Unerbittlich und ohne Gnade
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 12.06.2010
Clint Eastwood - der Name steht für Western, Cowboys und Dirty Harry. Zum 80. Geburtstag des Schauspielers und Regisseurs zeigt das Erste heute Abend den Westernklassiker Hängt ihn höher und an den nächsten Samstagen weitere Eastwood-Filme.
80 Jahre alt ist Clint Eastwood vor kurzem geworden. In nahezu 70 Filmen konnten wir ihn als zähnefletschenden, stirnrunzelnden Mann fürs Grobe bewundern. Einer davon ist der Western Hängt ihn höher aus dem Jahr 1968, den Das Erste am 12. Juni zu nächtlicher Sendezeit zeigt.
Mit diesem Film über Gerechtigkeit, Rache und Vergebung wollte Eastwood an seine großen Erfolge in Sergio Leones Italowestern anknüpfen. Ob dieser Versuch gelungen ist, davon können sich die Nachteulen unter den Fernsehzuschauern von 0.05 Uhr an selbst ein Bild machen. Es ist nicht der einzige Film, mit dem das Erste Clint Eastwood zum 80. Geburtstag gratuliert. Der Sender zeigt an den nächsten Samstagabenden eine ganze Eastwood-Filmreihe.
In Hängt ihn höher entgeht Jed Cooper (Clint Eastwood) in buchstäblich letzter Sekunde als vermeintlicher Mörder dem Tod durch den Strang. Um ein Haar wäre er das Opfer einer brutalen Lynchjustiz geworden. Neun Männer hatten Jed schon aufgeknüpft und ein roter Striemen am Hals wird ihn zeitlebens daran erinnern. Doch seine Gegner haben zwei tödliche Fehler gemacht: Sie versuchten den Falschen aufzuhängen - und führten diesen Job dann nicht einmal ordentlich aus. Jed Cooper sinnt auf Rache, nimmt die Verfolgung auf. Einer nach dem anderen wird von ihm gestellt und zur Rechenschaft gezogen.
Hängt ihn höher ist kein Western mit klassischem Showdown und klarem Frontverlauf zwischen Gut und Böse. Das offene Ende mag im ersten Moment enttäuschen, ist aber letztlich konsequent, denn der Film wirft fundamentale Fragen nach Recht und Gerechtigkeit auf, die bis heute nicht abschließend beantwortet werden können.
Clint Eastwood verkörpert als Jed Cooper den Helden US-typischen Zuschnitts - allerdings einen mit vielen Brüchen und inneren Abgründen. Gerade darin liegt der Reiz der Hauptfigur. Coopers persönliche Gier nach Rache liegt im Kampf mit seiner Sehnsucht nach einer unabhängigen, übergeordneten Gerechtigkeit. Deshalb wirkt er in seinen Handlungen oft schwankend: mal ist er gnadenloser Verfolger und Vollstrecker, unerbittlich und ohne Gnade, mal einer, der lieber Gnade vor Recht ergehen lassen möchte.
Das erschiene vermutlich unglaubwürdig, wäre da nicht die grandiose Schauspielkunst von Clint Eastwood, dessen Schweigsamkeit meist beredter ist als tausend Worte. Er und die kongeniale Inger Stevens als Rachel Warren erinnern uns an die große Verletzlichkeit jedes Menschen: und auch daran, dass Gewalt in viele Richtungen wirkt und manches für immer verändert. In uns und um uns.
Weitere Klassiker wie Zwei glorreiche Halunken von Sergio Leone und Der Mann aus San Fernando stehen in den nächsten Wochen auf dem Programm, aber auch Eastwoods Regiedebüt Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten und das Melodram Brücken am Fluss mit Meryl Streep.
Die Clint-Eastwood-Filmreihe des Ersten im Überblick:
Hängt ihn höher, 12. Juni, 0.05 Uhr
Der Mann aus San Fernando, 19. Juni, 0.05 Uhr
Mit Vollgas nach San Fernando, 26. Juni, 23 Uhr
City Heat – Der Bulle und der Schnüffler, 3. Juli, 22.45 Uhr
Der Wolf hetzt die Meute, 17. Juli, 23.15 Uhr
Agenten sterben einsam, 24. Juli, 22.15 Uhr
Zwei glorreiche Halunken, 31. Juli, 22.15 Uhr
Die Brücken am Fluss, 7. August, 23 Uhr
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