeite, da wurde es höchste Zeit, diese Offenheit auch mal im Konzept der Platte zu berücksichtigen. 

Wünscht Du Dir manchmal, Du hättest auch schon auf den ersten beiden Alben auf diese Weise gearbeitet?

Fischer: An manchen Stellen schon. Andererseits bin ich auch sehr zufrieden mit den beiden Platten. Bei Bigger Than Now«Bigger Than Now» war das Debütalbum von Roman Fischer, das 2004 erschien. war ich natürlich noch sehr jung und habe dann später versucht, mich ein bisschen von diesem leichten Pop zu distanzieren. Wenn ich mir das Album heute anhöre, finde ich sie aber sehr gut und mutig.

Die zweite Platte hast du kürzlich in einem Interview als «schockierend düster» bezeichnet. Wenn man den Videoclip zu Lightscapes anschaut, in dem Du eine Wand durchbrichst, die für alle anderen undurchlässig ist - muss man das dann auch als Statement interpretieren, dass Du nun wieder den Durchbruch zu optimistischeren Sounds geschafft hast?

Fischer: Die Idee für das Video kam von Regisseur Julian Reich, und man kann sie in viele Richtungen interpretieren. In dem Song geht es eigentlich eher um das System, in dem wir leben, um die Tatsache, dass immer mehr in immer kürzerer Zeit passiert. Inzwischen sehe ich das Video aber auch ein bisschen so, dass es für mich ein Durchbruch sein könnte, in eine andere Richtung zu gehen.

Hört man Roman Fischer an, dass die Platte nicht mehr in Augsburg, sondern in Berlin entstanden ist?

Fischer: Berlin ist in meinen Augen keine besonders inspirierende Stadt. Aber es ist eine Stadt, die mir die Freiheit gibt, Musiker zu sein. Trotzdem hätte ich die Platte nicht so gemacht, wenn ich noch in Augsburg gewohnt hätte, weil ich dann zu sehr auf mein Umfeld gehört hätte.

Also war das Ziel nicht so wichtig, aber es war wichtig, überhaupt rauszukommen?

Fischer: Ja. Andere Leute gehen in ein einsames Haus in Spanien, und ich bin eben nach Berlin gegangen und habe es dort geschafft, meine Ruhe zu finden und mir ganz viel Zeit zu nehmen, um zu reflektieren. Auch die elektronische Musik in Berlin hat die Platte sicherlich beeinflusst.

Was gab es sonst für Vorbilder für den Sound des Albums?

Fischer: Ganz viele. Es waren ja immerhin vier Jahre, die zwischen den beiden Platten liegen, und da entdeckt man eine Menge toller neuer Musik. Ich denke schon, dass man dem Album anhört, was ich selber für Bands und Musikrichtungen mag. Zum Beispiel haben diesmal die Blood Brothers eine große Rolle gespielt. Das ist eine Hardcore-Punkband, die sich jetzt leider aufgelöst hat. Aber auch Chairlift aus New York haben mich sehr inspiriert. Außerdem träume ich seit Jahren davon, einmal ein ganz hartes Soul- und R'n'B-Album zu machen. Das Schwierige war, diese sehr verschiedenen Einflüsse unter einen Hut zu kriegen.

Gibt es auch deutsche Künstler, an denen Du Dich orientierst?

Fischer: Natürlich schaue ich, ob es da Bezugspunkte gibt. Das ist aber auch ein Problem. Wenn man einmal von der deutschen Presse gelobt wird, so wie das bei Personare«Personare» war das zweite Album von Roman Fischer. Die Platte, die 2006 erschien, wurde vom Fachmagazin «Musikexpress» zum Album des Monats gewählt. der Fall war, dann versucht man oft, daran anzuschließen. Und mit dieser Herangehensweise habe ich eine Menge Zeit verschwendet. Erst dann habe ich erkannt: Es bringt nichts, wenn man sich selber noch einmal kopiert.

Gibt es für Dich trotzdem so etwas wie ein deutsches Selbstverständnis bei Deiner Musik?

Fischer: Mitterweile ja, das ist ganz witzig. Denn die Schweden, mit denen ich jetzt am neuen Album gearbeitet habe, sind alle riesige Deutschland-Fans. Produzent Patrick Berger hätte sich als Teenager beinahe «Autobahn» auf den Arm tätowieren lassen, weil er von Kraftwerk so begeistert war. Und ich habe eigentlich erst durch die Schweden diese urdeutschen Sachen wie Krautrock so richtig gut kennen gelernt. So ist dann auch All Night All Day entstanden, wo ich auch auf Deutsch singe. Deutsch und Englisch zu mischen, fand ich eigentlich immer total uncool. Aber die Schweden sagten dann: Wieso? Du kommst doch aus Deutschland? Damit kannst Du auch Stellung beziehen zu Deiner Heimat. Und sie hatten Recht: Letztlich ist All Night All Day ein Lied geworden, das unbedingt auf die Platte drauf musste.

ruk/news.de
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Roman Fischer: «Diesmal habe ich meinen Humor entdeckt» » Medien » Nachrichten

URL : http://www.news.de/medien/855061134/diesmal-habe-ich-meinen-humor-entdeckt/1/

Schlagworte:

