Von den news.de-Redakteuren Ullrich Kroemer und Konrad Rüdiger
Dreikampf der Fernsehsender: ARD, RTL und Sky sendeten stundenlang vom ersten Spieltag der WM. Wir haben genau hingeschaut und alles auf den Prüfstand gestellt. Vor allem bei den sogenannten Experten gab es klare Gewinner. Und Verlierer.
Was für ein Lärm, was für ein Getöse. Der erste Spieltag der Fußball-WM in Südafrika war der erste Härtetest für die deutschen TV-Sender. Während das ZDF erst heute ins Geschehen eingreift, haben ARD, RTL und der Bezahlsender Sky den Kampf um die Fernsehkrone bereits aufgenommen. Und die Quoten waren trotz des dauernden Vuvuzela-Lärms schon einmal sehr ordentlich. Wir haben vor, während und nach den ersten 180 Minuten genau hingeschaut.
Moderatoren und Experten
Die ARD verließ sich derweil auf das bald frühverrentete Duo Gerhard Delling und Günter Netzer. Letzter brillierte lediglich mit verquasten, des Rassismus verdächtigen Allgemeinplätzen wie «Der Afrikaner ist halt von der Mentalität her so.» Ansonsten wenig Licht.
Günther Jauch. Das reicht normalerweise. RTL stellte ihm jedoch noch Jürgen Klopp zur Seite, der gewohnt launig analysierte. Verschenkt war das Geld für Jürgen Klinsmann, der aus dem Stadion wenig Licht ins Abenddunkel brachte.
Zum Eröffnungsspiel bot Sky die gesamte Senderprominenz auf: Experten waren «Kaiser» Franz Beckenbauer und «Tiger» Stefan Effenberg, die beide arm wären, wenn sie nach jeder Floskel in das berühmte Phrasenschwein einzahlen müssten. Moderiert wurde von Sebastian Hellmann, der wie immer ein wenig zu glatt und gebügelt rüberkam. Besser war das Duo Dieter Nickles und Valerien Ismael. Der frühere Verteidiger der Franzosen sprach Klartext und glänzte mit intelligenten Analysen.
Kommentatoren:
ARD-Mann Gerd Gottlob gilt eher als Schlaftablette unter den Kommentatoren. Beim 1:0 für Südafrika rastete er für seine Verhältnisse richtig aus und ergötzte sich am Namen des Torschützen Tshabalala. Sein Fachwissen ist aber ausbaufähig.
RTL-Kommentator Florian König konnte das allerdings ohne große Mühe noch unterbieten. Kaum Detailwissen, Schwierigkeiten bei der Aussprache und fast nur Nachplappern der Spielernamen. Auswechslung dringend nötig!
Das Eröffnungsspiel war natürlich ein Job für Sky-Chefkommentator Marcel Reif, der bewies, dass er trotz gelegentlicher Altersschwächen noch immer einer der besten deutschen Fußballkommentatoren ist. Tom Bayer reportierte vom zweiten Spiel des Abends insgesamt zu wenig akzentuiert, selten witzig und geistreich, dafür oft eintönig und dröge. Sein Dauergemurmel passte gut zum ununterbrochenen Vuvuzela-Getröte.
Vorberichte und Einspieler
Ralf Scholt griff für die ARD im Stadion zum Lautstärkemesser und ließ sich bereitwillig mit Vuvuzela-Lärm volltröten, Außenreporterin Valeska Homburg berichtet von einem südafrikanischen Public Viewing, wo es vor allem laut war und zudem chaotisch. Was wiederum eine Vorlage für den deutschtümelnden Günter Netzer war. Gewohnt umfassende Vor- und Nachberichterstattung. Verzichtbar: Franziska van Almsick als Reisejournalistin. Kostet nur unnötig unsere GEZ-Gebühren.
RTL setze vorweg klar auf ein Sparprogramm. Das Sparpaket aus Köln beinhaltete billig aus Werbeaufnahmen zusammengeschnitten Vorberichten und einer wenig unterhaltsamen Reise von Rainer Calmund durch Uruguay. Der Start war allerdings hoprig. Grölende Fans brachten sogar Günther Jauch fast aus der Fassung. Die Analyse danach war locker und fluffig.
Bereits um 12 Uhr begann der selbsternannte 24-Stunden-WM-Sender Sky seine Berichterstattung. So viele interessante Vorberichte kann man gar nicht produzieren, um diese Zeit zu überbrücken. Weniger ist manchmal eben mehr. Und die Live-Schalten zum Public Viewing der Münchner Promi-Disko P1 - vor und nach den Spielen (!) - war ungefähr so gehaltvoll wie ein alkoholfreies Bier.
Technische Hilfsmittel
Die ARD hat offenbar viele junge Mitarbeiter, die sehr oft auf YouTube surfen. Ausbaden musste es Gerhard Delling, der ungelenk auf einem Touchscreen herumtatschte, um die Einspieler zum laufen zu bekommen. Das ist sogenannte zeitgemäße Optik, die Delling und Netzer offensichtlich nicht liegt.
RTL hingegen versuchte den Grafiker nicht allzu lang zu beschäftigen. Billige Animationen und Grafiken, die auch im Jahr 2000 schon Standard waren. Andersherum könnte man auch sagen: auf unnötigen Schnickschnack wurde verzichtet.
Solider Sky-Standard, im Gegensatz zur ARD funktioniert hier auch das Touch-Pad zur angenehm ruhigen und sachlichen (Ismael!) Spielanalyse. Als jedoch im Vorfeld der Partien die Aufstellungen besprochen wurden, wirkte die Grafik dazu wie ein Sprung zurück ins C64-Zeitalter.
Fußballerlebnis insgesamt
Die ARD setzte auf geballte Manpower und die Altherren Delling und Netzer, RTL vor allem auf das gut aufgelegte Duo Günther Jauch und Jürgen Klopp. Beide Kommentatoren müssten eigentlich auf die Auswechselbank. Zwischen den frei empfangbaren Sendern also ein Unentschieden. So wie auch den beiden Plätzen.
Wenn der Ball einmal rollt, ist man bei Sky gut aufgehoben. Der Bezahlsender hat nur ein Problem: Bis auf Marcel Reif gibt es keinen erstklassigen Reporter. Die Analysen gehen aber tiefer als beim Öffentlich-Rechtlichen - vorausgesetzt Beckenbauer und Effenberg sind nicht dabei.
Fazit: Unentschieden, wohin man auch schaute. Der erste Sieger-Sender wird noch gesucht. Denn: Einzelkönner machen noch lange kein gutes Team aus.
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