Aber , ALBA Berlin , Alben , Album , Albums , All , Andrea Fischer , Anfang , Arm , Arndt Leipzig , Arno Fischer , Aufgelöst , Augen , Augsburg , Autobahn , Bands , Bange , Befreit , Beispiel , Ben Stiller , Bereich , Berger , Berlin Aber , Berlin Anfang , Berlin Anlässlich , Berlin Anzeichen , Berlin Auffassung , Berlin Bayreuther , Berlin Berlin , Berlin Celi , Berlin Ciolek , Berlin Cup-Verteidiger , Berlin Delf , Berlin Dominic , Berlin Dominik , Berlin Donnerstag , Berlin Dragons-Tigers , Berlin Erfurt , Berlin EU-Staats , Berlin Eva , Berlin Fallada , Berlin Farhadi , Berlin Gäste , Berlin Genau , Berlin Genauso , Berlin Gerdemann , Berlin Grenland , Berlin Gut , Berlin Häufige , Berlin Homepage , Berlin Internationale , Berlin Jugendlich , Berlin Kontrolleure , Berlin Linien , Berlin Magdeburg-Frisch , Berlin Männer , Berlin Marcel , Berlin Mecklenburg-Vorpommern , Berlin Modewoche , Berlin Moslemische , Berlin Musik , Berlin Patienten , Berlin Philip , Berlin Post , Berlin Preissenkungen , Berlin Recht , Berlin Recycling , Berlin Retikulozyten-Wert , Berlin Spekulationen , Berlin Stieglitz , Berlin Tagsüber , Berlin Teilkündigungen , Berlin Thüringen , Berlin UhrDonnerstag , Berlin Ulrich , Berlin Urteil , Berlin Verleihung , Berlin York , Berlin Zeit , Berlin Zeit82 , Bestreitet , Bezugspunkte , Blood , Bringt , Brothers , Bühne , Castro Schweden , Charlie Day , Christine Berger , Deutsch , Deutschland , Diesmal , Dieter Fischer , Doris Day , Durchbruch , Ehre , Eifel , Eindruck , Einflüsse , Einzelgänger , Elaine Jung , Elvis Festival , Elvis Festivals , Englisch , Erfahrung , Erzählt , Fans , Festival , Festivals , Finde , Fischer , Freiheit , Früher , Gedanke , Gedanken , Gefunden , Geholfen , Gelassen , Gelernt , George Julian , Geschafft , Gewählt , Gewohnt , Gonzalez Spanien , Grazia Früher , Griff , Größten , Hannelore Kraft , Hartes , Haus , Heimat , Helge Reich , Herangehensweise , Hort , Humor , Hut , Idee , Inke Ruhe , Instrumente , Interview , Jahre , Jahren , Jason Day , John Patrick , Julian Ade , Julian Jakobs , Julian Justus , Julian Kern , Julian Lenz , Julian Loose , Julian Ratei , Julian Schleibner , Julian Talbot , Julian Weigend , Klischees , Konzept , Konzerte , Kraft Anfang , Kraft Klitschkos , Kraftwerk , Kreativ , Künstler , Leipziger , Let , Leute , Lied , Lisa Fischer , Männer , Manuel Fischer , Mauri Spanien , Maybrit Julian , Menge , Michael Kraft , Music Festival , Musik , Musikalisch , Musikalischen , Musiker , Musikern , Musikrichtungen , Mut , Mutig , MyVideo , Neil Patrick , New , Night , Now , Offenheit , Patrick Bauer , Patrick Davis , Patrick Döring , Patrick Ebert , Patrick Engel , Patrick Gaisbauer , Patrick Galbraith , Patrick Grabsch , Patrick Heuscher , Patrick Ilbag , Patrick Kennedy , Patrick Kirsch , Patrick Kraemer , Patrick Lefevere , Patrick MillerOne , Patrick Most , Patrick Moster , Patrick Rahmen , Patrick Rakovsky , Patrick Wilson , Patrick Wojcicki , Patrick Ziegler , Platte , Platten , Pop , Presse , Problem , Produzent , Recht , Regisseur , Richtung , Richtungen , Riesige , Ring Krankenversicherungsverein , Ring Riihilahti , Ring WBO-Cruisergewichts-Weltmeister , Rock , Rolle , Roman Beresowski , Roman Bezus , Roman Blood , Roman Blumenberg , Roman Buddenbrooks , Roman Eistau , Roman Engel , Roman Feillu , Roman Fischer , Roman Goethe , Roman Heldensommer , Roman Jáchymov , Roman Jung , Roman Kapitonenko , Roman Knizka , Roman Muttersohn , Roman Neustädter , Roman Opalka , Roman Open , Roman Polanskis , Roman Ringel , Roman Schirokow , Roman Schlachthof , Roman Schneider , Roman Sebrle , Roman Tauben , Roman Tschick , Roman Under , Roman Vorabend , Romanée , Rückblick , Ruhe , Sachen , Schweden , Selbstverständnis , Sensible , Show , Sommer , Song , Soul , Sound , Sounds , Spanien , Spaß , Sportfreunde , Stadt , Statement , Stellen , Stellung , Steve Reich , Strong , Stücke , Studio , System , Tag , Target , Tatsache , Team Anfang , Teenager , Than , Toller , Umfeld , Ungewöhnliche , Unplugged-Konzert , Uwe Fischer , Verbunden , Video , Videoclip , Vorbilder , Vorprogramm , Wand , Weise , Witzig , Wochen , Wolfgang Fischer , Wünscht , York Fans , York Festival , Zeit , Ziel , Zufrieden ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige